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Montag, 28. November 2022
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Geschrieben von ski am 01. April 2022

Das Thema

Vom Narrenball zum Spaghettibaum

April, April! - Vom Ursprung des Aprilscherzes

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Am ersten Tag des Aprils darf man mit seinen Mitmenschen harmlose, aber lustige Späße treiben – dies ist eine Übereinkunft, die in weiten Teilen der Welt verbreitet ist. Woher der Brauch ursprünglich stammt, dazu gibt es mehrere populäre Theorien - aber bislang gibt es keine belastbaren Belege für deren Richtigkeit.

Häufig wird als Ursprung des Aprilscherzes das bayerische Augsburg genannt, denn auf dem Augsburger Reichstag wurde im Jahr 1530 das Münzwesen neu geregelt. Für den 1. April 1530 soll zur Vereinheitlichung ein „Münztag“, also eine Art Währungsreform, angekündigt gewesen sein, auf die viele Spekulanten ihr Vermögen setzten. Aus Zeitgründen kam es jedoch nicht dazu. Der Münztag fiel aus, viele Spekulanten verloren ihr Geld und wurden als Narren ausgelacht. Noch heute ist jemand, der Opfer eines Aprilscherzes wurde, in manchen Gegenden der „Aprilnarr“. Dass die Redensart "jemanden in den April schicken" bereits 1618 in Bayern nachgewiesen wurde, verleiht dieser These zumindest eine gewisse Glaubwürdigkeit.

Eine andere Herleitung besagt, dass der Aprilscherz auf eine Kalenderreform von Karl IX. in Frankreich zurückzuführen ist. Durch das Edikt von Roussillon wurde im Jahr 1564 der gregorianische Kalender eingeführt und der Jahreswechsel vom 1. April auf den 1. Januar verlegt. Das hatten jedoch in ländlichen Gebieten Frankreichs nicht alle Einwohner mitbekommen und manche feierten den Jahreswechsel weiterhin Ende März – und zogen sich als „Aprilnarren“ den Spott ihrer Mitmenschen zu.

Eine besonders unterhaltsame These bezieht sich auf einen weiteren französischen König, nämlich Heinrich IV. Dieser war bekanntermaßen ein Hallodri, der nichts anbrennen ließ. Als er an einem 1. April den Brief eines jungen Mädchens erhielt, das ihn um ein heimliches Rendezvous in einem diskreten Lustschloss ersuchte, zögerte er nicht, dort zu erscheinen. Dort allerdings wurde er zu seiner großen Überraschung nicht von einer potentiellen Liebschaft, sondern von seinem gesamten Hofstaat begrüßt – und von seiner Gemahlin Maria von Medici, die ihm dankte, dass er ihrer Einladung zum „Narrenball“ Folge geleistet habe.

Unerfüllbare Aufträge, unerreichbare Adressaten

Für den Schabernack am 1. April gibt es viele Möglichkeiten. Häufig erhält das Opfer einen unerfüllbaren Auftrag. Besonders beliebt ist dies bei Betrieben, um neue Auszubildende auf den Arm zu nehmen. Diese sollen dann beispielsweise einen Betonhobel, Gewichte für die Wasserwaage oder den berühmten Siemens-Lufthaken aus dem Lager besorgen.  Beliebt ist auch, seinen Mitmenschen einen kurzen Schreck zu versetzen, weil diese angeblich etwas vergessen oder übersehen haben, wie etwa einen wichtigen Termin, einen platten Reifen oder einen offenen Hosenstall, bevor der Scherz mit „April,April!“ aufgelöst wird.
Die klassische und vermutlich älteste Weise des In-den-April-Schickens ist jedoch ein angeblich sehr wichtiger Brief. Dieser wird von einem Scherzbold geschrieben und das Opfer wird beauftragt, ihn einem bestimmten Empfänger unbedingt sofort und persönlich zu überreichen. Der Empfänger öffnet den Brief und sobald ihm klar wird, dass es sich um einen Aprilscherz handelt, sendet er den armen Boten mit wichtiger Miene weiter zum nächsten Adressaten.

