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Dienstag, 12. November 2019
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Geschrieben von Svenja Friedrich am 06. November 2019
Aktuell

Plötzlicher Herztod: Wie kann ich mich davor schützen?

Die Herzwoche lockte auch diesmal wieder zahlreiche Zuhörer in die Kirchberg-Klinik

Vor und nach den Vorträgen konnten sich die Zuhörer einem Herzrhythmus-Test unterziehen
Vor und nach den Vorträgen konnten sich die Zuhörer einem Herzrhythmus-Test unterziehen
Der vollbesetzte Saal während des Vortrags von Dr. Knoglinger
Der vollbesetzte Saal während des Vortrags von Dr. Knoglinger

Das Thema der Herzwoche, wie immer veranstaltet von der Deutschen Herzstiftung, war in diesem Jahr der plötzliche Herztod. Zu seinen Ursachen und wie man im Notfall Betroffenen helfen kann, referierten am Mittwochabend (05.11.2019) Dr. Ernst Knoglinger, Dr. Barbara Bialucha-Nebel, Daniel Schwarz und Dr. Karsten Gericke.

Es kann jeden treffen

Dr. Knoglinger, Kardiologe und ärztlicher Direktor der Kirchberg-Klinik, informierte das Publikum zunächst zur Symptomatik und erläuterte, welche Personengruppen besonders gefährdet sind. Der plötzliche Herztod ereilt in Deutschland jedes Jahr ca. 65.000 Menschen. Oft tritt er ohne warnende Vorzeichen bei bis dato scheinbar gesunden Menschen auf, so dass schnelles Handeln höchste Priorität hat, um dem Patienten das Leben zu retten. Da nach einem Herzstillstand nur wenige Sekunden bis Minuten bleiben, bis das Gehirn bleibende Schäden davonträgt oder der Patient schlimmstenfalls stirbt, sollte jeder wissen, was in so einer Situation zu tun ist.

Häufigste Ursache des plötzlichen Herztodes ist das Kammerflimmern, eine Herzrhythmusstörung, bei der der Herzmuskel nicht mehr normal kontrahiert und dadurch die Pumpleistung des Herzens versagt. Besonders Patienten, die vor Kurzem einen Herzinfarkt hatten, sind hiervon bedroht. Sollten in den ersten 48 Stunden nach einem Infarkt mehr als 5 Minuten lang Beschwerden auftreten, muss daher sofort der Rettungsdienst (und nicht etwa der Hausarzt) alarmiert werden, um Schlimmeres zu verhindern.

Eine weitere Ursache des plötzlichen Herztodes ist die Herzmuskelentzündung. Viele Menschen unterschätzen die Risiken, die nach einer Erkältung oder Grippe auftreten können: Keinesfalls sollte man sich körperlich anstrengen oder gar Sport treiben, wenn der Infekt noch nicht ganz abgeklungen ist, andernfalls droht eine Herzmuskelentzündung. Junge Leistungssportler, die beispielsweise auf dem Fußballplatz „einfach tot umfallen“, sind hier ein mahnendes Beispiel.

Eine weitere Risikogruppe besteht natürlich aus den Patienten, die bereits an einer Herzschwäche, angeborenen Herzrhythmusstörungen oder auch einer Herzmuskelverdickung leiden. Diese Menschen sollten kontinuierlich medizinisch überwacht werden, etwa durch verschiedene EKG-Messungen oder auch kleine Event-Recorder, die implantiert werden und die Herzleistung aufzeichnen.

Erste Hilfe: Sich trauen und Leben retten

Im Anschluss sprachen Dr. Bialucha-Nebel, Anästhesistin und Rettungsmedizinerin, und Notfallsanitäter Daniel Schwarz darüber, wie wichtig Ersthelfer speziell bei Herzproblematiken sind. Da buchstäblich jede Sekunde zählt, muss schnellstmöglich gehandelt werden. Hat der Ersthelfer festgestellt, dass der Patient nicht mehr bei Bewusstsein ist, keine Atmung und kein Herzschlag vorhanden sind, sollte die 112 angerufen und dann sofort die Herzdruckmassage eingeleitet werden. Wer sich hierbei am Rhythmus des Disco-Klassikers „Stayin’ alive“ orientiert, hat die richtige Frequenz heraus, um dem Herzen wieder auf die Sprünge zu helfen.

Idealerweise sind gleich mehrere Ersthelfer vor Ort, so dass sich Aufgaben delegieren lassen: Eine Person verständigt den Notruf, eine widmet sich der Herzdruckmassage, eine sorgt dafür, dass der Rettungsdienst freie Bahn hat. Allzu neugierige Nachbarn etwa können dazu verdonnert werden, für ausreichende Beleuchtung zu sorgen oder störende Dekorationen im Treppenhaus aus dem Weg zu räumen. Eine Person könnte außerdem einen AED (automatisierter externer Defibrillator) besorgen, wenn sich einer in der Nähe befindet. Wo solche Geräte zu finden sind, erfährt man beispielsweise in Apps. Bei weitem das Wichtigste ist und bleibt aber die Herzdruckmassage.

Niemand sollte sich davor scheuen, in solchen Momenten zur Tat zu schreiten. Gerade bei der Herzdruckmassage müssen sich viele Menschen überwinden - aus Angst, dem Betroffenen eine Rippe zu brechen oder dergleichen. Aber wer sich nach einer erfolgreichen Wiederbelebung über eine gebrochene Rippe beklagt, dem ist die Dramatik der Situation wohl nicht bewusst.

Wie wichtig die schnelle Erste Hilfe ist, verdeutlichte auch der Bericht eines anwesenden Patienten, der einen Herzstillstand überlebte, den er makabererweise während einer Beerdigung erlitt. Dank eines ebenfalls dort anwesenden Arztes, der das Problem schnell erkannte, und des Rettungsdienstes, der innerhalb weniger Minuten vor Ort war, ist der Mann noch am Leben.

Vorbeugende Maßnahmen für Risikopatienten

Abschließend informierte Kardiologe Dr. Karsten Gericke über verschiedene Therapieoptionen bei Herzrhythmusstörungen. Gute Ergebnisse liefert etwa die Katheterablation, bei der zum Beispiel mittels Kälte oder Laser die Störzellen entfernt werden, die Probleme auslösen können. Ein implantierbarer Defibrillator ist besonders für Patienten, die bereits einmal Herzrhythmusstörungen überlebt haben, gut geeignet. Das Gerät registriert die Herzimpulse und gibt, wenn nötig, über kleine Elektroden Stromstöße ab, die das zu schnell schlagende Herz vor einem Kammerflimmern bewahren. Vorübergehenden Schutz ohne chirurgischen Eingriff, etwa bei einer Herzmuskelentzündung, bietet eine Weste mit integriertem Defibrillator.


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