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Dienstag, 07. Dezember 2021
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Geschrieben von Tom Zinram am 28. Juni 2019
Aktuell

Abitur bestanden!

Für Tom Zinram sind 12 Jahre Schule zu Ende – eine ganz persönliche Rückschau

Geschafft: Tom Zinram genießt den ersten Moment nach der Nachricht „Abitur bestanden“. (Fotos: privat)
Geschafft: Tom Zinram genießt den ersten Moment nach der Nachricht „Abitur bestanden“. (Fotos: privat)
Impressionen aus dem Schulleben: Das Hauptgebäude der KGS Bad Lauterberg...
Impressionen aus dem Schulleben: Das Hauptgebäude der KGS Bad Lauterberg...
...der Erweiterte Sekundarabschluss I...
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...Horror mit Mathe und Chemie...
...Horror mit Mathe und Chemie...
...dicke Packen Schulbücher...
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...erster Platz beim Halbmarathon der männlichen Jugend bei einem Schulausflug im April 2018...
...erster Platz beim Halbmarathon der männlichen Jugend bei einem Schulausflug im April 2018...
...in einer Freistunde...
...in einer Freistunde...
...von denen es auch an der KGS so einige gibt.
...von denen es auch an der KGS so einige gibt.

Nun ist es endlich soweit, nach 12 Jahren Warten, Bangen und Fiebern auf den großen Moment! Endlich, nach 12 Jahren, haben über 30 Schüler in Bad Lauterberg das Recht, sich als Abiturienten zu bezeichnen. Der Moment, in dem man endlich sein Abschlusszeugnis in der Hand hält mit dem Begriff „Allgemeine Hochschulreife“, in dem man merkt, dass man doch einiges richtig gemacht hat. Eltern, Großeltern und Freunde sind bereits jetzt gespannt, was die Zeit nach dem Abitur bringen mag. Folgt ein Studium, FSJ oder doch eine Ausbildung? Egal, was es auch sein wird, ein wichtiger Lebensabschnitt für die Abschlussschüler aus Bad Lauterberg ist getan.

Vielleicht eignet sich dieser Zeitpunkt, einmal nicht nur nach vorne zu schauen, sondern auch mal einen gewagten Blick in die Vergangenheit zu werfen, was die Schulzeit einem eigentlich so gebracht hat. Vielleicht einfach mal danken oder auch nur eine Bilanz ziehen. Schließlich war es kein Tagesprojekt, sein Abitur solide zu meistern. Es steckte doch so viel mehr als eine schlaflose Nacht und wenig Freizeit drin. Ich, Tom Zinram, selbst Schüler der KGS Bad Lauterberg, möchte allen da draußen mal einen kleinen Einblick in die vergangen Schuljahre geben, da ja oft behauptet wird, dass das Abitur und die Schulzeit viel zu einfach seien.

 

Grundschule oft ohne Plan durchlebt

In der Grundschule weiß man oft noch nicht, was man eigentlich so wirklich möchte. Wenn man nach seinen Beruf gefragt wird, kommt da häufig sowas wie „Feuerwehrmann“ oder „Pilot“. Über verschiedene Anforderungen kann man sich als Kind noch kein klares Bild machen. Man lernt erst einmal Lesen und Schreiben sowie Rechnen, was mir in der Grundschule schon immer schwer gefallen ist. Besonders die Rechtschreibung war mein größter Feind und ich wollte so wenig Zeit wie möglich in die Schule investieren. Ich hatte meinen eigenen Kopf und meine eigenen Gesetze, so wie es bei vielen Kindern in jenem Alter der Fall ist. Trotzdem kann man sehr dankbar sein, dass man irgendwie doch immer wieder auf den geraden Weg gebracht wurde, um die Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

 

Haupt-, Realschule oder doch Gymnasium?

