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 Geschrieben von ski am 12. Februar 2021
Das Thema

Die große Valentin-Verwirrung

Der Heilige Valentin wurde im Lauf der Geschichte vielfach verehrt – dabei ist nicht einmal sicher, wer gemeint ist

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Der heilige Valentin (Ölmalerei von Leonhard Beck, um 1510)
Der heilige Valentin (Ölmalerei von Leonhard Beck, um 1510)
Altar mit Valentins Reliquien in der Basilika San Valentino in Terni
Altar mit Valentins Reliquien in der Basilika San Valentino in Terni

Am Sonntag, dem vierzehnten Februar ist Valentinstag – und falls das irgendjemandem nicht klar sein sollte, so sorgen Floristen, Grußkartenhersteller und Konditoren jedes Jahr aufs Neue dafür, dass das nicht in Vergessenheit gerät. Denn der Valentinstag gilt ja als das Fest der Liebenden und der romantischen Gaben.

Zurückgeführt wird der Tag allgemein auf das Fest des heiligen Valentinus, eines christlichen Märtyrers. Dessen Gedenktag am 14. Februar wurde von Papst Gelasius im Jahre 469  eingeführt. 1969 jedoch wurde er aus dem liturgischen Generalkalender der römisch-katholischen Kirche, in dem alle wichtigen Heiligen aufgeführt sind, wieder gestrichen. Denn: es ist gar nicht sicher, welcher Heilige mit Namen Valentin da verehrt wurde – und wofür. Historische Quellen über die Valentinsverehrung sind nur wenige zu finden, und die, die es gibt, wurden immer wieder anders interpretiert. Im Laufe der Jahrhunderte sind die Legenden, Wunschvorstellungen und religiöse Volksbräuche so sehr ausgeufert, dass die historische Wahrheit darunter begraben wurde. Und mehr oder minder religiös bedeutende Personen namens Valentin waren offenbar auch nicht ganz selten.

Mindestens drei mögliche historische Vorbilder für den heiligen Valentin

Einer davon war der Bischof von Interamna, dem heutigen Terni in Umbrien (Mittelitalien). Er soll soll während der Christenverfolgung unter Kaiser Aurelian im Jahr 273 als Märtyrer gestorben sein. Beigesetzt wurde er an einer Stelle entlang der Via Flaminia, einer Straße, die Rom seit der Antike mit der Adria verbindet. Ebenfalls an der Via Flaminia, aber an einer anderen Stelle, wurde ein weiterer Valentin begraben, der heimlich Soldaten getraut haben soll, denen die Heirat verboten war. Dieser Valentin war Priester in Rom und soll 269 den Märtyrertod gestorben sein. Des Hochverrats wegen der Soldatentrauungen angeklagt, ließ ihn Kaiser Claudius Goticus enthaupten – und zwar am 14. Februar. Aber vorher hat er, so die Legende, noch ein Wunder vollbracht: er sei vor seiner Hinrichtung bei einem Vertrauten des Kaisers gefangengehalten worden, dessen die blinde Tochter er geheilt habe. Eine spätere Legende behauptet, er habe ihr vor seiner Hinrichtung  noch einen Liebesbrief geschrieben und ihn mit „Dein Valentin“ signiert – quasi die allererste  Valentinskarte, so glaubt man besonders im angelsächsischen Sprachraum. Jedenfalls habe sich angesichts dieser Wunderheilung die ganze Familie daraufhin im christlichen Glauben taufen lassen.

Vielleicht sind aber die zwei genannten Märtyrer aber auch ein und dieselbe Person. Die Verwirrung könnte auch damit zusammenhängen, dass Papst Julius I. in Rom einst eine Basilika bauen ließ, die als Valentinskirche bezeichnet wurde. Klar, dass das Volk glaubte, dort müssen die Reliquien eines Heiligen Valentin zu finden sein. Warum sonst sollte die Basilika wohl so heißen? Nun, vermutlich weil einer der wesentlichen Geldgeber des teuren Sakralbaus ein Mann namens Valentin war. Noch heute nennt man ja häufig wichtige Gebäude nach denen, die sie finanziert haben,

Ein dritter heiliger Valentin, der in Martyrologien (also Märtyrerverzeichnissen) in Zusammenhang mit dem 14. Februar erwähnt wird, erlitt das Martyrium in Afrika, zusammen mit etlichen anderen. Ansonsten ist wenig über ihn bekannt, außer dass seine Schädelreliquie in der Abtei von New Minster in Winchester aufbewahrt und verehrt wird.

Aus England in die Welt

Die heutigen Traditionen zum Valentinstag – Blumen, Schokolade, Grußkarte beziehungsweise Liebesbrief – entwickelten sich vor allem im England des 17. und 18. Jahrhunderts und verbreiteten sich von dort zunächst im englischsprachigen Raum und dann über die Welt. In Deutschland wurde er nach dem zweiten Weltkrieg zunächst durch hier stationierte US-Soldaten bekannt; 1950 wurde der erste Valentinsball in Nürnberg veranstaltet. Ähnlich wie auch bei dem amerikanischen Halloween-Brauchtum sind es nicht zuletzt kommerzielle Interessen, die eine bedeutende Rolle dabei spielen, diese Rituale zu pflegen und weiterzuverbreiten. So werden in den Vereinigten Staaten inzwischen jedes Jahr rund 190 Millionen Grußkarten zum Valentinstag verschickt – der bedeutendste Hersteller dort bietet rund 1.500 verschiedene Motive an -  und über 180 Millionen Rosen verkauft. Es ist also nicht verwunderlich, dass Floristen hierzulande besonders gerne für den Valentinstag trommeln; im Februar ist die Nachfrage nach Blumen sonst eher schwach. Und das hat Erfolg: zum Valentinstag 2018 transportierte die Lufthansa Cargo 800 Tonnen an Schnittblumen, temperiert und im Wasser stehend.

Heute wird der Valentinstag in verschiedenen Intensitäten und Ausprägungen fast überall gefeiert, in Europa ebenso wie in Südamerika und Asien. Doch das sorgte auch für Konflikte: In Saudi-Arabien verbot das „Komitee zur Verhütung von Sünde und Verbreitung von Tugend“ in den Jahren 2002 und 2008 den Verkauf aller Artikel zum Valentinstag, da der Valentinstag ein christlicher Feiertag sei. Die Folge: es entwickelte sich ein Schwarzmarkt für Rosen. Doch gegen die Anziehungskraft des romantischsten aller Feiertage konnte auch die strenge Religionspolizei nicht viel ausrichten. 2018 verkündete das Komitee die Kehrtwende: der Valentinstag verstoße doch nicht gegen die islamische Lehre und das Feiern der Liebe sei auch Muslimen erlaubt.



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