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Sonntag, 26. Mai 2019
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Geschrieben von ski am 11. Mai 2019
Aktuell

Das lange Warten

In Sachen Wasserski am Wiesenbeker Teich ist bislang nur eines klar: bis zu einer Entscheidung wird es noch lange dauern

Die mobile Wasserskianlage wurde im letzten Herbst abgebaut.
Die mobile Wasserskianlage wurde im letzten Herbst abgebaut.
Der Wiesenbeker Teich war schon seit jeher eine Freizeitattraktion....
Der Wiesenbeker Teich war schon seit jeher eine Freizeitattraktion....
...und ein richtiges Spaßbad mit Sprungturm und hölzerner Rutsche.
...und ein richtiges Spaßbad mit Sprungturm und hölzerner Rutsche.
Frühere Lauterberger Generationen haben hier das Schwimmen gelernt.
Frühere Lauterberger Generationen haben hier das Schwimmen gelernt.
Das historische Umkleidegebäude aus den 1920ern. Historische Fotos: Archiv Foto Lindenberg
Das historische Umkleidegebäude aus den 1920ern. Historische Fotos: Archiv Foto Lindenberg
Das jetzige Umkleidegebäude stammt aus den 1960ern und ist marode. Foto: Dieter Pfeiffer
Das jetzige Umkleidegebäude stammt aus den 1960ern und ist marode. Foto: Dieter Pfeiffer
Die Dammkrone wurde in den 1980ern saniert - aber auch nicht gerade denkmalschutzgerecht. Foto: Dieter Pfeiffer
Die Dammkrone wurde in den 1980ern saniert - aber auch nicht gerade denkmalschutzgerecht. Foto: Dieter Pfeiffer
Bis zu einer Einigung oder Gerichtsentscheidung bleibt das Freibad erst einmal geschlossen.
Bis zu einer Einigung oder Gerichtsentscheidung bleibt das Freibad erst einmal geschlossen.

Vielleicht passiert ja am 3. Juni etwas: dann soll ein Mediationstermin stattfinden, bei dem sich die Bau- und Denkmalschutzbehörde des Landkreises und der Denkmalschutz des Landes Niedersachsen einerseits und die Stadt Bad Lauterberg und Betreiber Maik Dombrowsky andererseits zusammensetzen sollen, um möglicherweise eine Lösung zu erarbeiten.

Doch ob es so weit kommt, steht noch in den Sternen. Denn die Terminfindung für dieses Treffen hat das Verwaltungsgericht weitgehend den Parteien überlassen – und im Gegensatz zu Dombrowsky, der natürlich hofft, seine Wasserskianlage baldmöglichst aufstellen und in Betrieb nehmen zu können, haben es die Landkreis- und Landesbehörden in keiner Weise eilig.

Kein Wasserski, kein Bootsverleih - und darum auch kein Freibad

Nun ist es schon Mai, der Wiesenbeker Teich wird immer wärmer, und die Saison könnte beginnen – nicht nur für die mobile Wasserskianlage, sondern auch für den Bootsverleih und das Freibad überhaupt. Doch auch der Bootsverleih wurde ja vom Landkreis Göttingen untersagt: der Bootssteg dürfe, so der Bescheid, künftig nicht mehr genutzt werden. Denn: weil der seit vielen Jahren fürs Bootfahren genutzte Steg im letzten Jahr auch zusätzlich fürs Starten der Wasserskifahrer genutzt worden sei, sei durch diese ungenehmigte Nutzung nachträglich die Baugenehmigung des Stegs erloschen.
„Ich habe offiziell angefragt, ob der Bootssteg und der Bootsverleih wieder betrieben werden dürfen und warte auf die Anwort“, sagt Dombrowsky.  So lange bleibt das Freibad für die Öffentlichkeit erst einmal geschlossen.

Das könnte das Aus für das öffentliche Freibad am Wiesenbeker Teich bedeuten

Falls am Ende das Gericht entscheiden sollte, dass die mobile Wasserskianlage auf dem Wiesenbek nicht betrieben werden darf, werde dies auch das endgültige Aus für den öffentlichen Schwimmbadbetrieb bedeuten, so Dombrowsky: „ Die Wasserskianlage bringt Geld. Wenn Wasserski und Bootsverleih funktionieren, dann trägt sich das Freibad auch wirtschaftlich“. Ansonsten sei der Aufwand für Personal und Versicherungen einfach zu hoch: „Es rechnet sich so einfach nicht.“  Damit wäre die lange Geschichte des Freibads am Wiesenbeker Teich, das 1912 vom LSKW errichtet wurde, nach mehr als einem Jahrhundert zu Ende – ausgerechnet aufgrund des Denkmalschutzes. Die alten Fotos aus den 1920er Jahren, die den Teich schon damals als richtiges Spaßbad zeigen – mit hölzerner Rutsche und Sprungturm – wären damit für immer Geschichte.

