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Dienstag, 17. September 2019
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Geschrieben von Karl Heinz Bleß am 03. Juni 2019
Aktuell

„Bad Lauterbergs Wahrzeichen nicht gefährden!“

Förderkreis Königshütte will das Scholmwehr mit Brücke unbedingt erhalten

Zweifelsohne ein Wahrzeichen Bad Lauterbergs: Das Scholmwehr, direkt an Kurpark und Kurhaus gelegen.
Zweifelsohne ein Wahrzeichen Bad Lauterbergs: Das Scholmwehr, direkt an Kurpark und Kurhaus gelegen.
2017 wurde die Brücke provisorisch saniert: Die roten Metallklammern verbinden seitdem Untergurt und beide Geländer miteinander.
2017 wurde die Brücke provisorisch saniert: Die roten Metallklammern verbinden seitdem Untergurt und beide Geländer miteinander.
Auch die Stützmauern beiderseits des Wehrs müssen über kurz oder lang saniert werden.
Auch die Stützmauern beiderseits des Wehrs müssen über kurz oder lang saniert werden.

Der Förderkreis Königshütte widerspricht der Auffassung im Rat, dass eine neue Brücke über die Oder eine Alternative zur sanierungsbedürftigen Scholmwehrbrücke sein kann. Denn das Scholmwehr als Wahrzeichen Bad Lauterbergs werde dadurch in seinem Bestand gefährdet und verursache Kosten, die letztlich die Stadt tragen müsste. Diese Ansicht vertrat der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, Christian Mühl, in einem Gespräch.

Anlass für die Äußerung ist ein von vielen Ratsmitgliedern in der jüngsten Sitzung begrüßter Beschluss der Stadtverwaltung, eine Bauvoranfrage zu stellen, ob es möglich sei, eine neue Brücke in Verlängerung der Erikastraße zu bauen. Das, so Mühl, würde alle Bestrebungen des Fördervereins, das 1905 gebaute denkmalgeschützte Wehr mit seiner Fußgängerbrücke zu erhalten, zunichtemachen. Wenn es eine alternative Brücke gäbe, fehlte der Grund, die Brücke über das Wehr und damit das Wehr selbst zu erhalten. Denn wenn die Brücke aus Sicherheitsgründen für Fußgänger gesperrt werde, argumentierte der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, dürfe sie auch niemand betreten, um das Wehr zu bedienen. Die Folge: Man müsste die Schütze des Wehrs auf Dauer ganz öffnen. Damit gelangte kein Wasser mehr in den Hanggraben, der Oderwasser zur Königshütte leitet und dort zwei Turbinen antreibt, die Strom erzeugen. Wenn es aber keine Stromerzeugung auf der Königshütte mehr gäbe, sei das das Aus des Industriedenkmals Königshütte, so Mühl.

Nach einer provisorischen Verstärkung der Brücke 2017 besteht eine Nutzungsgenehmigung bis Ende 2019. In diesen Tagen kommt erneut ein Gutachter, um zu prüfen, ob die Genehmigung für weitere zwei Jahre gegeben werden kann.

 

Was hat der Förderkreis vor?

Der Förderkreis will das Scholmwehr in zwei Bauabschnitten sanieren. Zunächst will er die Fußgängerbrücke, von der aus auch das Wehr bedient wird, erneuern. Dazu muss die Brücke in zwei Teilen herausgehoben und verrostete Teile müssen ersetzt werden. Diese dürfen aber nicht verschweißt, sondern müssen nach historischem Vorbild vernietet werden. Der Grund sei nicht nur optischer Natur, auch spreche die Technik dafür, so Mühl, der selbst Ingenieur ist. Das Schweißen würde punktuelle Veränderungen in dem alten Stahl erzeugen.

Die sanierte Brücke kann man anschließend nicht verzinken, um sie rostsicherer zu machen. „Der Stahl wird dadurch unnormiert“, stellte er fest. Heute gelte ohnehin wegen der guten Farben das Anstreichen als der beste Rostschutz.