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Heiße Tierchen in der Antarktis

Heute sind es vor allem die Medien, die am 1. April einen Scherz treiben, indem sie - mehr oder weniger geschickt - eine unsinnige Nachricht verbreiten. So vermeldete beispielsweise das amerikanische Wissenschaftsmagazin Discover in seiner Aprilausgabe 1995 die Entdeckung einer neuen Spezies in der Antarktis: dem heißköpfigen Nackteisbohrer. Die Biologin Dr. Aprile Pazzo (der Name bedeutet übrigens Aprilnarr auf Italienisch) habe diese maulwurfsartige Kreatur nachgewiesen, deren Stirnplatte so heiß werde, dass sie damit das Eis durchschmelzen könne. Dies nutze der Nackteisbohrer, um sich in Rudeln im Eis zu vergraben und Jagd auf Beutetiere, üblicherweise Pinguine, zu machen, indem das Rudel im richtigen Moment unterhalb des Beutetiers das Eis wegschmilzt. Sobald der Pinguin in dem Matsch versinkt, wird er von allen Seiten attackiert – hierzu sparte der Bericht nicht mit gruseligen Details. Komplettiert wurde die Meldung durch ein gefälschtes Foto. Bis heute bleibt es der Scherz, für den das Wissenschaftsmagazin die meisten Zuschriften erhielt.

Wenn die Pastaernte besonders gut ausfällt….

Aber es gibt nicht nur fingierte Meldungen in der Printpresse: ein besonders aufwändiger Scherz der ehrwürdigen britischen Rundfunkanstalt BBC bleibt in seinem Erfolg bis heute unerreicht. In der Frühzeit des Fernsehens, im Jahr 1957, sendete diese in ihrem damaligen hochseriösen Nachrichtenprogramm „Panorama“ einen dreiminütigen, sorgfältig produzierten Beitrag über die Spaghettiernte in der Schweiz. Dort sah man, wie die Pflückerinnen die Spaghetti einzeln von den Bäumen pflückten und zum Trocknen ausbreiteten. Besonders freue man sich darüber, so hieß es im Beitrag, dass aufgrund des ungewöhnlich milden Winters und das Ausbleiben des gefürchteten Spaghettirüsselkäfers die Ernte in diesem Frühling besonders reichhaltig ausfalle. Im Gegensatz zu Italien werden in der Schweiz die Spaghettibäume übrigens hauptsächlich für den familiären Eigenbedarf angebaut, erfuhren die Zuschauer. Und dass die Spaghetti alle eine einheitliche Länge haben, sei ein Ergebnis der Bemühungen vieler Generationen von Spaghettizüchtern, so berichtete der BBC-Sprecher im besten Dokumentarfilmstil.

mt_ignoreWas heutzutage den meisten ein müdes Lächeln entlocken dürfte, wurde von vielen Briten für bare Münze genommen. Kein Wunder, denn das exotische Gericht Spaghetti hatten seinerzeit nur wenige Inselbewohner bereits verkostet. Und so weit man Spaghetti in den Nachkriegsjahren überhaupt schon kannte, war dies meist als Fertiggericht aus einer Konservendose, in Tomatensoße, der Fall. Tausende von Zuschauerinnen und Zuschauern kontaktierten die BBC nach der Ausstrahlung des Beitrags – die einen, um zu vermelden, dass diese Nachricht ja wohl nicht zutreffen könne, die anderen, um zu erfragen, wie man denn einen eigenen Spaghettibaum anpflanzt. Auf letzteres gab die BBC stets die diplomatische Antwort, man solle doch ein einzelnes Spaghetti in eine Dose mit Tomatensoße stellen – „und aufs Beste hoffen“. Der BBC-Clip mit der Schweizer Spaghettiernte ist übrigens auf YouTube abrufbar – nur damit niemand denkt, wir hätten uns einen Aprilscherz erlaubt…..


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