Hotelruine, Dammkrone und Denkmalwert

Dombrowsky findet es nach wie vor unbegreiflich, dass ihm der Betrieb der mobilen Wasserskianlage aus Denkmalschutzgründen untersagt wurde - wo doch direkt auf der anderen Uferseite das zerfallende ehemalige Hotel am Wiesenbek vor sich hingammelt : „Wen störe ich denn damit? Da drüben steht die Ruine des Hotels – die beeinträchtigt das Denkmal wohl nicht? Ich finde, da macht sich die Behörde doch lächerlich“.

Zumal, wenn man bedenkt, dass der Denkmalwert des Wiesenbeker Teichs allein in der besonderen Bauweise des Damms und des Striegels (Ablaufs) liegt. Doch die Dammkrone ist ohnehin längst nicht mehr im Originalzustand – im Jahr 1982 wurde sie von den Harzwasserwerken mit Beton und Pflasterung ausgebaut, obwohl sie auch damals längst unter Denkmalschutz stand, sagt Dombrowsky. „Und heute legt die Behörde einfach mal so eine Zone von 70 Metern ab dem Ufer fest, in der ich absolut nichts machen oder verändern darf. Dabei gibt es dafür nirgends gesetzliche Vorgaben, was im Denkmalschutz erlaubt ist und was nicht – das ist rein das willkürliche Erfinden und die jeweilige Betrachtungsweise der Denkmalschutzbehörde“. 

Der Landkreis Göttingen dagegen erklärte auf eine entsprechende Anfrage von LauterNEUES, es gebe gar keine solche Zone, in der nichts verändert werden dürfe – ob die Änderungen den bau- und denkmalschutzrechtlichen Regelungen entsprechen, werde immer im Einzelfall geprüft. Eine Prüfung, die in diesem Fall negativ ausfiel – wir berichteten hier. Die Nutzung des Teichs für die Wasserskianlage sei "artfremd".

Investitionen in Kassenhäuschen, Bikerhaus und Umkleidegebäude liegen auf Eis

Dabei würde Dombrowsky gerne in die gesamte Anlage investieren – es stehen der Umbau des Bikerhauses vom Campingplatz ebenso auf seinem Plan wie die Modernisierung und Aufstockung des Kassenhäuschens. Und die marode Umkleidehalle aus den 1960ern würde er am liebsten abreißen und durch ein hölzernes Gebäude ersetzen, dass dem historischen Gebäude aus den 1920ern nachempfunden ist.  „Das Bad könnte wieder so schön werden wie früher“. Doch all diesen Plänen steht nun erst einmal das „Nein“ der Bau- und Denkmalschutzbehörde des Landkreises entgegen.

Dieser beharrt bislang auf dem strikten Verbot. Ganz anders dagegen die Stadt Bad Lauterberg, die das Vorhaben ausdrücklich begrüßt: „Die Wasserskianlage ist eine tolle Attraktion für unsere Bürger und die Gäste, die zu uns kommen. Der Wiesenbeker Teich wurde schon seit alters her zum Baden, Bootfahren und zum Spaßhaben genutzt – die älteren Lauterberger haben das Schwimmen dort im Freibad gelernt“, sagt Bürgermeister Dr. Thomas Gans. Er kann nicht nachvollziehen, wie der Denkmalwert des Teiches dadurch beeinträchtigt werden soll: „Es ist ja nicht so, dass der Teich oder seine Dammkrone dadurch irgendwie verändert werden. Im Gegenteil: wenn der Wiesenbeker Teich als Ausflugsziel attraktiv ist, dann können mehr Leute das UNESCO-Weltkulturerbe erleben. Was nützt mir das Denkmal, wenn es keiner sieht?“

Ob die bislang verhärteten Fronten am 3. Juni eine tragfähige Lösung finden können? Fest steht vorerst nur eines: der Wasserspaß am Wiesenbek lässt auf sich warten.

Die historischen Fotos stammen aus dem Archiv von Foto Lindenberg (externer Link).


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