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Mittwoch, 19. Dezember 2018
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Geschrieben von ski am 05. Dezember 2018
Aktuell

Was wird aus dem Wiesenbeker Teich?

Durch den Denkmalschutz wird nicht nur die Wasserskianlage, sondern auch die Zukunft von Freibad und Campingplatz bedroht

Maik Dombrowsky weiß nicht, ob er die Wasserskianlage jemals wieder aufstellen kann. Das hat auch Folgen für Freibad und Campingplatz
Maik Dombrowsky weiß nicht, ob er die Wasserskianlage jemals wieder aufstellen kann. Das hat auch Folgen für Freibad und Campingplatz
Die Wasserskianlage fand schnell viele Fans. Foto: D. Pfeiffer
Die Wasserskianlage fand schnell viele Fans. Foto: D. Pfeiffer
Dombrowsky möchte das Kassenhäuschen modernisieren und aufstocken - doch das wurde ebenfalls abgelehnt
Dombrowsky möchte das Kassenhäuschen modernisieren und aufstocken - doch das wurde ebenfalls abgelehnt
"Artfremde Nutzung", die den Denkmalwert beeinträchtige. Foto: D. Pfeiffer
"Artfremde Nutzung", die den Denkmalwert beeinträchtige. Foto: D. Pfeiffer
Auch für den Bootsteg sei durch die Nutzung fürs Wasserski nun der Bestandsschutz erloschen
Auch für den Bootsteg sei durch die Nutzung fürs Wasserski nun der Bestandsschutz erloschen
Das über das Wasser gespannte Seil sei eine "bauliche Beeinträchtigung des Denkmals"
Das über das Wasser gespannte Seil sei eine "bauliche Beeinträchtigung des Denkmals"
"Wie soll ich den Campingplatz sinnvoll betreiben, wenn ich mich nicht weiterentwickeln darf?", fragt der Betreiber
"Wie soll ich den Campingplatz sinnvoll betreiben, wenn ich mich nicht weiterentwickeln darf?", fragt der Betreiber
"Beeinträchtigung des Denkmalwerts": hier sieht man den Damm und das Striegelhäuschen
"Beeinträchtigung des Denkmalwerts": hier sieht man den Damm und das Striegelhäuschen

Es war ein kurzes, aber intensives Vergnügen: am 2. September konnte Maik Dombrowsky, der Eigentümer des Campingplatzes am Wiesenbeker Teich, endlich seine Wasserskianlage in Betrieb nehmen. Vorausgegangen war ein jahrelanger Kampf um die Genehmigung der Anlage, die darin gipfelte, dass der Landkreis Göttingen eine Rückbauverfügung erließ. Nur durch einen Vor-Ort-Termin konnte Dombrowsky schließlich erreichen, dass die einstweilige Anordnung der Verfügung ausgesetzt wurde. So konnte also der Wasserspaß losgehen – und die Anlage erfreute sich großer Beliebtheit. „Es hat sich schnell eine ganze Gruppe von Stammgästen herausgebildet, die regelmäßig gelaufen sind, selbst, als das Wasser schon richtig kalt war“, sagt Maik Dombrowsky. Auch das Medieninteresse war riesig – die Anlage war sogar schon im NDR zu sehen. Schließlich ist sie die höchstgelegene Wasserskianlage Norddeutschlands und mit ihrer mobilen Bauweise (sie ist komplett abbaubar) eine Besonderheit.

„Ich hätte schon Dutzende von Jahreskarten für 2019 verkaufen können“, berichtet der Inhaber. Doch derzeit kann er überhaupt nicht sagen, ob die Anlage im Frühling wieder aufgebaut und in Betrieb gehen wird. Denn der Landkreis Göttingen hat nun den Widerspruch gegen die Rückbauverfügung zurückgewiesen. Die Begründung dafür stützt sich vor allem auf den Denkmalschutz.

Was den Teich zum Denkmal macht

Der Wiesenbeker Teich wurde 2010 als Bestandteil der Oberharzer Wasserwirtschaft in die Erweiterung von Bergwerk Rammelsberg und Altstadt von Goslar als UNESCO-Welterbestätte aufgenommen.

Der Teich wurde 1715 künstlich angelegt, um das in der Nähe liegende Kupferbergwerk „Aufrichtigkeit“ mit Wasser zu versorgen. Als dieses wenige Jahre später den Betrieb einstellte, versorgte er fortan die Bad Lauterberger Königshütte. Doch das ist noch nichts Besonderes – Bergbauteiche gibt es im Harz zuhauf. Was ihn zu einem Denkmal macht, liegt in der Bauweise des Dammes und der Anordnung des Striegels (Abflusses), da war er der erste seiner Art.

Der Wiesenbeker Teich wurde jedoch seit jeher von den Einheimischen auch zur Freizeit und Erholung, sprich zum Baden und Bootfahren genutzt, und im Jahr 1912 errichtete der Lauterberger Schwimmklub die Freibadanlage. Auch das ist dem Landkreis natürlich bekannt, ebenfalls die touristische Bedeutung, die er hat.

