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Samstag, 17. August 2019
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Geschrieben von Tom Zinram am 12. Juni 2019

Aktuell

Von Highlights bis Rückschlägen war alles dabei

Tom Zinram berichtet von seiner Radtour für die Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe in Goslar

Geographischer Höhepunkt der Radtour: Tom Zinram auf dem Brocken.
Geographischer Höhepunkt der Radtour: Tom Zinram auf dem Brocken.
Daumen hoch: Die Selbsthilfegruppe Fibromyalgie Goslar um Carmen Redel (sitzend) freut sich über Zinrams Engagement.
Daumen hoch: Die Selbsthilfegruppe Fibromyalgie Goslar um Carmen Redel (sitzend) freut sich über Zinrams Engagement.
Erster Stopp: Odertaler Sägemühle.
Erster Stopp: Odertaler Sägemühle.
Die Tour führte den Bad Lauterberger auch durch Schierke.
Die Tour führte den Bad Lauterberger auch durch Schierke.
Natürlich ging es auf der Strecke durch den Harz auch kilometerlang bergan.
Natürlich ging es auf der Strecke durch den Harz auch kilometerlang bergan.
Kulinarischer Höhepunkt auf Torfhaus: Erdbeeren aus Schladen.
Kulinarischer Höhepunkt auf Torfhaus: Erdbeeren aus Schladen.
Das Ziel: Über die Selbsthilfegruppe Fibromyalgie Goslar informieren.
Das Ziel: Über die Selbsthilfegruppe Fibromyalgie Goslar informieren.
Die Streckenbilanz der Tour.
Die Streckenbilanz der Tour.

Endlich ist sie gestartet, die erste Radfahraktion für die Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe in Goslar. Mit einer kleinen Nervosität im Magen habe ich mich am Pfingstsonntag (09.06.2019) nach einem ausgiebigen Kraftfrühstück aufs Rad gesetzt und bin um 10.02 Uhr in Barbis losgefahren.

Bevor es aber so richtig losgehen konnte, musste ich mir zunächst noch das Infomaterial der Gruppe und die allgemeinen Informationen kopieren lassen. Die Rezeptionistin vom Mühl Vital Resort, welche ich auch persönlich kenne, war so hilfsbereit und hat mir mein gewünschtes Material kopiert. Nach einem kleinen Plausch und einer kleinen Spende eines Hotelgastes ging es weiter in Richtung Braunlage.

An der Odertalsperre habe ich noch Urlaubern geholfen, den richtigen Weg zum Oderteich bei Sonnenberg zu finden. Nach einer recht kurvenreichen Strecke kam die „Odertaler Sägemühle“, welche auch den ersten Stopp der Aktion darstellte. Jagoda Fischer, Besitzerin des Lokals, empfing mich gleich mit offenen Armen und reagierte sehr rücksichtsvoll auf die geplante Aktion. Auch ihr Ehemann war sehr angetan und bot mir sogar ein Gratisgetränk an, eine Geste, die nicht selbstverständlich ist. Wir kamen ein wenig ins Plaudern, ehe ich gestärkt die Tour in Richtung Braunlage fortsetzen konnte.

 

Kette rausgesprungen

Eigentlich total gut im Zeitplan kam ich dann in Braunlage an, um dort meine Aktion weiter fortzusetzen. Doch ehe ich dies machen konnte, musste ich erst einmal irgendwie meine Kette reparieren, welche mitten in Braunlage herausgesprungen war. Nach einer ganzen Weile hatte ich es dann und ich wollte ein bestimmtes Hotel suchen, um dort auf die Krankheit und die Selbsthilfegruppe aufmerksam zu machen. Doch ich fand es leider nicht so schnell, weshalb ich dann einem anderen Hotel in Braunlage ein paar Informationen dagelassen habe.

Nachdem der Zeitdruck gestiegen war, musste ich mich in Richtung Elend und Schierke begeben. Auf diesem Teil der Strecke sah man nicht so viele Leute und er war recht entspannt zu fahren. Im Anschluss folgte das spannendste Stück der Tour.

 

Kleinbetriebe herzlicher als die Hotspots

Auf meiner Tour durch den Oberharz habe ich leider nicht nur positive Resonanzen sammeln können. Als ich bei einem Campingplatz nach einer Auslage meines Materials gefragt hatte, kam ich an meine Grenzen: Es war nicht ein Gefühl der Wertschätzung, das ich auf die Erklärung der Fibromyalgie-Erkrankung erfuhr, sondern eher der Belustigung. Eine Antwort lautete: „Wenn Sie hier nicht campen möchten, werden wir auch nicht spenden oder Infomaterial auslegen.“

Eine nicht ganz so schlimme Bilanz, aber trotzdem keine erfreuliche, bekam ich auch auf Torfhaus zu spüren. Dazu aber später mehr.

