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Montag, 10. August 2020
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Geschrieben von ski am 30. Mai 2020

Das Thema

Die Wälder der Welt auf 12 Kilometern

Ein besonderer "Baumgarten": der WeltWald Harz bei Bad Grund

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Vor allem von Kindern heiß geliebt ist die Hängebrücke am Erlebnispfad, die zwar nicht über einen reißenden Fluss führt, aber dennoch echtes Wildwest-Feeling vermittelt
Vor allem von Kindern heiß geliebt ist die Hängebrücke am Erlebnispfad, die zwar nicht über einen reißenden Fluss führt, aber dennoch echtes Wildwest-Feeling vermittelt
Die nordamerikanischen Mammutbäume sind noch nicht allzu imposant - aber sie sind ja auch erst ein paar Jahrzehnte alt
Die nordamerikanischen Mammutbäume sind noch nicht allzu imposant - aber sie sind ja auch erst ein paar Jahrzehnte alt
Der WeltWald Harz ist ein lehrreiches Erlebnis - und dazu komplett kostenlos
Der WeltWald Harz ist ein lehrreiches Erlebnis - und dazu komplett kostenlos
Im Frühling blühen dort nicht nur die Bäume, sondern auch Azaleen und Rhododendren
Im Frühling blühen dort nicht nur die Bäume, sondern auch Azaleen und Rhododendren
50 Infotafeln geben Auskunft über die verschiedenen Gehölze, wie diese Westliche Hemlocktanne.
50 Infotafeln geben Auskunft über die verschiedenen Gehölze, wie diese Westliche Hemlocktanne.

1972 fegte ein starker Sturm über den Harz - auch über die Fichtenbestände bei Bad Grund. Er verursachte enorme Schäden durch Windbruch. Aber die niedersächsischen Landesforsten ließen die Fläche nicht einfach wieder mit Bäumen der gleichen Art aufforsten: dort hatte man Größeres im Sinn. Nach der Aufarbeitung dieser Windbruchflächen wurde auf zunächst rund 20 Hektar ein botanischer Großversuch gemacht: Mehr als 600 Baum- und Strauch-Arten aus Asien, Europa und Nordamerika wurden gepflanzt. Der so entstandene botanische Garten soll wissenschaftliche Ergebnisse darüber liefern, welche Arten sich in unseren klimatischen Breiten kultivieren lassen und wie sie sich entwickeln. Das Areal ist inzwischen ganze 65 Hektar groß und mit einem 12 Kilometer langem Wegenetz erschlossen.

Durch den Klimawandel erhält der WeltWald eine besondere Bedeutung

Im WeltWald Harz wachsen Bäume aus verschiedenen Waldregionen der Nordhalbkugel, gegliedert in die vier Gebiete "Westliches Nordamerika", "Östliches Nordamerika", "Asiatische Waldregion" und "Europäische Waldregion". Die Bäume wurden dabei nicht als Ansammlung von Einzelbäumen gepflanzt, sondern als ganze Waldgesellschaften mit ihren Haupt- und Nebenbaumarten und Sträuchern. Ziel der Niedersächsischen Landesforsten ist es, die Angepasstheit an das hiesige Klima und Wuchseigenschaften dieser fremdländischen Baumarten zu untersuchen. Damit sollen die Standortsansprüche dieser Baumarten für spätere Anbauversuche bestimmt werden. Sorge vor der Einschleppung invasiver Arten, die sich unkontrolliert vermehren und heimische Baumarten verdrängen könnten, hatte man offensichtlich nicht. Zugegeben: auch die Fichtenwälder, die vorher dort standen, wurden aus forstwirtschaftlich kultiviert. Natürlicherweise würde an diesem Standort im Übergangsbereich von der submontanen zur montanen Höhenstufe zwischen rund 300m und 450m der Waldbestand vor allem von der Buche bestimmt werden.

