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Dienstag, 29. September 2020
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Geschrieben von ski am 06. August 2020
Aktuell

Der Kolonialherr am Ententeich

Die Sicht auf Hermann von Wissmann hat sich geändert - sein Denkmal bleibt erhalten

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Das Wissmann-Denkmal am Teich im Bad Lauterberger Kurpark soll eine neue Tafel erhalten, die kritisch und sachlich über das Wirken des ehemaligen Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika informiert. Das hat der Bad Lauterberger Rat einstimmig beschlossen, nachdem das Thema in überregionalen Medien aufgekommen war. Angefangen hatte das Ganze mit einem ganz kurzen Beitrag in der Tageszeitung taz im Juni 2020, die vier deutsche Denkmäler nannte, die nach Meinung der Autoren verschwinden sollten - neben dem berühmten Völkerschlachtdenkmal in Leipzig war auch die eher wenig bekannte Statue im Kurpark der Kneippstadt darunter. "Lange wurde er als Held gefeiert, dabei trieb er die Kolonialisierung brutal voran", heißt es zur Begründung. Verschiedene Medien hatten das Thema dann aufgegriffen.

Wissmann sollte dem Kurort Glanz verleihen

Doch die Forderung nach einer Abschaffung des Denkmals ist kein ganz neues Phänomen: "Das Thema kommt alle paar Jahre mal auf", sagt Bürgermeister Dr. Thomas Gans. Bereits seit einigen Jahren hat das Bad Lauterberger Heimatmuseum darum eine Dauerausstellung, die sich mit Wissmanns Leben und Wirken auseinandersetzt. Dabei ist Hermann von Wissmann weder in Bad Lauterberg geboren noch gestorben. Da seine Mutter hier wohnte, hat er jedoch häufig hier Heimaturlaub gemacht und dadurch dem Kurort etwas Glanz und Glamour verliehen.

3,20 Meter hoch ist die Bronzefigur mit dem Tropenhelm, die mit einer Karte und einem Säbel in der Hand in Entdeckerpose über den Ententeich im Kurpark blickt. „Er kämpfte erfolgreich gegen den Sklavenhandel und für die Freiheit der Unterdrückten“, verkündet die Inschrift. So glühend wurde der Reichskommissar für Deutsch-Ostafrika früher verehrt - zeitgenössische Biografien bezeichneten ihn gar als "Deutschlands größten Afrikaner". Heute zeichnen Historiker ein deutlich weniger glorifiziertes Bild, zu welchem auch das brutale Vorantreiben der Kolonialisierung Afrikas gehört. Dabei ließ er Historikern zufolge eroberte Dörfer plündern, in Brand stecken und die Felder verwüsten. Aufstände der Einheimischen ließ er grausam niederschlagen und dabei viele Menschen exekutieren.

Kritische Auseinandersetzung mit dem Thema

Durch die neue Informationstafel soll die Bronzefigur zu einer kritischen Auseinandersetzung anregen: "Ein Denkmal muss ja kein Ehrenmal sein - es kann auch als Mahnmal und zum Nachdenken dienen", so Bürgermeister Gans. Der Text soll von Helmut Lüder, dem ehemaligen Leiter des Stadtarchivs, entworfen werden, der sich schon lange intensiv mit Hermann von Wissmann beschäftigt hat. Nach Ansicht von Kritikern genügt allerdings nicht. So fordern etwa die Lokalgruppe Harz der Organisation Seebrücke und der Verein Spurensuche e.V., ein zusätzliches Mahnmal für die gefolterten und getöteten Afrikaner aufzustellen und die Wissmann-Straße umzubenennen.

Einen weiteren Beitrag über Hermann von Wissmann, geschrieben von Manfred Neuber, haben wir hier bereits im April veröffentlicht.


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