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Samstag, 17. August 2019
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Geschrieben von Karl-Heinz Wolter am 11. August 2019
Aktuell

Von der Stadtwerdung Bad Lauterbergs und den Spitz- und Spottnamen

Beim Stammtisch für Heimatgeschichte gab es viel über Bad Lauterberg und seine alteingesessenen Bewohner zu erfahren

Gudrum Teyke mit Eike Röger (mit dem Foto des Opas)
Gudrum Teyke mit Eike Röger (mit dem Foto des Opas)
Heinrich Röger, einer der Befürworter und damaliger Bürgervorsteherworthalter.
Heinrich Röger, einer der Befürworter und damaliger Bürgervorsteherworthalter.

Am Mittwoch, den 07.08.2019, trafen sich wieder Mitglieder des Vereins für Heimatgeschichte zu einem weiteren Stammtisch, der regelmäßig abgehalten wird. Die beiden Themen des Treffens waren erstens  "Vom Flecken zur Stadt vor 90 Jahren" und zweitens "Spitznamen in Bad Lauterberg".Gudrun Teyke konnte zahlreiche Interessenten in der Gaststätte Goldene Aue begrüßen; ihr zur Seite stand Eike Röger.

Teyke beschrieb die Abläufe der Stadtwerdung des damaligen Fleckens Bad Lauterberg. Demnach sollte zum 01.01.1930 ein neues Gesetz in Kraft treten, in dem festgeschrieben wurde, dass nur noch Orten ab 10 000 Einwohnern diese Rechte erteilt werden dürfen. Eine letzte Möglichkeit war die Beantragung der Stadtrechte bis zum 31.12.1929. Daraufhin entstand bereits ab dem Februar 1929 eine Debatte über das Für und Wider zu diesem Thema in der Öffentlichkeit und in dem Fleckenskollegium, dem heutigen Rat. Auch in der Zeitung wurde immer wieder über das Thema berichtet. Die damalige Frage lautete zunächst: Flecken oder Stadt? Korrigiert hieß es dann aber: Dorf oder Stadt. Da auch die Nachbargemeinde Herzberg die Stadtrechte beantragt hatte, befürchtete der damalige Landrat durch die deutliche Verkleinerung des Landkreises eine eventuelle Auflösung dessen bei einer Verwaltungsreform.

Wasserwerk, E-Werk und Sparkasse: das brauchte man für die Stadtwerdung

Der Landrat sprach sich somit gegen die Stadtwerdung aus und führte als Hauptargument an, dass eine Stadt dann selbst für die Polizei aufkommen müsse und bezifferte die Zusatzkosten dafür mit ca. 38 000 Reichsmark. Da Bad Lauterberg bereits weitere wichtige Voraussetzungen für die Stadtwerdung wie ein Wasserwerk, ein E-Werk und eine Sparkasse erfüllt hatte und zudem die vermeintlichen Mehrkosten für eine eigene Polizei auf einmal nur noch mit ca. 7000 RM beziffert wurden, für die es auch noch Zuschüsse gäbe, setzten sich mehr und mehr die Befürworter der Stadtwerdung durch, was in einer Probeabstimmung deutlich wurde. Auch der damalige Verkehrsverein sprach sich dafür aus.

In einer Sitzung referierte der damalige Bürgervorsteherworthalter Heinrich Röger, Großvater des oben benannten Eike Röger, zum Thema Stadtwerdung. Er führte dabei weiter aus, dass durch die neue Verordnung auch etliche Sonderrechte und Privilegien der ehemaligen Bergbaustädte entfallen würden. Auch widersprach er der Behauptung des Landrates, dass es sich hier nur um die Umsetzung der Pläne eines  besonders ehrgeizigen Bürgermeisters aus Bad Lauterberg handele. Sein Zitat von damals: "Stadtwerden ist Fortschritt - Dorfwerden ist Rückschritt". Am 08.Oktober 1929 ist dann in Bad Lauterberg beim damaligen Bürgermeister Stauf ein Anruf vom Oberpräsidium Hannover eingegangen, in dem ein sofortiger Beschluss über die Stadtwerdung erforderlich sei.

Sondersitzung wurde einberufen

Daher wurden durch Boten die Mitglieder des Kollegiums zu einer Sondersitzung mit verkürzter Ladungsfrist eingeladen, diese wurde am gleichen Tage abgehalten. In der nichtöffentlichen Sitzung stimmten die 10 Mitglieder mit deutlicher Mehrheit dem Antrag zu, die Stadtrechte für Bad Lauterberg zu beantragen. Und somit wurden Bad Lauterberg die Stadtrechte durch das Preußische Staatsministerium am 25. Oktober 1929 zuerkannt.

Spitz- und Beinamen zwecks Unterscheidung

Das zweite Thema des Abends waren die Spitznamen in der Stadt.  Gudrun Teyke hatte eine Liste mitgebracht, die ca. 350 Namen von Bad Lauterbeger Einwohnern mit den dazugehörenden Spitz-oder Beinamen versehen waren. Wenn auch ein Bezug der Spitznamen zu irgendwelchen Begebenheiten in damaliger Zeit zu dessen Entstehung beigetragen haben könnte, so dienten diese aber hauptsächlich der Unterscheidung und der Erkennung und nicht als Spottname. Und so ergab sich bei dem Vortrag eine lebhafte Diskussion mit witzigen Anmerkungen zu den Spitznamen, da etliche Besucher des Stammtisches noch Familienmitglieder oder Nachkommen derer kannten oder kennen. Unter den Besuchern befanden sich sogar direkte Nachfolger.

Einige der Spitznamen haben sich bis heute erhalten und werden mitunter auch noch benutzt. Andere Spitznamen  hingegen konnten in keiner Weise gedeutet oder erklärt werden. Als kleinen Auszug hier nun einige der Spitznamen, die genannt wurden: Der Altdeutsche; der Kanonenfahrer; der Pate; Onassis; Sokrates, der Luffentramper; Kleiner Riese; Kinkerlitzchen; Pfannenflicker; der Trapper; Struwel; der Baron. Und so vergingen die zwei Stunden "wie im Fluge" und alle Beteiligten verlebten einen interessanten und amüsanten Abend im Kreise des Vereins für Heimatgeschichte Bad Lauterberg.
 


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