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Sonntag, 26. Mai 2019
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Geschrieben von Manfred Kirchner am 05. Mai 2019
Aktuell

Bauern im Dienste von Fürsten und Pfarrer

Hand und Spanndienste für die Burg Scharzfels und für das Schloss Herzberg

Dr. Seven nahm die Zuhörer auf eine Zeitreise in die Vergangenheit mit
Dr. Seven nahm die Zuhörer auf eine Zeitreise in die Vergangenheit mit
Der Förderverein Schloss Herzberg war erfreut über das rege Interesse an diesem Vortrag. Im Schlossrestaurant gab es kaum noch freie Stühle. Fotos: Manfred Kirchner
Der Förderverein Schloss Herzberg war erfreut über das rege Interesse an diesem Vortrag. Im Schlossrestaurant gab es kaum noch freie Stühle. Fotos: Manfred Kirchner

Der Gang auf das Schloss war im Mittelalter meist alles andere als ein sonntäglicher Ausflug. Wenn sich ein Bauer mit seinen Zugtieren auf das Schloss begab, dann tat er dies, um dort mit eigener Hand und mit seinem Vieh Dienst zu tun. Über solche regelmäßigen Hand- und Spanndienste berichtete Pastor i.R. Dr. Friedrich  Seven in einem Vortrag auf Schloss Herzberg und hatte hierzu Urkunden aus dem Pfarrarchiv von Scharzfeld mitgebracht. Der Förderverein Schloss Herzberg hatte eingeladen und war sehr erfreut über das rege Interesse an diesem Vortrag. Im Schlossrestaurant gab es kaum noch freie Stühle.
 
Die erste Urkunde zum Thema Hand- und Spanndienste, die Dr. Seven vorstellte, war ein Vertrag von 1421. Dieser Vertrag wurde zwischen dem Amtmann von Scharzfels, Curt von Germar, und den Einwohnern des Dorfes Scharzfeld geschlossen. In dem Dokument verpflichten sich die Scharzfelder zu Pflug- und Sensendiensten an zwei Tagen für die Herrschaft Scharzfels und an einem Tag für das Schloss Herzberg. Der Graf von Schwarzburg und der Graf von Stolberg haben diesen Vertrag bestätigt.
 
Neben den Pflichten garantierte die Urkunde aber auch Rechte und Freiheiten für das Dorf. Zum einen ist den Scharzfeldern das Fischen im damaligen Mühlenteich erlaubt, zum anderen der zinspflichtige Ausschank und Verkauf von Bier. Insbesondere wird die Freiheit zur Rechtssprechung bestätigt. Ein Protokollbuch der Gemeinde Scharzfeld bestätigt, dass die Niedergerichtsbarkeit vom Dorfvorstand auch ausgeübt worden ist.
 
Auch als im Jahre 1541 das Dorf Scharzfeld aus der Herrschaft Scharzfels, die damals die Grafen von Honstein innehatten, ganz an die Herrschaft Grubenhagen und damit an das Schloss Herzberg überging, blieben die Bauern und Kleinbauern (Köter) des Dorfes der Burg Scharzfels in reduziertem Umfang zu Acker- und Sensendiensten verpflichtet. In einer Urkunde von 1584 verpflichtet der Herzog Wolfgang von Grubenhagen die Scharzfelder zu Hand- und Spanndiensten für den Pfarrer am Ort.
 
Dr. Seven ging dann weiter allgemein auf Hand- und Spanndienste im Fürstentum Grubenhagen und auf einen Vergleich zwischen den Bauern von Wollershausen und dem Freiherrn von Minnigerode aus dem Jahre 1669 ein. Dieser Vergleich enthält eine detaillierte Beschreibung der Hand- und Spanndienste zu jener Zeit.
 
Zum Abschluss seines Vortrags schlug Dr. Seven noch einmal die Brücke zu Scharzfeld. Als in den Jahren 1853 bis 1855 eine neue, die jetzige St. Thomaskirche zu Scharzfeld, im Auftrag des Königs von Hannover gebaut wurde, waren die Dorfbewohner zu Hand- und Spanndiensten verpflichtet, denen sie nur widerwillig nachkamen.
 
Dr. Seven verstand es hervorragend, durch Vergleiche und Geschichten seine Zuhörer zu fesseln und auf die Zeitreise in die Vergangenheit mitzunehmen.



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