Samstag, 18. November 2017

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Geschrieben von Boris Janssen am 19. Dezember 2013.
Politik

Wegschieben – oder was draus machen

Grünen-MdL Heiner Scholing besucht auf der Königshütte ein „wunderbares Projekt“. Trotzdem: Für Fördermittel vom Land müsse erst einmal ein regionales Gesamtkonzept her.

Ist ein Licht schon aus oder sind zwei noch an? Auf der Königshütte muss was passieren, findet nicht nur der Förderkreis-Vorsitzende Hillegeist.
Ist ein Licht schon aus oder sind zwei noch an? Auf der Königshütte muss was passieren, findet nicht nur der Förderkreis-Vorsitzende Hillegeist.
Heiner Scholing hört am Scholmwehr aufmerksam zu…
Heiner Scholing hört am Scholmwehr aufmerksam zu…
…und bekommt von Hans-Heinrich Hillegeist den Hüttenbrunnen…
…und bekommt von Hans-Heinrich Hillegeist den Hüttenbrunnen…
…das Südharzer Eisenhüttenmuseum und noch mehr vom „spannenden Gelände“ gezeigt.
…das Südharzer Eisenhüttenmuseum und noch mehr vom „spannenden Gelände“ gezeigt.
A walk at the Kurpark (von links): Simone Stolzenbach, Fritz Vokuhl, Heiner Scholing und Volker Puhrsch.
A walk at the Kurpark (von links): Simone Stolzenbach, Fritz Vokuhl, Heiner Scholing und Volker Puhrsch.
Es muss nicht immer Gold sein: Eintrag ins „Eiserne Buch“.
Es muss nicht immer Gold sein: Eintrag ins „Eiserne Buch“.

Heiner Scholing sieht für die Königshütte genau zwei Möglichkeiten: „Entweder man macht was draus. Oder man kann es wegschieben.“ Das Oder kann keiner wollen, am wenigsten der rührige Förderkreis. Genau deshalb hatte der Vorstand gemeinsam mit Grünen-Ratsherr Fritz Vokuhl den Landtagsabgeordneten Scholing (Bündnis 90/Die Grünen) nach Bad Lauterberg eingeladen: Um zu fragen, wie man was draus machen kann, vor allem in finanzieller Hinsicht.

Dass man aus dem Industriedenkmal mitten in der Stadt was machen kann, davon war der Gast schnell überzeugt. Kaum am Hüttenbrunnen angekommen, schwärmte Scholing am Mittwoch (18.12.2013): „Beeindruckend. Das sind tolle Gebäude.“ Und nach einer Führung über das Areal, durch die Häuser und das Museum bescheinigte er: „Das ist ein spannendes Gelände - hier gibt’s wirklich was zu sehen. Es ist zum Anfassen. Es riecht nach der Vergangenheit.“ Das sei genau das Richtige für Kinder. Und es habe viele Entwicklungspotenziale. Was man da in skandinavischen Ländern nur großartiges mit machen würde…

Der Vorsitzende des Förderkreises Königshütte Hans-Heinrich Hillegeist versuchte genau diese Potenziale aufzugreifen – schließlich ging es ja darum, einmal die Finger nach möglichen Fördergeldern auszustrecken. In diesem Jahr habe der Förderkreis schon 2.200 Besucher über die Königshütte geführt – bei seinen nicht einmal 40 regulären Führungen und bei Sonderführungen, die immer stärker nachgefragt würden. „Leider haben die Schulen in der Region noch nicht gemerkt, was wir hier haben“, sagte Hillegeist. Aber bei besonderen Aktionen zum Beispiel zum Tag des offenen Denkmals, wenn beim Schaugießen geholfen werden darf, merke man, „wie sehr sich die Kinder davon begeistern lassen.“ Von wegen angestaubt, also.

Zauberwort Vernetzung

Heiner Scholing blieb ehrlich: Allzu große Hoffnung auf schnelles Geld machte er dem Förderkreis nicht. Es herrsche ein Fördermittelwirrwarr – und Einzelmaßnahmen würden heutzutage ohnehin nicht mehr so gern gefördert. Die Politik denke inzwischen mehr in Regionen. Das sehe man auch am sogenannten Südniedersachsenplan, mit dem die rot-grüne Landesregierung die Region nunmehr gezielt fördern will. Südniedersachsen werde in Hannover als stark vernachlässigter Raum angesehen, was nun ein wenig korrigiert werden solle. Es gebe also durchaus realistische Chancen auf Fördermittel, aber der Förderkreis müsse sein „wunderbares Projekt“ als Gesamtkonzept verkaufen, als Teil eines Größeren, das die gesamte Region voranbringt. Und das gehe nur über Vernetzung. „Das ist das Zauberwort.“

So empfahl Scholing gleich als Erstes, den zukünftigen Landesbeauftragten für die Region Braunschweig herzuholen. Dieses Amt wird zum Jahreswechsel neu geschaffen und ist als Mittler zwischen lokaler und Landesebene, den Ministerien, gedacht.

