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Donnerstag, 25. April 2019
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Geschrieben von Peter Bischof am 03. April 2019
Aktuell

„Es soll etwas Schönes und Neues entstehen“

Die maroden Gebäude der alten Wistoba in der Barbiser Dorfmitte werden abgerissen

Die alte Wistoba in der Mitte von Barbis. Im 19. Jahrhundert das Minnigerodische Lehnsgut oder der Bockelnhagener Hof. (Fotos: Wistoba)
Die alte Wistoba in der Mitte von Barbis. Im 19. Jahrhundert das Minnigerodische Lehnsgut oder der Bockelnhagener Hof. (Fotos: Wistoba)
Bereits abgesperrt. Blick von der Dorfstraße auf die alte Wistoba. „Hier in der Dorfmitte soll etwas Schönes und Neues entstehen, um Barbis attraktiver zu machen“, sind sich Thorsten und Arndt Stollberg einig.
Bereits abgesperrt. Blick von der Dorfstraße auf die alte Wistoba. „Hier in der Dorfmitte soll etwas Schönes und Neues entstehen, um Barbis attraktiver zu machen“, sind sich Thorsten und Arndt Stollberg einig.
Blick von Nahem: Die Gebäude sind allesamt völlig marode.
Blick von Nahem: Die Gebäude sind allesamt völlig marode.
Die Instandhaltungskosten überstiegen schon seit langem die Miet- und Pachteinnahmen.
Die Instandhaltungskosten überstiegen schon seit langem die Miet- und Pachteinnahmen.
Fast alle Mieter haben inzwischen neue Räumlichkeiten gefunden.
Fast alle Mieter haben inzwischen neue Räumlichkeiten gefunden.
Ab der kommenden Woche wird das Schild mit dem Hinweis „Dorfentwicklung. Hier investieren der Bund und das Land“ vor der alten Wistoba in Barbis hängen.
Ab der kommenden Woche wird das Schild mit dem Hinweis „Dorfentwicklung. Hier investieren der Bund und das Land“ vor der alten Wistoba in Barbis hängen.

Ab der kommenden Woche wird das Schild mit dem Hinweis „Dorfentwicklung. Hier investieren der Bund und das Land“ vor der alten Wistoba in Barbis hängen. Thorsten und Arndt Stollberg haben sich im Rahmen dieses Programms von Bund und Land Niedersachsen um Fördergelder beworben. Mitte Februar kam der Bewilligungsbescheid und jetzt soll es losgehen.

Die Fabrikgebäude auf dem alten Wistobagelände gegenüber der Kirche werden abgerissen. „In der Dorfmitte soll etwas Schönes und Neues entstehen, um Barbis attraktiver zu machen“, blicken Thorsten und Arndt Stollberg voraus.

Denn der Antrag auf die Fördermittel war gleichzeitig verbunden mit einem Konzeptentwurf für die spätere Nutzung des Geländes. „Unser Entwurf sieht vor, das Gelände in sechs Parzellen aufzuteilen. Hier könnten Wohnhäuser für junge Familien oder auch seniorengerechte Häuser für ältere Menschen entstehen. Aber auch ein schöner Dorfplatz beziehungsweise Parkplätze sind möglich. Gerade gegenüber der Kirche werden diese gern von Besuchern und Gästen in Anspruch genommen.“

 

„Unser Lebenswerk steht in den Bühwiesen, ist die neue Wistoba. Alles hat seine Zeit.“

Thorsten Stollberg

 

 

Platz für junge Handwerksbetriebe

„Im Jahr 1995 war unser Umzug mit der Pinselfabrik aus der Barbiser Dorfmitte in das Gewerbegebiet Bühwiesen abgeschlossen“, erinnert sich Thorsten Stollberg. Da die Fabrikgebäude in der Dorfmitte leer standen, hatte sein Vater Friedrich Wilhelm Stollberg die Idee, diese preisgünstig jungen Handwerksbetrieben zur Verfügung zu stellen. Diese sollten sich hier bei günstigen Miet- und Pachtkonditionen entwickeln können, eine Idee, die damals der Zeit voraus war und heutzutage von vielen Unternehmen mit dem Versammeln von sogenannten Start Ups unter einem Dach an der Tagesordnung ist.

