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Sonntag, 18. August 2019
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Geschrieben von Karl Heinz Bleß am 11. Mai 2019
Aktuell

Multiresistente Keime nicht nur in Kliniken

Professor Wilfried Bautsch hat vor Ärzten in der Kirchberg-Klink referiert

Professor Dr. Dr. Bautsch (l.) im Gespräch mit Dr. Ernst Knoglinger und Oberärztin Dr. Barbara Bialucha-Nebel.
Professor Dr. Dr. Bautsch (l.) im Gespräch mit Dr. Ernst Knoglinger und Oberärztin Dr. Barbara Bialucha-Nebel.

Multiresistente Keime kommen nicht nur in Krankenhäusern vor. In Arztpraxen und ambulanten Gesundheitseinrichtungen sind sie inzwischen genauso verbreitet. Das erklärte Professor Dr. Dr. Wilfried Bautsch, Leiter des Instituts für Mikrobiologie, Immunologie und Krankenhaushygiene am Städtischen Klinikum Braunschweig, am Mittwoch (08.05.2019) in der Kirchberg-Klinik vor Ärzten. Zu der zertifizierten Fortbildungsveranstaltung hatte ihn der Ärztliche Direktor der Kirchberg-Klinik, Dr. Ernst Knoglinger, eingeladen. Das Thema der resistenten Keime fand großes Interesse unter der Ärzteschaft der Region.

 

„Jeder Einzelfall ist problematisch“

Der Gastredner versuchte das Problem der resistenten Keime einzuordnen. Weder habe es epidemische Ausmaße angenommen, wie einige irreführende Zeitungsberichte im vergangenen Jahr nahelegten, noch sei es als unwichtig zu ignorieren. „Jeder Einzelfall ist problematisch“, sagte er mehrfach. Dass es überhaupt zu multiresistenten Keimen in größerem Ausmaß kommen konnte, erklärte Bautsch, liege daran, dass man in der Vergangenheit viel zu schnell auf Antibiotika zurückgegriffen habe. Das sei in den Kliniken anders geworden, der Verbrauch von Antibiotika sei rückläufig. Anders dagegen in den Arztpraxen, denn der Druck von Patienten sei oft groß, die diese Medikamente verschrieben haben wollten. So verbrauchte in Deutschland jeder Einwohner im Durchschnitt 15 Tagesdosen. In den Niederlanden sind es nur zehn. „Die Niederländer verbrauchen ein Drittel weniger Antibiotika – und sind deshalb auch nicht mehr krank als Deutsche“, sagte der Mikrobiologe. Man könne den Verbrauch also um 30 Prozent senken, ohne die Gesundheitssituation in Deutschland zu verschlechtern.

 

Antibiotika – „Einmal drauf und gut“

Dem am meisten gebrauchten Antibiotikum Cefuroxim gab Bautsch ein mieses Zeugnis: Es gehöre zu den schlechtesten Antibiotika, die er kenne. Auch machten Ärzte bei der Verordnung oft den Fehler, dass sie die Dosierung zu niedrig ansetzten und zu lange Gaben verschrieben. „Einmal drauf und gut. Wenn die Keime einmal abgetötet worden sind, braucht man sie nicht mehr zu bekämpfen“, brachte er es auf eine einfache Logik. Er sprach sich für eine sorgfältige Diagnose und gezielte Auswahl des Antibiotikums aus, also gegen Breitbandpräparate.

Und noch eine Vorgabe machte er: Ärzte sollten nicht das Ziel haben, Keime zu behandeln, sondern dem Patienten helfen. Es sei nicht sinnvoll, bestimmte Keime ausrotten zu wollen. Deshalb sollten Mediziner nur Infektionen behandeln, niemals die einfache Besiedlung. Denn ein Mensch trage viele Keime in sich, mit denen das Immunsystem ganz gut klarkomme.

Wie sich die Keime ständig verändern, so verändert sich auch die Behandlung. Deshalb betonte er mehrfach: „Sie müssen sich fortbilden!“

 

Keine Waschbecken im OP?

Wichtige Prävention seien Hygienemaßnahmen mit dem Ziel, Patienten zu schützen. In der Regel reiche die Basishygiene, die aber konsequent eingehalten werden müsse. So sei die Händedesinfektion die wichtigste Prävention. In diesem Zusammenhang stellte er sich gegen die Lehrmeinung, dass es besonders gut sei, vor der Händedesinfektion die Hände zu waschen. Denn beim Händewaschen bilde sich ein Feuchtigkeitsfilm auf der Haut, der eine Barriere für das Desinfektionsmittel sei. Aus den Vorräumen von OPs würde er am liebsten die Waschbecken ganz verbannen.


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