Das werde er sofort tun versprach Hillegeist. Und man arbeite ja auch mit dem Landesdenkmalpfleger zusammen, „ein engagierter Mann, der uns gut unterstützt.“ Leider fehle die Unterstützung aus Bad Lauterberg selbst, beklagte Fritz Dittmar vom Beirat des Förderkreises. „Aus der Stadt, vom Rat und von der Verwaltung kommt leider wenig Hilfe für unsere ehrenamtliche Arbeit.“

Fritz Vokuhl gestand denn auch selbstkritisch: „Wir setzen uns im Stadtrat zu wenig ein.“ In der Tat müsse die Bedeutung des Industriedenkmals Königshütte mehr ins Bewusstsein gerückt werden, die Hütte sei eine der Wurzeln der Stadt. Es gehe nun darum, das ganze plastisch zu verkaufen.

„Wir sind lange genug auf der Stelle getreten. Jetzt muss mal etwas passieren“, wollte Hillegeist am liebsten sofort loslegen. Da bremste Heiner Scholing: „Das Land ist noch nicht am Zug.“ Erst einmal müsse aus der Region ein Plan her, der das ganze förderwürdig machte.

Brücke über Scholmwehr in „kritischem Zustand“

Das Gleiche gilt für den Landtagsabgeordneten übrigens auch beim Scholmwehr, dass die Gruppe zum Auftakt des Besuches besichtigte. Volker Puhrsch, Geschäftsführer der neu gegründeten Königshütte UG (UG heißt Unternehmergesellschaft und wird auch als Mini-GmbH bezeichnet), unterschied genau zwischen eigentlichem Wehr und der Brücke, die darüberführt. Das Wehr, das noch immer Voraussetzung für die Stromproduktion auf der Königshütte ist, sei im Wesentlichen noch okay. Der Zustand der Brücke sei jedoch zumindest kritisch. Es gebe verschiedene Ideen, wie eine Sanierung ablaufen könnte: Eine davon sei, die Brücke in Einzelteilen zu demontieren und anderswo wieder herzurichten – dann hätte man keine Probleme mit dem Schutz der durch das Wehr fließenden Oder und könnte ohne Schwierigkeiten an der Unterseite schweißen.

Es gebe noch keine konkreten Kostenvoranschläge, aber welche Kostenverteilung ihm zwischen Stadt und Könighütte vorschwebt, weiß Puhrsch genau: „50:50.“ Schließlich sei die Brücke inzwischen ein wichtiger Verbindungsweg geworden zwischen dem ausgebauten Kirchberg mit seinen Kliniken und Kureinrichtungen sowie dem Stadtzentrum. Die Stadt sei also mit in der Pflicht, wenn es um den Erhalt dieses eigenständigen Denkmals geht.

Auch in diesem Fall mahnte der Abgeordnete aus Hannover: „Es muss erst einmal ein Konzept geben. Dann kann man mit dem Land zumindest drüber reden.“ So zog Scholing am Ende ein zum Advent passendes Fazit: „Heute konnten wir ein erstes Türchen aufmachen.“ Ein erstes Türchen auf dem Weg in die Ministerien. Nun müsse der Förderkreis seine sprichwörtlichen Hausaufgaben anpacken, das Projekt Königshütte wichtig und bedeutsam machen.

Der Förderkreis ist dabei wohl schon in der richtigen Richtung unterwegs. Scholings Mitarbeiterin Simone Stolzenbach jedenfalls verewigte sich im „Eisernen Buch“ des Vereins „mit großem Respekt und hoher Achtung vor der Arbeit des Förderkreises.“ Da muss doch was zu machen sein.

 

Führungen und Kontakt:

Führungen über das Gelände der Königshütte, durch die historische Maschinenfabrik und das Eisenhüttenmuseum finden von Oktober bis April jeden 2. und 4. Dienstag eines Monats statt, von Mai bis September an jedem Dienstag. Treffpunkt ist um 15 Uhr am Hüttenbrunnen. Sonderführungen sind nach Vereinbarung möglich.

Kontakt zum Museum und zum Förderkreis: Hans-Heinrich Hillegeist (Göttingen),   Telefon 0551 / 770 06 83, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! . Mehr zur Königshütte lesen Sie hier und auf der Website des Förderkreises (externer Link).

 


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