„Wir haben seit 1995 rund zehn Betriebe hier auf dem Gelände gehabt, die sich fast alle durch die guten Anfangsbedingungen am Markt etablieren konnten“, sagt Arndt Stollberg. „Die Firmen durften teilweise sogar ihre Räume nach ihren Erfordernissen gestalten.“ Auch die Barbiser Straßen-Musikanten hatten in den Gebäuden einen Übungs- und die AG Barbiser Vereine einen Archivraum.

 

Gebäude sind völlig marode

„Wir sind von Beginn an offen mit unseren Mietern umgegangen. Obwohl die offizielle Kündigungsfrist nur drei Monate betragen hätte, haben wir sie sechseinhalb Monate vorher informiert. Fast alle haben sich verständnisvoll und auch dankbar für die Zeit gezeigt, in der sie hier kostengünstig untergekommen waren.“

Doch jetzt sei einfach der Zeitpunkt gekommen, sind sich die Brüder einig, einen Schlussstrich zu ziehen. Denn die Sanierungs- und Erhaltungskosten für die Gebäude überstiegen bei weitem die Miet- und Pachteinnahmen. „Es war das sogenannte ‚Fass ohne Boden’. Von Weitem sehen die Gebäude vielleicht noch ganz gut aus, aber wenn man von Nahem einen Blick darauf wirft, sind Mauerwerk, Gebälk und Fenster völlig marode. Das haben uns auch die Fachleute aus Hannover bestätigt, die im Rahmen unseres Förderantrags die alte Wistoba genauestens unter die Lupe genommen haben“, so Arndt Stollberg.

 

Gebäude nicht unter Denkmalschutz

Die Gemäuer stehen auch nicht unter Denkmalschutz. Arndt und Thorsten Stollberg sind sich bewusst, dass die Gebäude dennoch ihre Historie haben. Wilhelm Stollberg, der Großvater von Arndt und Thorsten Stollberg, machte sich im Jahr 1917 selbstständig. Bereits 1921 brauchte er neue Fabrikationsräume. Diese fand er auf dem Bauerngut des Eduard Cornelius in der Mitte von Barbis. Gleichzeitig stieg Cornelius als Teilhaber in die Wistoba ein. Im Jahr 1929 zahlte Wilhelm Stollberg seinen Teilhaber aus und war fortan alleiniger Inhaber der Wistoba und der Fabrikationsstätte in der Dorfmitte.

„Viele Barbiser waren im Laufe der Jahrzehnte hier tätig, nicht nur unser Großvater, auch unser Vater führte anfangs von hier das Unternehmen. Doch unser Lebenswerk steht in den Bühwiesen, ist die neue Wistoba. Alles hat seine Zeit“, so Thorsten Stollberg.

 

Ideen für viele Nutzungmöglichkeiten

Auch wenn die Brüder nicht selbst als Investoren auftreten wollen, sind sie sich sicher, dass hier in der Dorfmitte ein Schmuckstück für Barbis entstehen wird. Dabei ist die Aufteilung in sechs Parzellen nicht in Stein gemeißelt. „Es sind durchaus auch andere Ideen und Vorstellungen umsetzbar. Die Förderbewilligung ist in diesem Punkt relativ offen. Es geht allein um die nachhaltige Entwicklung von Dörfern im ländlichen Raum.“

Ein schmuckes Seniorenheim oder eine Einkaufsmöglichkeit seien auch vorstellbar. Thorsten und Arndt Stollberg freuen sich jedenfalls darauf, dass sich für sie die Chance geboten hat, ihre langjährige Familiengeschichte in der Barbiser Ortsmitte zu einem Abschluss zu bringen, von dem das ganze Dorf profitieren wird.


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