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Montag, 16. Mai 2022
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Geschrieben von Svenja Friedrich am 01. Dezember 2019

Das Thema

Fiebern auf den Lottogewinn, Stroh unter der Tischdecke und ein geschmückter Holzklotz

Weihnachtsbräuche rund um den Globus

Japanische Weihnachtsbeleuchtung
Japanische Weihnachtsbeleuchtung
Der Sinterklaas kommt per Schiff
Der Sinterklaas kommt per Schiff
Polnisches Weihnachtsessen
Polnisches Weihnachtsessen
Spanischer Tio de Nadal
Spanischer Tio de Nadal

So unterschiedlich wie die Menschen ist auch die Art, wie sie Advent und Weihnachten feiern. Die Bräuche reichen von traditionell bis ungewöhnlich.

Wer in Deutschland lebt oder aufgewachsen ist, wird vermutlich vor allem die folgenden Dinge als typische Weihnachtszutaten kennen: Gänsebraten oder Würstchen mit Kartoffelsalat, Lametta, Glühwein, Adventskalender und dergleichen. Doch ein Blick über Landes- und kontinentale Grenzen lohnt sich. Sei es, um den eigenen Horizont in Sachen „Partywissen zum Fest“ zu erweitern oder um neue Bräuche in die eigenen Feierlichkeiten zu integrieren.

Wo der Nikolaus auf dem Dampfschiff anreist

Abgesehen von der Wahl des Festessens, der Dekoration und den kirchlichen Veranstaltungen unterscheiden sich die Länder auch in der Frage, an welchem Datum die Weihnachtszeit ihren Höhepunkt erreicht. Während es bei uns Heiligabend und die beiden Weihnachtstage sind, ist es bei unseren Nachbarn in den Niederlanden der Abend des 5. Dezembers, der sogenannte „Sinterklaasavond“ (Nikolausabend). Schon seit dem 15. Jahrhundert besucht an diesem Tag der heilige Nikolaus von Myra, in Begleitung seines Helfers, dem „zwarten Piet“, das Land und verteilt Geschenke an die Kinder, meist Spielzeug. Schokoladenbuchstaben, etwa die Initialen des Beschenkten, sind ebenfalls sehr beliebt. Da der heilige Nikolaus der Überlieferung zufolge aus Spanien anreiste und zugleich auch Schutzpatron der Seefahrer ist, kommt Sinterklaas auf einem Dampfschiff in die Niederlande, wo er jedes Jahr voller Vorfreude erwartet wird. Diese Ankunft findet bereits Mitte November statt und wird live im Fernsehen übertragen. Übrigens: Der amerikanische Name des Weihnachtsmannes, also „Santa Claus“, ist eine Abwandlung von „Sinterklaas“, die niederländische Einwanderer in den Vereinigten Staaten etablierten.

Wo es eine weihnachtliche Bücherflut gibt

Die wohl schönste Tradition für Literaturfreunde findet sich in Island: Während des Zweiten Weltkriegs war Papier dort eines der wenigen Dinge, die nicht rationiert waren. Dies führte dazu, dass Bücher zum beliebtesten Weihnachtsgeschenk avancierten und die Isländer pro Kopf mehr Bücher lesen (und auch schreiben) als jede andere Nation. Die Schwemme an Büchern zu Weihnachten wird als „Jolabokaflod“ (Weihnachts-Bücherflut) bezeichnet und sorgt vielerorts für sehr entspannte Feiertage – nach der Bescherung verkrümelt man sich mitsamt einer heißen Schokolade und dem neuen Lesestoff gern in eine gemütliche Ecke und schmökert.
Weniger angenehm hingegen ist die Geschichte der 13 isländischen Weihnachtsgesellen, der „Jolasveinar“. Sie leben mit ihren Troll-Eltern und einer riesigen schwarzen Katze im Hochland. Wer Pech hat und unartig war, wird von dieser Katze oder der Trollmutter verspeist. Diesem grausamen Schicksal kann nur entkommen, wer sich tadellos benommen hat oder an Weihnachten neue Kleidung vorweisen kann – ein guter Grund also, neben Büchern noch die ein oder andere Socke oder Krawatte zu verschenken. Die Gesellen selbst sind eher harmlos und nach ihren jeweiligen Eigenarten benannt, etwa „Türzuschläger“, „Wurststibitzer“ oder „Kerzenschnorrer“. Jeden Tag in der Weihnachtszeit kommt einer von ihnen zu Besuch zu den Menschen und tut, was sein Name vermuten lässt.