 

Starker Anstieg zum Brocken

Nun hieß es erst einmal, die komplette Energie in die Beinkraft zu stecken und sich auf den Anstieg zu konzentrieren. Ganze acht Kilometer ging es bergauf zum Brocken, doch für mich kein Problem mehr, da ich die Strecke schon mehrmals gefahren bin. Doch bereitete mir das Wetter ein wenig Sorge, da es langsam begann zu donnern. Oben angekommen war das aber zum Glück schon wieder vergessen.

Ich ging wie gewohnt meiner Tätigkeit nach, Material in öffentlichen Gebäuden zu verteilen. Auf dem Plan standen das Brockenhaus, der Brockenwirt und das Café im Brockenhotel. Ich habe das Material ausgelegt und hatte noch nette Gespräche mit den Bedienungen auf dem Gipfel. Ich war nach dem Brocken-Ausflug wieder guter Dinge, da meine Mappe mit den Materialien langsam leerer wurde. Und so konnte es Richtung Torfhaus gehen.

Dort allerdings durfte ich an einer Stelle erneut mein Material nicht auslegen, doch im Halali war ich erfolgreich und konnte auch einen Mitarbeiter kurz informieren.

 

Süße Verführung auf Torfhaus

Ein Streckenhighlight sollte folgen. Langsam bekam ich ein wenig Hunger – in diesem Moment kam Robert Vorlop und bot mir eine Erdbeere an, welche ich probieren sollte. Es war eine der besten Erdbeeren, die ich je gegessen habe, sehr süß und fruchtig. Auch mit ihm kam ich über die Fibromyalgie ins Gespräch. Und er erzählte mir, dass es auch mit seinem neuen Stand auf Torfhaus sehr schwierig sei. Er verkauft „Erdbeeren aus Schladen“.

Nach einer Stärkung ging es dann Richtung Sankt Andreasberg, um Margarethe Thale vom Rehberger Grabenhaus zu besuchen. Sie ist selber Fibromyalgie-Patientin, wodurch mein Material herzlich willkommen war. Sie selber wusste nicht einmal, dass es eine Selbsthilfegruppe in Goslar gibt.

Nach diesem Treffen ging es dann so langsam in Richtung Bad Lauterberg zurück.

 

Anerkennung der Betroffenen ist mehr wert als jeder Verdienst

Noch am gleichen Abend gab es die ersten Reaktionen auf meine Aktion, nachdem ich die ersten Bilder bei Facebook gepostet hatte.

Worte wie „Respekt“ oder „Ich ziehe den Hut“ ermutigen einen und geben die Bestätigung, dass man alles richtig gemacht hat. Es ist so viel wert und so schön anzusehen, wie sich die Menschen über so eine kleine Geste freuen können. Genau das schätze ich auch an Carmen Redel – die Einsatzbereitschaft trotz ihrer Schmerzen. Auch sie musste bereits erfahren, dass unsere Welt oftmals egoistisch geworden ist und die Fibromyalgie immer noch sehr wenig Beachtung in unserer Gesellschaft findet. Ich finde es so toll, dass sie nicht aufgibt und sogar sagt: „Ich versuche mit der Krankheit zu wachsen und mich mit ihr auseinanderzusetzen.“

 

Aktive Spenden bisher noch Zukunftsmusik

Bei dieser Fahrt kam es zunächst darauf an, die Krankheit mehr ins Bewusstsein der Menschen zu rufen und auf die Selbsthilfegruppe aufmerksam zu machen. Dies ist mir zum gewissen Teil gelungen, aber mache ich mir nichts vor: Es ist noch ordentlich Luft nach oben, was mediale Präsenz und vor allem aktive Spender betrifft. Ich habe mir bereits auf der Rücktour darüber Gedanken gemacht, wie man das Konzept eventuell erweitern könnte.

Zunächst würde ich gerne einen Aufruf an ALLE Sponsoren aus der Gegend starten, die diesen Artikel lesen. Wer diese Aktion gerne unterstützen möchte, kann sich per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bei mir melden oder direkt der Gruppe etwas spenden (mehr zur Selbsthilfegruppe Fibromyalgie Goslar unter diesem externen Link).

Ich kann mir auch vorstellen, etwas aus meinen Radtouren zu produzieren, zum Beispiel einen Bildband oder eine Filmreportage über den Harz zu bestimmten Gegebenheiten und mit vielfältigen Geschichten. Für einen Film könnte man zum Beispiel Eintrittsgelder nehmen, welche dann der Selbsthilfegruppe zu Gute kommen. Für so etwas bräuchte ich dann unter anderem die Unterstützung der regionalen Kinos, Foto- oder Zeitschriftenläden. Bitte melden Sie sich unter der angegebenen Mailadresse.

Auch nach der Radtour habe ich noch mit ein paar Leuten gesprochen. „Wenn jeder nur einen Euro spenden würde, käme schon was zusammen.“ Ein Zitat von Ingeborg Lindenberg, welches es zum Abschluss noch einmal ganz gut zusammenfasst. Denn leider wird es immer eine Menschenseele geben, der es nicht so gut geht, wie es eigentlich sein sollte. Und es gibt so viel Armut in der Welt. Doch gemeinsam kann man viel erreichen.


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