Diese Webseite verwendet Cookies. Mit der weiteren Nutzung von LauterNEUES erklären Sie sich damit einverstanden.

Samstag, 20. Juli 2019
Login



Geschrieben von Boris Janssen am 30. September 2016.
Politik

Kostenexplosion bei der Grundschule

Der Um- und Neubau der Grundschule am Hausberg sprengt wohl die 3,5 Millionen Euro

Darum beneidet Bad Lauterberg sicher niemand: Unter anderem die Verlegung der Stromversorgung für die Hauptstraße im März 2016 soll Schuld daran sein, dass beim Umbau der Grundschule am Hausberg plötzlich die Kosten steigen.
Darum beneidet Bad Lauterberg sicher niemand: Unter anderem die Verlegung der Stromversorgung für die Hauptstraße im März 2016 soll Schuld daran sein, dass beim Umbau der Grundschule am Hausberg plötzlich die Kosten steigen.

Es ist Bürgermeister Dr. Thomas Gans spezielle Angewohnheit, erst einmal alle möglichen Aspekte eines Themas anzusprechen, bevor er zum eigentlichen Knaller kommt. Auf der Ratssitzung am Donnerstag (29.09.2016) erzählte er, dass der Um- und Neubau an der Grundschule etwas „Außergewöhnliches“ für die Stadt sei und was darüber hinaus noch alles am Schulgelände geplant ist, dass zumindest das Gebäude in den Herbstferien nun hoffentlich einmal fertig werde und die Turnhalle – heute schon Ratssaal, ansonsten noch Baustelle – dann endlich von Kindern und Vereinen genutzt werden könne. Und dann ließ er die Bombe platzen, die zeigte, wie außergewöhnlich das Projekt ist. Dieses Mal war es keine positive Überraschung: Die Umbaukosten werden um eine bis 1,5 Millionen Euro steigen. Damit klettern sie wohl um mehr als die Hälfte auf insgesamt über 3,5 Millionen Euro.

Da gab es erst einmal nicht mehr allzu viele Ratsmitglieder, die noch etwas sagen konnten. Das Entsetzen stand ihnen wie dem Publikum ins Gesicht geschrieben. „Unfassbar“, nannte es Klaus-Richard Behling (BI). „Unglaublich“, sagte Volker Hahn (parteilos). „Untragbar“, empfand es Erik Cziesla (CDU). Unbequem wird es damit in den nächsten Wochen sicher vor allem für Bürgermeister Gans, Kämmerer Steffen Ahrenhold und auch den Architekten Thomas Petermann. Denn natürlich schwirrten den Ratsleuten gleich viele Fragen durch den Kopf.

 

Schon wieder vom Brandschutz überrascht

Barbara Rien (SPD) fragte den Architekten fassungslos: „Haben Sie das denn nicht erkennen können?“ Darauf antwortete Petermann schon gar nicht mehr. Er, der noch vor drei Monaten erklärt hatte, der Bau liege sowohl im Zeitplan (Fertigstellung sollte zum Schuljahresbeginn am 4. August sein), als auch im Kostenplan (2,2 Millionen Euro zum Zeitpunkt des Ratsbeschlusses), hatte gerade eben die enormen Kostensteigerungen mit mehreren Faktoren begründet.

Zum einen sorgten kürzere Ausschreibungsverfahren mit einem kürzeren Ausführungsfenster für höhere Preise – zum Beispiel habe man für Malerkosten 49.000 Euro kalkuliert, geworden seien es aber 78.000. Dann habe wegen der nötigen Erdarbeiten die Stromversorgung für die Hauptstraße verlegt werden müssen. Man sei auch auf Öltanks gestoßen. Für die neue Turnhalle könne man nicht wie geplant alte Sportgeräte wiederverwenden. Und natürlich habe es wieder einmal völlig unerwartete Brandschutzauflagen gegeben, so Petermann. Wohl eine Art Déjà-Vu, denn darüber wunderte er sich ja schon im vergangenen Jahr beim Umbau des Haus des Gastes, wo der Brandschutz drei Mal teurer wurde als veranschlagt.

