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Sonntag, 18. August 2019
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Geschrieben von Karl Heinz Bleß am 12. Mai 2019
Aktuell

50 Jahre Diabetesklinik – 32. Diabetestag

Der Ärztliche Leiter Dr. Thomas Werner gab Rückblick auf Entwicklung des Bad Lauterberger Zentrums

Die Industrieausstellung im Foyer und Restaurant des Kurhauses...
Die Industrieausstellung im Foyer und Restaurant des Kurhauses...
...stieß wieder auf großes Interesse.
...stieß wieder auf großes Interesse.
Chefarzt Dr. Thomas Werner bei seinem Vortrag.
Chefarzt Dr. Thomas Werner bei seinem Vortrag.
Dr. Dr. Wolfgang Schröter.
Dr. Dr. Wolfgang Schröter.

Der 32. Diabetestag am Sonnabend (11.05.2019) im vollbesetzten Bad Lauterberger Kurhaus stand ganz im Zeichen des 50-jährigen Bestehens der Diabetesklinik, die heute zum Diabeteszentrum gewachsen ist. So gab der Ärztliche Leiter, Dr. Thomas Werner, gleich zu Beginn einen Rückblick auf die vergangenen 50 Jahre in der Diabetologie, die sich sehr gewandelt hat.

Er begann mit der Entdeckung des Insulins und dem Durchbruch in der Forschung durch Frederik Banting und Charles Best, die es 1922 zum ersten Mal bei einem Menschen einsetzten. Zuvor war Diabetes Typ 1 eine tödlich verlaufende Krankheit. Insulin wurde damals aus tierischem Gewebe hergestellt und zunächst an Hunden erprobt. Heute werde Insulin aus Bakterien und gentechnisch veränderten Bierhefepilzen gewonnen, berichtete Werner. Er zeigte auch historische Bilder von Allergietests aus dem Bad Lauterberger Diabeteszentrum, die zu Beginn der Behandlung routinemäßig gemacht wurden. Heute seien derartige Tests nicht mehr nötig, weil moderne Medikamente in der Regel keine Allergien mehr auslösten. Weiter zeigte er die Entwicklung in der Medizin anhand von Fotos von Gegenständen aus dem Diabetesmuseum in Bad Lauterberg. Er würdigte auch seine Vorgänger als Chefärzte, Professor Dr. Berend Willms, der vor allem die Schulung von Diabetikern in Deutschland etablierte, und Professor Dr. Michael Nauck, der an der Erforschung von Medikamenten, die heute viel genutzt werden, beteiligt war.

Die Behandlung von Diabetes war zu Beginn auch in Bad Lauterberg zukunftsweisend. Denn 1960 waren nur rund 0,6 Prozent der Deutschen an Diabetes Typ 2 erkrankt, heute liege der Wert über zehn Prozent. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich Diabetes mellitus zur Volkskrankheit entwickelt. Durch die immer bessere Behandlung konnte die Lebenserwartung von Diabetikern erhöht werden, so der Referent.

Als einen Höhepunkt in der Geschichte des Diabeteszentrums erinnerte der Klinikleiter an den Besuch des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt, der 1972 die Klinik besucht habe.

Im Ausblick stellte Werner fest, dass die wirtschaftliche Situation für das größte norddeutsche Diabeteszentrum schlechter geworden sei. Man habe sich wandeln müssen und habe Nischen gefunden, etwa indem man sich auf diabetische Folgeerkrankungen konzentriere. Er selbst behandele zunehmend diabetische Fußerkrankungen, wobei es große Fortschritte gebe. Behandelte er zu Beginn seiner Bad Lauterberger Tätigkeit etwa 100 Füße, seien es mittlerweile 400 pro Jahr. So konnte die Zahl der Amputationen von 45 auf fünf Prozent gesenkt werden. Zuletzt stellte er das Diabetesberaterteam für Patienten vor, das ein „wichtiger Baustein“ bei der Behandlung sei, ebenso die Ernährungsberatung.

 

Vortrag: Chronische Nervenstörungen bei Diabetikern

Im ersten Fachvortrag des Tages referierte der ehemalige Oberarzt und jetzige Leiter des MVZ Primedus in Osterode und Bad Lauterberg, Dr. Dr. Wolfgang Schröter, über chronische Nervenstörungen bei Diabetikern. Betroffene Patienten fühlten ein Kribbeln in den Fingerspitzen und unter den Füßen fühle es sich an, als würden Ameisen darüber laufen. Das könne schlimmer und zum Dauerschmerz werden und sich zum Brennen steigern. Auch kann es zu Missempfindungen kommen, so dass etwa nachts die Bettdecke Schmerzen bereite.

Der Arzt stellte fest, dass es sich dabei nicht um eine Durchblutungsstörung handele, sondern eine Nervenerkrankung. Typisch sei, dass die Schmerzen nachts schlimmer seien als tagsüber. Eine ganze Reihe von Behandlungsmöglichkeiten stellte der Referent vor, beginnend bei einfachen Dingen, die jeder selbst machen könne wie glatte Bettwäsche, Wechselgüsse und Wassertreten bis hin zu medikamentösen Therapien, die aber immer individuell seien, denn jeder Patient reagiere anders. Da müssten Arzt und Patient zusammen viel ausprobieren. Ausdrücklich warnte Schröter vor der Einnahme über längere Zeit von Ibuprofen und Diclofenac, die zwar nicht verschreibungspflichtig seien, auf Dauer aber zu Nierenschädigungen führen könnten.

 

Jubiläum als Zeichen eines „Riesenerfolgs“

In seinem Grußwort zu Beginn der Veranstaltung betonte Bürgermeister Dr. Thomas Gans, dass das Wichtigste für Diabetiker das Wissen über ihre Krankheit sei, da sie sie zum größten Teil selbst managen müssten. Die Krankheit verlange ständige Wachsamkeit. Zudem ändere sich in der Therapie vieles. Er dankte den Beschäftigten im Diabeteszentrum für die geleistete Arbeit über 50 Jahre.

Der Landesvorsitzende des Vereins Diabetiker Niedersachsen, Arnfried Stoppok, sprach von einem „Riesenerfolg“, wenn eine Diabeteseinrichtung auf ein 50-jähriges Bestehen zurückblicken könne. Auch dass es bereits der 32. Diabetestag für Betroffene und Angehörige sei, müsse hoch angerechnet werden, würden doch solche Tagungen bundesweit aus Besuchermangel eingestellt und nur noch Fachtagungen für Ärzte organisiert. Das volle Kurhaus und der volle Parkplatz mit vielen auswärtigen Fahrzeugen zeigten, wie erfolgreich die jährliche Veranstaltung in Bad Lauterberg sei.

Die Besucher konnten sich im Laufe des Tages vier weitere Vorträge anhören, hatten aber auch noch Zeit zum anschließenden Stadtbummel. Viele nutzten auch die Gelegenheit, sich auf der Industriemesse im Foyer und Restaurant des Kurhauses über neue Produkte zu informieren.


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