Durch den Klimawandel ist die Beobachtung der Eignung standortfremder Baumarten für Forstzwecke noch stärker in den Vordergrund gerückt. Da besonders die Fichten nach den letzten zwei extrem trockenen Jahren unter dem Borkenkäferbefall leiden und großflächig absterben, wird nach Baumarten gesucht, die widerstandsfähiger und robuster sind. Die Küstentanne und die Sikta-Fichte haben sich mittlerweile als gut geeignet für die Boden- und Klimaverhältnisse im Harz erwiesen und die Douglasie kommt offenbar besonders gut mit der Trockenheit zurecht. Um ein genaues Bild über die Entwicklung der Bäume zu haben, sind sie in ein langfristig konzipiertes Beobachtungs- und Messschema einbezogen. Dabei wird die Höhe alle fünf Jahre ermittelt. Außerdem werden Schäden erfasst und die pflanzenspezifischen Abläufe im Jahresverlauf festgehalten. Um eine Eignung als Wirtschaftsbaumarten zu prüfen, werden auch ständig pflegende Holzentnahmen in den einzelnen Waldgesellschaften durchgeführt.

Touristisches Highlight für den Oberharz

Aber mit dem Baumgarten hatte man von Anfang an nicht nur wissenschaftliche und wirtschaftliche Pläne: das Arboretum Bad Grund, wie es bis 2009 hieß, sollte von Anfang an auch als touristischer Anziehungspunkt für die Region Oberharz dienen. Und das ist zweifellos gelungen, obwohl es lange ein Geheimtipp geblieben war. Inzwischen erfreut sich der WeltWald Harz großer Beliebtheit, ist aber durch die weitläufige Anlage keineswegs überlaufen. Es gibt vier verschiedene Themenwege, auf denen man die Wälder der Welt mit zahlreichen Aussichtspunkten erleben kann. Der gut 3 Kilometer lange Blütenweg hat im Frühling seinen besonderen Reiz, denn dann stehen Bäume und Sträucher in voller Blüte. Neben den exotischen Arten wie Magnolie, Azalee oder Rhododendron zeigen um diese Jahreszeit auch einheimische Gehölze wie Felsenbirne, Wildapfel und Wildbirne eine atemberaubende Blütenpracht und Vielfalt.

Ein besonderes Highlight für Familien ist der Erlebnispfad „Wälder Nordamerikas – Heimat der Indianer“. Der 1,7 Kilometer lange Pfad schlängelt sich über Stock und Stein durch die Waldregionen Nordamerikas, informiert über die höchsten Bäume der Welt und das Leben der Indianer. Was ist denn zum Beispiel der Unterschied zwischen einem Totempfahl und einem Marterpfahl? Ein echtes Abenteuer für Kinder, die sich hier auch mal im Weitsprung mit nordamerikanischen Waldbewohnern messen können. Sogar die berühmten Mammutbäume kann man hier bestaunen - die allerdings angesichts ihres zarten Alters noch recht zierlich sind. Doch zumindest kann man aufgrund der kreisrund herumgelegten Baumstümpfe erahnen, wie groß ihr Umfang im Alter von, sagen wir mal, zwei- bis dreitausend Jahren sein wird. Festes Schuhwerk und eine gewisse Trittsicherheit sind für den Indianerpfad erforderlich, ein Kinderwagen kann auf dieser Strecke nicht mitgeführt werden. Es gibt aber im WeltWald einen barrierearmen Weg, der eigens für Menschen mit Behinderung, Kinderwagen o.ä. erschlossen wurde und an Baumarten aus Nordamerika und Asien vorbeiführt. Im September und Oktober ist der gut 4 Kilometer lange Herbstlaubweg ein besonderes Erlebnis.

Alle Wege und Pfade sind sehr gut beschildert. 50 Tafeln informieren über Baumarten, deren Herkunft und Wissenswertes über die jeweiligen Bäume. Der WeltWald Harz bei Bad Grund ist kostenlos 365 Tage im Jahr rund um die Uhr zugänglich. Zu erreichen ist er über die B242 zwischen Seesen und Clausthal-Zellerfeld bei Bad Grund; dort geht es zum ausgeschilderten Parkplatz „Hübichenstein“, der ebenfalls kostenfrei ist. Und Stempelsammler der Harzer Wandernadel finden hier außerdem die Stempelstelle 129.



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