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Sonntag, 18. August 2019
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Geschrieben von ski am 10. Mai 2019
Aktuell

Von der gefühlten und der realen Sicherheitslage

Die Polizeidirektion Göttingen stellte ihren Sicherheitsbericht 2018 vor

Hoher polizeilicher Besuch in Bad Lauterberg
Hoher polizeilicher Besuch in Bad Lauterberg

Die gefühlte Sicherheit und die tatsächliche Lage sind zwei verschiedene Dinge, stellte Polizeipräsident Uwe Lührig fest: „Wir wissen, dass das subjektive Sicherheitsgefühl schlechter ist als die objektive Lage“. Das konnten die Vertreter der Kommunen bestätigen, die am Mittwoch, 08.05.2019 in das Polizeikommissariat Bad Lauterberg gekommen waren, um sich den Sicherheitsbericht vorstellen zu lassen.  Der hohe Besuch des Polizeipräsidenten, des Vizepräsidenten Bernd Wiesendorf und Polizeidirektor Hans Walter Rusteberg in Bad Lauterberg war auch als Symbol zu verstehen, dass man auch weiterhin in der Fläche präsent sein will. Denn mit dem Jahreswechsel haben sich die polizeilichen Strukturen geändert: für den Altkreis Osterode ist nun die Polizeiinspektion Göttingen und nicht mehr die Polizeiinspektion Northeim zuständig. „Damit hat man auf die Landkreisfusion reagiert, damit nicht ein Landkreis von zwei verschiedenen Inspektionen betreut wird“, erklärte Lührig. Für die Bürger im Altlandkreis ändert sich dadurch aber eigentlich gar nichts – das Polizeikommissariat unter Leitung von Erster Polizeihauptkommissar Burkhard Hantke bleibt in der gleichen Form erhalten wie das Polizeikommissariat Osterode und die nachgeordneten Polizeistationen Bad Sachsa, Walkenried, Herzberg und so weiter.

Polizeipräsident Lührig und seine Kollegen berichteten nicht nur über die polizeiliche Kriminalstatistik, deren Zahlen durchweg sehr erfreulich sind (wir berichteten bereits hier). In der Vorstellung des Sicherheitsberichts stellten sie auch die weiteren Schwerpunkte ihrer Arbeit vor. Die Bekämpfung der Eigentumskriminalität wird mittlerweile durch ein ganz neues Instrument des „Predictive Policing“ unterstützt: eine Prognose-Software, die auf Basis der Daten bereits begangener Einbrüche die Wahrscheinlichkeit bestimmt, dass es in einem bestimmten Gebiet zu weiteren Straftaten kommt. Sie weist also Risiko-Gebiete aus, wo gezielt verstärkte Streifen- und Kontrolltätigkeiten vorgenommen werden sollten. Doch eines bleibt weiterhin das Wichtigste: die Hinweise der aufmerksamen Bevölkerung. „Rufen Sie uns an, wenn Ihnen etwas auffällt, etwa, dass da Leute sind, die dort nicht hingehören“.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Clankriminalität, die mit einer besseren Vernetzung und einer Optimierung der Zusammenarbeit und Informationsflüsse bekämpft werden soll. Auf kommunaler Ebene stehen dabei spezielle Ansprechpartner zur Verfügung.

Ein Thema, das Lührig unter den Nägeln brennt: „Es gibt zunehmende Gewalt gegen Einsatzkräfte. Nicht nur gegen Polizisten, sondern auch gegen Feuerwehrleute und Rettungsdienste – das ist für mich unerträglich, und ich bin froh, dass der Gesetzgeber nun schärfere Gesetze erlassen hat“. Klare Worte fand Lührig auch zum Thema Reichsbürger: „Früher haben wir gesagt, das sind Durchgeknallte, aber jetzt sind die gefährlich“.

Zur Aufklärung von Altmordfällen (Cold Cases) wurde eine Sonderkommission gebildet. Denn: „Heute gibt es manchmal neue Ermittlungsansätze im digitalen Bereich – ähnlich wie dies vor Jahren mit Einführung der DNA-Analyse der Fall war. Wenn sich in einem Altfall neue, erfolgversprechende Ansätze ergeben, können die Ermittlungen wieder aufgenommen werden“, so Lührig. Im Bereich der Polizeidirektion gibt es etwa 60 Cold Cases.

Überhaupt haben sich die Ermittlungsmethoden ja stark weiterentwickelt – so sehr, dass sich die Polizei selbst auch immer weiterbilden muss. Eigens dafür ist sie eine Kooperation mit der Hochschule Mittweida eingegangen. „Das dient gleichzeitig der Nachwuchsgewinnung – vielleicht bleibt der eine oder andere Informatiker dann nach dem Praktikum mal bei uns hängen“, hofft Lührig. Denn längst beschäftigt die Polizei Informatiker, die sich mit dem Bereich Forensik in der digitalen Welt befassen. Und dieser Bereich wird in der Zukunft immer weiter an Bedeutung gewinnen.

Präventiv ist die Polizei natürlich auch im Bereich der Verkehrssicherheit tätig. Das vergangene Jahr lässt im Vergleich zum Vorjahr eine positive Entwicklung bei der Zahl der Verkehrsunfälle erkennen. Doch im Bereich der Polizeidirektion waren es immer noch 33.309 Verkehrsunfälle insgesamt, mit 53 getöteten Personen. Eine der Ursachen: Ablenkung durch den Blick aufs Handy am Steuer. Hier werden immer häufiger Verstöße festgestellt: 5.718 waren es im Jahr 2018. Über die Dunkelziffer lässt sich natürlich nur spekulieren. „Bei manchen Unfallautos liegt das Handy noch angeschaltet im Fußraum….“.  Es bleibt also noch jede Menge an Aufklärungsarbeit zu leisten.

Aufklärungsarbeit, das ist auch das einzige, was bei einem weiteren Bereich helfen kann, der der Polizei Bauchschmerzen bereitet: die Enkeltrickbetrüger und falsche Polizisten. Über deren Tricks werden wir bei LauterNEUES demnächst gesondert berichten.

Die anwesenden Bürgermeister und Vertreter der Kommunen waren sich bei der Vorstellung des Sicherheitsberichts jedenfalls einig, dass es sich nach wie vor hier sehr sicher leben lässt. Auch wenn das subjektive Sicherheitsgefühl, wie der Bad Sachsaer Stadtoberamtsrat Uwe Weick erzählte, natürlich schon darunter leidet, wenn man weiß, dass der einzige Streifenwagen nachts erst von Bad Lauterberg anfahren muss. Gelobt wurde die gute Zusammenarbeit mit den lokalen Dienststellen, und die soll natürlich auch in Zukunft fortgesetzt werden.

Die Polizei will bei ihrer Arbeit künftig verstärkt auf Transparenz setzen und auch auf Social Media stärkere Präsenz zeigen - auch, um Fake News vorzubeugen. Dafür beschäftigt sie eigens eine Social-Media-Managerin. Der Transparenz dient auch der ausführliche Sicherheitsbericht: er kann hier in Gänze eingesehen (externer Link) und heruntergeladen werden. Damit hat jede/r Bürger/in die Möglichkeit, das subjektive Sicherheitsgefühl mit der objektiven Lage abzugleichen...

 


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