Wo ein Holzklotz mit Decken warmgehalten wird

Die Spanier fiebern im Advent vor allem dem 22. Dezember entgegen, dem Tag, an dem die Weihnachtslotterie stattfindet und im Fernsehen übertragen wird. Besonders der Hauptpreis, „El Gordo“ genannt (der Fette) lockt die Mitspieler vor die Bildschirme. Nachdem 22 Schulkinder die Gewinnzahlen singend bekanntgegeben haben, kann sich ein glücklicher Gewinner über mehrere Millionen Euro und damit wohl das bestmögliche Weihnachtsgeschenk freuen. An Heiligabend dann erfreut sich vor allem in Katalonien der alte Brauch des „Weihnachtsholzklotzes“ (Tio de Nadal) großer Beliebtheit. Ein kleiner Baumstamm wird am 8. Dezember mit einem lächelnden Gesicht und kleinen Beinchen dekoriert und aufgestellt. Die Kinder „füttern“ ihn bis zum Heiligen Abend jeden Tag mit Obst und Brot und decken ihn warm zu, damit es ihm gut geht. Am 24. Dezember werden dann speziell für diesen Anlass gedichtete Lieder gesungen und der Baumstamm wird mit Stöcken geschlagen, damit er kleine Geschenke, nun ja, abführt.  

Wo man zu Weihnachten Fast Food verzehrt

Obwohl das Christentum in Japan weit weniger verbreitet ist als in anderen Ländern, wird Weihnachten seit einigen Jahrzehnten auch dort gern gefeiert. Klassische westliche Traditionen wie das Aufhängen bunter Beleuchtungen, Weihnachtsmärkte und das Austauschen von Geschenken erfreuen sich großer Beliebtheit und einige Innenstädte sind optisch kaum von amerikanischen Orten zu unterscheiden, was die Dekoration betrifft. Passend dazu hat die amerikanische Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken in den 70er-Jahren damit begonnen, besondere Weihnachtsmenüs zu vermarkten. Seitdem heißt es im Dezember in Japan „Kurisumasu ni wa Kentakkii!“ („Kentucky zu Weihnachten!“) und viele Familien oder auch verliebte Paare streben in die Filialen, um frittierte Hähnchenteile, Sekt und Nachtisch zu genießen.

Wo die Tiere in der Weihnachtsnacht sprechen können

In Polen ist der Advent Fastenzeit. An Heiligabend dagegen biegen sich die Tische des Landes unter den vielen verschiedenen Köstlichkeiten, die serviert werden; allerdings erst dann, wenn der erste Stern am Himmel zu sehen ist. In vielen Familien ist es die Aufgabe der Kleinsten, immer wieder ans Fenster zu gehen und nachzuschauen, wann das Festmahl eingeläutet werden kann. Das Essen beginnt dann mit dem Brechen und Austauschen von Weihnachtsoblaten, verbunden mit guten Wünschen für das neue Jahr. In ländlichen Gegenden bekommen oft auch die Nutztiere etwas von den Oblaten, da einer Legende zufolge die Tiere in der Weihnachtsnacht sprechen können, man sie an diesem Tag also wie alle Mitglieder des Haushalts behandeln will. Typisch für das traditionelle Essen sind beispielsweise Piroggen mit Kraut, ein Fischgericht, Trockenobst-Kompott und Mohngebäck. Meist werden 12 verschiedene Gerichte serviert, in Anlehnung an die 12 Apostel. Man sollte nach Möglichkeit von jeder Speise kosten. Auf dem Tisch steht außerdem auch ein leeres Gedeck, das je nach Auslegung für einen unerwarteten Gast oder die Seelen der Verstorbenen bestimmt ist. Ein wenig Stroh, das unter die Tischdecke gelegt wird, symbolisiert die Krippe Jesu.


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