Doch auch die Pfeiler sind sanierungsbedürftig. Der Kern aus Schüttbeton sei zwar in Ordnung, doch das Äußere müsse mittelfristig erneuert werden. Schon im ersten Bauabschnitt stehen deshalb die Köpfe der Pfeiler, auf denen die Brücke lagert, zur Sanierung an. Dazu müssen sie etwa 15 Zentimeter weit abgetragen und mit neuem stahlbewehrtem Beton wie mit einem „Hut“ neu aufgebaut und gedeckelt werden. In einem zweiten Bauabschnitt sind dann die äußeren Schichten der Pfeiler an der Reihe. Auch von ihnen soll die sanierungsbedürftige Außenhaut etwa um 15 Zentimeter ringsum abgeschlagen und mit engporigem Stahlbeton ersetzt werden, damit sie auch die nächsten hundert Jahre halten. Mit dem zweiten Bauabschnitt hat der Förderverein aber noch Zeit, wie Mühl erklärte, denn die Pfeiler seien nach einem Gutachten standfest.

 

Komplizierte Besitzverhältnisse

Die Besitzverhältnisse sind etwas kompliziert. Das Wehr ist Eigentum der Königshütte UG. Die Stadt hat sich vor knapp 100 Jahren verpflichtet, die Fußgängerbrücke instand zu halten. Das Wehr steht auch zu 99 Prozent auf städtischem Boden, nur zu einem Prozent auf dem Grundstück der Königshütte – gerademal 22 Quadratmeter. Für die Sanierung durch den Förderverein sind zahlreiche Verträge nötig, die notariell besiegelt werden müssen. Das ist inzwischen so gut wie erledigt.

Christian Mühl hat für den Förderverein je ein Gutachten von der Ingenieurgesellschaft Bothe zum Stahlbau und von der LPI Ingenieursgesellschaft Prof. Lohaus und Dr.-Ing Petersen zu den Betonteilen erstellen lassen. Auf deren Untersuchungen beruhen die Bauplanungen, die nach seinen Worten auch mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt sind. Die errechneten Kosten für den ersten Bauabschnitt betragen danach 211.000 Euro. Der Förderkreis rechnet mit einer 80-prozentigen Förderung durch die EU (LEADER-Mittel), die Stadt müsste dann die restlichen 20 Prozent tragen. Schon jetzt hat die Stadt Bad Lauterberg 25.000 Euro zugesagt und in den Haushalt eingestellt. Die müssten aber auf 45.000 aufgestockt werden, um auf die 20 Prozent kommen. Dazu müssten verschiedene Posten im Stadthaushalt verschoben oder ein weiterer Betrag für das nächste Jahr eingeplant werden.

„Unser Spendenaufruf für die Sanierung war für die Katz“, gesteht Mühl unumwunden. Denn die Gegenfinanzierung dürfe nur aus öffentlichen Haushalten kommen und nicht aus Spenden. Die erhaltenen Spendengelder werde man für Nebenarbeiten verwenden, wenn die Geber damit einverstanden seien, oder auch zurückzahlen, wenn die Spenden zweckgebunden gegeben waren.

 

„Existenz des Industriedenkmals Könighütte hängt vom Scholmwehr ab“

Eine neue Brücke, die die Stadt als Alternative sieht, würde nach ersten vorsichtigen Schätzungen 350.000 Euro kosten. Doch das ist noch nicht alles, rechnet Mühl vor. Man sollte daran denken, dass irgendwann das Wehr zurückgebaut werden müsste. Die Kosten seien sehr hoch, könnten aber bisher nicht ermittelt werden. Voraussichtlich müsste die Stadt die Kosten tragen, wenn es die Königshütte nicht mehr gebe.

Außerdem müssten die Stützmauern auf beiden Seiten des Wehrs – auf der Seite zur Bebauung ein großes Stück und am Hanggraben ein kleines Stück –, saniert werden. Denn sonst drohten die Straße und der Weg gegenüber in den Fluss zu rutschen. Allerdings müssen diese Mauern, da sie einsturzgefährdet sind, über kurz oder lang ohnehin saniert werden.

Auch wenn es viel Arbeit im Vorfeld ist, will der Förderverein Königshütte das Ensemble von Scholmwehr, Kurhaus und Teiche, zu dem im weitesten Sinne auch der Hausberg gehört, als Wahrzeichen Bad Lauterbergs erhalten. Der Förderverein setzt sich deshalb für das Wehr ein, weil daran die Existenz des Industriedenkmals Königshütte hänge, so Mühl. Eine alternative Fußgängerbrücke wenige Meter daneben, werde dieses gefährden, wenn sie aus Denkmalschutzgründen überhaupt realisierbar sei.


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