„Artfremdes“ Wasserski - und der Bootssteg soll auch weg

Doch keinesfalls, so führt der Landkreis aus, dürfe der Wiesenbeker Teich in seinem Denkmalwert beeinträchtigt werden. Und das werde er durch die „artfremde Nutzung“ der Wasserskianlage. Auch würden die beiden Masten einen erheblichen und störenden Eingriff in das Erscheinungsbild des Teiches darstellen, zu dem sowohl die Wasseroberfläche als auch die Uferbereiche gehörten. Das über die Wasseroberfläche gespannte Seil führe zudem zu einer „baulichen Beeinträchtigung des Denkmals“, wobei nicht näher ausgeführt wird, in welcher Weise eine solche bauliche Beeinträchtigung bei einem Seil, das den Teich nicht einmal berührt, bestehen soll.

Wasserski auf dem Wiesenbeker Teich sei jedenfalls "artfremd" und daher zu untersagen. Und da der seit Jahrzehnten bestehende Bootssteg ja nun auch als Startpunkt für die Wasserskianlage genutzt worden war, falle auch dieser nicht mehr unter den Bestandsschutz - und müsse auch gleich abgerissen werden. Bootfahren auf dem Teich, seit jeher ein beliebtes Vergnügen für Einheimische und Touristen, dürfte damit auch der Vergangenheit angehören.

Auch störende Bauten dürfen den Denkmalwert nicht beeinträchtigen. Daher hat der Landkreis Göttingen auch den Bauantrag von Maik Dombrowsky abgelehnt, der das in die Jahre gekommene Kassenhäuschen umbauen, modernisieren und aufstocken wollte. Es bestehe die Gefahr, dass dadurch ein, so wörtlich, „Blickfang im Uferbereich“ entstehe. Der Charakter der Uferzone, so heißt es in der Begründung,  würde sich durch die geplante Baumaßnahme "zu verändern beginnen" und dadurch "der Aussagewert des Kulturdenkmales geschmälert werden".

Die Überlegungen von Dombrowsky, längerfristig das marode Sanitärgebäude des Freibads, das aus den 1960ern stammt, durch einen neuen Holzbau zu ersetzen, der   dem historischen Umkleidegebäude aus den 1920er-Jahren ähnelt, sind damit natürlich auch vom Tisch.

„Wie soll ich denn das Freibad und den Campingplatz sinnvoll betreiben, wenn ich hier nichts investieren und rein gar nichts verändern darf?“ fragt sich Dombrowsky. „So ein Betrieb muss doch eine wirtschaftliche Grundlage haben. Wenn ich hier als Eigentümer nichts machen darf, kann ich den Betrieb auch nicht weitergeben – so kann man doch keine Zukunft aufbauen.“

Kein Euro von der UNESCO – nicht einmal ein Schild

Von dem Titel als UNESCO-Weltkulturerbe habe der Teich keinerlei Vorteile: „Was bringt mir so ein Titel? Da fließt kein müder Euro für das Weltkulturerbe. Jedes einzelne Schild, das darauf hinweist, habe ich selbst auf eigene Kosten aufgestellt“. Stattdessen werde er in seiner Handlungsfähigkeit so eingeschränkt, dass er lieber darauf verzichten würde. „Die UNESCO kümmert sich sowieso kein Stück darum.“

Wer sich die offizielle UNESCO-Webseite zu den Welterbestätten (externer Link) ansieht, ist geneigt, Dombrowsky recht zu geben: der Wiesenbeker Teich wird dort mit keinem Wort erwähnt.

Was wird jetzt aus Wasserski und Freibad?

Warum der Landkreis beim Denkmalschutz derartig blockiert? „Ich vermute, die kriegen entsprechende Signale aus dem Ministerium“.

Dombrowsky bleibt nun nur der Klageweg vor dem Verwaltungsgericht. Bis eine Entscheidung ergeht, heißt dies jedoch, dass er auch keinerlei Planungssicherheit hat: „Wenn mich die Gäste anrufen und fragen, kann ich Ihnen nicht sagen, ob die Wasserskianlage wieder in Betrieb gehen wird. Und wenn mir die Einnahmen daraus fehlen, dann kann ich auch das Freibad damit nicht mehr mitfinanzieren.“ Und das werde wohl bedeuten, dass er das Freibad über kurz oder lang für die Öffentlichkeit schließen werde: „Denn alleine von den paar Eintrittsgeldern kann ich den Personalaufwand und die Versicherungskosten nicht decken – so ein Freibad wirtschaftlich zu betreiben, das hat ja auch der LSKW seinerzeit nicht mehr geschafft.“

Damit ist letztlich die Zukunft des gesamten Wiesenbeker Teichs als Freizeit- und Erholungsort und als Touristenattraktion in Frage gestellt. Und die vielen Fans der Wasserskianlage müssen weiterhin bangen.


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