 

„Da müssen Köpfe rollen“

Axel Peter (SPD) zeigte sich entsetzt, dass der Rat nicht vorher über die Kostenexplosion informiert worden sei. Vor allem aber brannte ihm nun eine Frage lichterloh unter den Nägeln: „Wer ist jetzt dafür haftbar zu machen?“ Mitglieder aller Fraktionen forderten umfassende Aufklärung, Klaus-Richard Behling fragte gar: „Warum sollten wir dazu nicht einen Untersuchungsausschuss einrichten?“ „Wer hat das alles genehmigt“, wollte Volker Hahn wissen und verlangte, es müsse eine detaillierte Kostenauflistung mit Begründung vorgelegt werden. Fritz Vokuhl (Grüne) will geklärt haben: „Wem war was wann bekannt? Wie lange hat man uns etwas verheimlicht?“

Erik Cziesla schäumte förmlich: „Das geht überhaupt nicht.“ Beim Umbaubeschluss sei man von ganz anderen Voraussetzungen ausgegangen, „das hat man uns ganz anders verkauft.“ So könne das nicht im Raum bleiben, so könne der Rat das nicht hinnehmen. „Da müssen Köpfe rollen.“

Ratsvorsitzender Gerhard Oberländer (SPD) wollte vor Ort etwas Druck herausnehmen: Mit Blick auf die unvermeidlichen Vergleiche mit der Elbphilharmonie und dem Pannenflughafen BER müsse man sich einmal überlegen, ob in der Gesellschaft nicht grundsätzlich einiges an der Realität vorbeigehe. Thomas Gans hingegen hatte Verständnis: „Ich teile die Reaktionen hier uneingeschränkt.“ Er zwang sich dazu, nicht mehr Regung zu zeigen, die wollte er sich für den anschließenden nicht-öffentlichen Teil aufheben.

 

Zukunftsvertrag nicht gefährdet – noch nicht

Zur Klärung der Fragen könnte die nächste Sitzungswoche dienen, die noch im Oktober stattfinden soll. Es muss schnell gehen, denn: „Die Ausgaben müssen in einem Nachtrags-Haushalt genehmigt werden“, stellte Kämmerer Ahrenhold fest. Er hoffe, dass er in der nächsten Woche alle nötigen Zahlen zusammen bekomme. Er beruhigte auf Nachfrage von Eike Röger (BI): „Wir werden den Zukunftsvertrag nicht gefährden.“ Zwar erhöhten sich die im Vertrag vorgesehenen jährlichen Aufwendungen für die Schule nun um 40.000 bis 45.000 Euro, dafür hätten sich andere Sparmaßnahmen deutlich positiver entwickelt als gedacht.

Allerdings ist auch klar: Bei allen anderen Bauvorhaben – Umbau der Lutterbergschule in ein Job-Center, Umzug der städtischen Kita ins Grundschulgebäude Barbis, neues Feuerwehrhaus für Bartolfelde und Osterhagen – ist jetzt für weitere Überraschungen keine Luft mehr. Und auch an der Grundschule ist noch einiges zu tun – die Herbstferien haben ja noch nicht einmal angefangen.

 

 

Die Entwicklung der Kosten

Die Kosten waren für viele Ratsmitglieder im November 2014 das Hauptargument, sich für die Grundschule am Hausberg als künftig einzige Grundschule Bad Lauterbergs zu entscheiden. In der Machbarkeitsstudie war man damals von rund 850.000 Euro für Umbau und Sanierung des alten Schulgebäudes ausgegangen. Im Juni 2015 kam dann das Angebot des Discounters Lidl, für eine Erweiterung seines Marktes die Turnhalle Bahnhofstraße zu einem stark überhöhten Preis zu kaufen, damit die Stadt im Gegenzug eine neue Turnhalle für die Grundschule bauen kann. Schnell wurden neue Pläne entwickelt, die der Rat im Juli 2015 beschloss – veranschlagte Kosten: etwa 2,25 Millionen Euro. Davon sollten nicht ganz eine Million durch den Verkauf der Turnhalle gedeckt sein, hätte für die Stadt also noch 1,3 Millionen bedeutet. Der Turnhallendeal gilt natürlich noch immer, doch jetzt befürchtet die Verwaltung die Kostensteigerung auf 3,5 Millionen Euro – bleiben mehr als 2,5 Millionen Euro für die Stadt.

Zum Vergleich: Laut Machbarkeitsstudie hätte selbst die „illusorische“ Herrichtung der Grundschule Bartolfelde für einen dreizügigen Betrieb nur etwa 3,4 Millionen Euro gekostet, der komplette Neubau einer „Idealschule“ 6,3 Millionen Euro. Sie hätten dann aber nicht ganz so viele Räume geboten, wie die jetzt umgebaute Grundschule am Hausberg.


.................................................................................................................................................

Bild der Woche