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Montag, 28. November 2022
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 Geschrieben von Svenja Friedrich am 25. Juli 2022
Das Thema

Teutonengrill und Sommerfrische: die Deutschen und der Urlaub

Über die schönste Zeit des Jahres

Foto: Darkmoon Art / pixabay
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Bild: Ben Frieden / pixabay
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Bild: Karo Sieben / pixabay
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Der Sommer ist in vollem Gange, und das bedeutet für viele Menschen vor allem eins: Urlaubszeit! Die Ziele und Ansprüche haben sich im Laufe der Zeit immer wieder geändert – und warum heißt es überhaupt „Urlaub“?

Urlaub =  Erlaubnis

Zunächst zur Geschichte des Begriffs. Der stammt, war ja klar, aus dem Mittelalter und beruht auf dem althochdeutschen Wort „urloup“. Das hieß so viel wie „Erlaubnis“ und ermöglichte Rittern, von ihrer Arbeit fernzubleiben. Lehnsherren, höherstehende Damen etc. durften sie ihren Untergebenen erteilen. Mit dem heutigen, absolut positiv besetzten Begriff hatte der damalige Urlaub natürlich wenig gemein, mussten die freigestellten Ritter doch in den Kampf ziehen oder sonstigen wenig erbaulichen Tätigkeiten nachgehen.

Im Laufe der nachfolgenden Jahrhunderte wandelte sich der Begriff, das Wort wurde zum heutigen „Urlaub“ und wurde mit Entspannen, Reisen, Müßiggang gleichgesetzt. Seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gibt es zur Anzahl der Urlaubstage auch gesetzliche Regelungen, die sich selbst heute noch stark von Land zu Land unterscheiden. So haben finnische und französische Arbeitnehmer ein Recht auf  durchschnittlich 30 freie Tage, chinesische und kanadische nur 10 (Feiertage sind hier nicht mit eingerechnet).

Ab aufs Land!

Eine frühe Form des Urlaubs, die es schon in der Antike gab und im 19. Jahrhundert besonders populär wurde (wenn auch nur für die oberen Zehntausend), war die sogenannte Sommerfrische. Hierbei handelte es sich nicht einfach nur um eine kurze Reise, sondern um die Umsiedelung des gesamten Hausstandes in eine Sommerresidenz. Betuchte Städter konnten es sich locker leisten, mit Sack und Pack den Metropolen mit ihrer Hitze und den unterprivilegierten Mitmenschen zu entfliehen und für einige Monate Zuflucht auf dem Land zu suchen.

Neben Gebirgen waren besonders Orte am Meer begehrt, wodurch die Hochzeit der Seebäder entstand. Auf den ostfriesischen Inseln und in Orten wie Heiligendamm, Binz und Travemünde flanierten die elegant gekleideten Herrschaften auf den Promenaden auf und ab und genossen die frische Brise. Symbol für die damalige Beliebtheit der Seebäder sind die Strandkörbe – sie sorgten nicht nur für einen gemütlichen, vor Wind und Wetter geschützten Rückzugsort direkt am Strand, sondern boten auch Schutz vor allzu neugierigen Blicken; ein wichtiger Punkt in einer Zeit, als Sitte und Anstand speziell beim Baden strikt einzuhalten waren.  

Die Ausbreitung der Eisenbahn machte das Reisen noch komfortabler. Diejenigen, die nicht über einen eigenen Landsitz verfügten, quartierten sich in Hotels oder auch privaten Häusern ein. In Verbindung mit eigens für die Sommerfrischler entstehenden Freizeitangeboten entwickelte sich damals das, was wir heute unter Tourismus verstehen. Ende der 1920er Jahre konnten sich schon mehr Menschen eine Urlaubsreise leisten, auch weiter entfernte Ziele wie etwa Tunesien oder die Riviera rückten in den Fokus.

Dolce Vita für (fast) alle

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war es für viele Urlauber noch üblich, auf dem Fahrrad oder mit der Bahn eine günstige Reise zu unternehmen. Übernachtet wurde vielfach in Jugendherbergen oder im Zelt. Mit Beginn der Wirtschaftswunderzeit dann verfügte die breite Masse der Deutschen über mehr Freizeit, mehr Geld und oft auch über ein Auto, daher ging das Reisen in den Fünfzigern erst so richtig los. Während im Radio die Sonne Capris besungen wurde und man in Deutschlands erster Pizzeria schlemmen konnte, machten sich waghalsig bepackte Käfer auf in Richtung Brenner, um das Sehnsuchtsziel Italien endlich mal mit eigenen Augen zu bestaunen.

Flugreisen wurden erst ab den 1970er und 80er Jahren vermehrt gebucht; vorher waren sie zwar möglich, aber für die meisten Menschen noch viel zu teuer. Dadurch kamen nun auch Ziele wie die USA, Australien oder Thailand in Frage. Unter den europäischen Zielen war neben Italien besonders Spanien der letzte Schrei, und zwar am liebsten als Pauschalreise. Betonburgen, oft direkt am Meer errichtet, boten Zigtausenden Sonnenhungrigen Unterkunft, Verpflegung und Unterhaltung. An den Stränden des Mittelmeers stapelten sich die Touristen – Medien prägten den Begriff „Teutonengrill“ für die bei den Deutschen besonders beliebten Gegenden.

Touristen als Botschafter

Um den damals noch nicht ganz so weltoffenen Touristen ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, gab es zahlreiche Restaurants, in denen statt Paella und Sangria lieber Schnitzel und Bier serviert wurde. Als schlimmstes Klischee des Spanien-Urlaubs hat sich dabei wohl Mallorca bzw. die „Ballermann-Gegend“ der Insel herauskristallisiert, wo sich Touristen in Scharen die Kante geben und das für gelungene Ferien halten. In den Fünfzigern wurde einmal debattiert, ob man nicht in den Schulen eine Art Tourismus-Unterricht einführen sollte, schließlich sind Reisende immer auch Botschafter ihres Landes. Vielleicht wäre das keine schlechte Idee gewesen...

Seit den frühen Nullerjahren sind neben den üblichen Airlines auch die Billigfluglinien beliebt, die extrem günstige, aber weniger komfortable Flüge anbieten. Für zum Teil unter 20 € kommt man so zum Beispiel in viele europäische Städte. Dadurch hat sich einerseits eine Form des Reisens entwickelt, die auch einkommensschwachen Menschen unvergessliche Ferien ermöglicht, die andererseits aber ökologisch nicht gerade sinnvoll ist. Zum Glück gibt es aber auch noch eine ganz andere Möglichkeit des Urlaubs, nämlich den im eigenen Land! Deutschland steht seit einigen Jahren immer weit oben auf der Liste der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Schließlich gilt nach wie vor: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?


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