Haupt-, Realschule oder doch Gymnasium? Meistens stellt diese eine wichtige Entscheidung schon die Weichen für den weiteren Bildungsweg. Dabei kam es nicht selten vor, dass Freundschaften auseinandergerissen wurden und ein Fremdheitsgefühl hochkam. Neue Fächer und neue Lehrer standen auf der Tagesordnung. Ein Gefühl von Wertschätzung und Anerkennung muss sich erst einmal hart erkämpft werden. Niemand kennt zu Beginn deine Stärken, Schwächen und Besonderheiten. Das Gefühl, das erste Mal die KGS zu betreten, als neuer Realschüler, war sehr unheimlich und sich an den neuen Stundenplan zu gewöhnen, stellte sich zunächst als unmöglich heraus. So geht es allerdings Tausend anderen Schülern auch. Jetzt hieß es erst einmal pauken, um die nächsten Jahre zu überstehen. Neue Freundschaften entwickelten sich und aus den schüchternen Schülern wurden mehr und mehr gestandene Leute mit eigenem Charakter und Charisma. Das erste Mal im Leben richtige Aufsätze zu schreiben oder etwas mit Prozenten zu berechnen, ist nicht jedermanns Sache.

Doch auch neben der Schule veränderte sich unter anderem bei mir so einiges. Oftmals kommt der erste kleine Nebenjob dazu und auch die Hausaufgaben werden stetig mehr und anspruchsvoller. Es wird immer mehr darauf Wert gelegt, dass die Schulaufgaben schnell und Gewissenhaft erledigt werden. Eine wichtige Einheit im deutschen Schulsystem ist das Fach Arbeitswirtschaft und die Praktika sowie das Verfassen von Bewerbungen im Deutschunterricht. Man lernte die unterschiedlichsten Berufe kennen und deren möglichen Risiken und Nutzen. Andere Fächer wiederum wurden mit der Zeit – zumindest für mich – eine reine Qual. Mathe gehörte schon immer zu den Speziellen und ich konnte es auch bis heute noch nicht lieb gewinnen. Von diesen Fächern hängt am Ende der Erweiterte Sekundarabschluss I ab, welcher dazu berechtigt, sein Abitur nachzumachen. Mit Hängen und Würgen habe ich dann den Abschluss bekommen, um meinem Traum des Abiturs etwas näher zu kommen. Es sah, ehrlich gesagt, nicht so rosig aus, da nur die wenigsten glaubten, dass auch frühere Realschüler in der Lage sein können, ein Abitur abzulegen.

 

Auf dem Gymnasium weht ein völlig anderer Wind

Der Wechsel von der Realschule aufs Gymnasium zeigte, wie schwer der Sprung doch manchmal sein kann: Nun wehte noch mal ein völlig anderer Wind. In Mathe ging es nicht einfach nur darum, sich zurückzulehnen, sondern Ehrgeiz und Fleiß wurde lieber gesehen, um gute Noten zu bekommen. Alle sind nur noch am Lernen, um sich auf die spätere Oberstufe zu konzentrieren. Perfekte Leistungen zu erzielen, war für mich beinahe unmöglich. Vor allem in Englisch und Mathe kam ich sehr nah an meine Grenzen und haute auch nicht selten mal eine Fünf in die Arbeit hinein. Heute kann ich aber darüber lachen.

Auch an die neuen Lehrer musste man sich erst einmal gewöhnen, man versuchte, sich in den hintersten Reihen zu platzieren, um nicht zu sehr aufzufallen. Jeder machte sich darüber Gedanken: „Wie wird wohl die Oberstufe laufen oder werden meine Leistungen überhaupt ausreichen?“. Nun kam auch noch für die früheren Realschüler eine weitere Fremdsprache hinzu. Man benötigte neue Strukturen zum Lernen und Verstehen.

 

Oberstufe teilweise der absolute Horror

Die Schüler, darunter auch ich, mussten nun versuchen, alles zusammenzukneifen und durchzuhalten. Durch ein zum Glück gut aufgebautes Selbstbewusstsein konnte ich nun versuchen, es mündlich rauszuhauen und ein paar Punkte zu gewinnen. Eine Strategie, die viele meiner Klassenkameraden verfolgten – und dies mit Erfolg.

Doch die Oberstufe war teilweise auch der absolute Horror: Facharbeiten schreiben, stundenlang für Klausuren lernen und dann auch noch Referate und andere Aktionen. Alles nur, um am Ende sagen zu können: „Jetzt habe ich Abitur.“ Lohnen sich die Strapazen überhaupt? Klar, kam ich vor allem am Ende der Klasse 11 regelrecht ins Zweifeln. In wie vielen Nächten hat man wach gelegen, um sich der Frage zu widmen: „Macht das alles noch einen Sinn?“ Ich habe versucht durchzuhalten, von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde, von Minute zu Minute – manchmal auch von Sekunde zu Sekunde, wenn man auf den Abschlussgong wartete. Wie oft saß man in der Biostunde und hat mal wieder nichts verstanden. Citrat- oder Calvin-Zyklus – was war da denn noch mal der Unterschied? Und hört mir doch gleich auf mit quellenkritischen Einleitungen...

Es war eine Zeit, die mich in der Schulphase am meisten geprägt hat. Es haben sich so viele Veränderungen durchgezogen. Ich fand einen Ausgleich im sportlichen Bereich, welcher sogar jetzt schon anderen Menschen zu Gute kommt. Auch wenn ich mich oft über den einen oder anderen Lehrer geärgert habe und auch ihretwegen still und heimlich weinen musste, bin ich trotzdem für jeden einzelnen Moment sehr dankbar. Auch wenn ich ECHT froh bin, dass dieser Abschnitt langsam aber sicher sein Ende findet, ist mir jeder emotionale Moment in Erinnerung geblieben, denn neben der Theorie konnte man sehr viele praktische Erfahrungen mitnehmen. Ein Besuch in Auschwitz oder auch sportliche Erlebnisse gehörten dazu. Ich möchte danken für eine sehr intensive Zeit und sehr viele neue Lebenserfahrungen.

Doch eins kann ich immer noch nicht verstehen, selbst nach 13 Jahren nicht: Wie kann man sich, bitte, so hart für Mathematik interessieren, dass man dieses Fach studiert und dann auch noch unterrichtet? Wirklich einen großen Respekt an diese Menschen.

 

„Nur“ ein Schnitt von 2,8 – was nun?

Seit Mittwoch ist es offiziell. Ich habe mein Abitur im Jahr 2019 mit 2,8 bestanden. Das steht, ist festgenagelt und so zäh wie Beton! Daran gibt es nichts mehr zu rütteln. Die Zeiten der Ungewissheit haben nun ein Ende. Vor drei Monaten hätte ich es bei den Prüfungen noch ändern können. Aber so ein Brett vor dem Kopf, wenn es um Nathan geht oder das deutsch-polnische Verhältnis, kann einen dann doch ganz schön quälen. Bei den mündlichen Prüfungen war es ähnlich. Aber ganz ehrlich, es ist in meinen Augen ein recht guter Schnitt, mit dem man zwar nicht gleich einen Top-Studienplatz bekommt, allerdings auch nicht auf dem Abstellgleis steht. In ein paar Jahren redet keiner mehr über den Abischnitt und es interessiert niemanden, ob du nun 1,2 oder 2,8 oder gar 3,3 auf dem Zeugnis stehen hast. Man sollte es einfach so hinnehmen, wie es nun ist.

 

Sollte man sich vom Abitur abhalten lassen?

Sollte man sich vom Abitur abhalten lassen? Nein! Auf keinen Fall! Wenn man es unbedingt möchte, sollte man es unbedingt probieren. Ich kann es nur empfehlen, auch wenn ich es zwischendrin auch ab und zu bereut habe. Man muss zwar wissen, auf was man sich einlässt, allerdings: Wenn man genügend Ehrgeiz aufweist, könnte es für Viele klappen mit dem Abitur.

Ich kann nur sagen: Probiert es aus, um eure eigenen Erfahrungen zu machen. Vor zehn Jahren hätte es mir auch niemand zugetraut und nun bekomme ich heute mein Abschlusszeugnis ausgehändigt. Am Abend findet der Abschlussball an der KGS statt.


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