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Freitag, 25. September 2020
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Geschrieben von Christian Dolle am 04. Juni 2015
Aktuell

Experimentierstunde des Autors am lebenden Objekt

Roland Lange las in Bad Lauterberg aus seinem neuen Harzkrimi „Der letzte Sprung“

Premierenlesung aus Roland Langes neuem Harzkrimi
Premierenlesung aus Roland Langes neuem Harzkrimi
Katja Füldner, Roland Lange und Marie-Theres Morich
Katja Füldner, Roland Lange und Marie-Theres Morich
Christian Dolle beim Interview mit dem Autor und den beiden szenekundigen Expertinnen. Foto: Hans-J. Oschmann
Christian Dolle beim Interview mit dem Autor und den beiden szenekundigen Expertinnen. Foto: Hans-J. Oschmann
Premierenlesung: im Vital Resort Mühl erlebten die Zuhörer eine "Experimentierstunde" des Autors
Premierenlesung: im Vital Resort Mühl erlebten die Zuhörer eine "Experimentierstunde" des Autors

Er sei der Autor, mit dem der Boom der Harz Krimis begonnen habe, stellt Susanne Kinne Roland Lange bei der Lesung aus seinem neuen Buch „Der letzte Sprung“ am Freitag im Mühl Vital Resort vollmundig vor. Damit könnte sie Recht haben, auch für mich war er der erste regionale Autor, den ich gelesen habe. Darum habe ich auch nicht gezögert als sie mich bat, als Rahmenprogramm zur Lesung ein Interview mit ihm zu führen.

Mittlerweile ist Rolands fünfter Krimi erschienen, der diesmal im Umfeld des Burgturniers in Nörten-Hardenberg spielt. Ursprünglich sollte er ganz groß im Rahmen des Turniers vorgestellt werden, erläutert Roland, doch als dann dort ein Reiter an einem Herzinfarkt verstarb, wurde die Präsentation abgesagt. „Auch wenn mein Buch nichts damit zu tun hat, wäre es doch pietätlos gewesen“, erläutert Roland seinen Zuhörern. Ehrlich gesagt, bin ich froh, dass er den tragischen Todesfall erwähnt. In meiner Vorbereitung auf das Interview, das ja eigentlich auflockern soll, hatte ich mich lange gefragt, ob und wie ich das Thema anspreche. Jetzt nimmt er mir die Entscheidung durch ein paar angemessene und gut gewählte Worte ab.
„Somit kommen Sie jetzt in den Genuss einer Premierenlesung“, fährt er fort, „und die ist immer eine Experimentierstunde des Autors am lebenden Objekt, also in diesem Fall an Ihnen.“ So experimentell ist es allerdings gar nicht, mit dem ersten Kapitel des Buches anzufangen, zumal das auch noch ein äußerst gelungener Einstieg in einen Krimi ist. Ein Mann wacht mitten in der Nacht auf, stellt fest, dass es ein Feuer im Pferdestall war, das ihn weckte und rennt los, um die Tiere zu retten. Da war auch ich von der ersten Seite an gefesselt.

Danach verrät er ein bisschen, wie die Geschichte sich entwickelt, stellt seine Figuren vor und liest dann jene Szene, in der sein Kommissar Ingo Behrends im Schwarzen Bären in Förste mit einem Mechaniker über die Möglichkeit der Manipulation an der Elektronik eines Autos diskutiert. Schließlich untersuchen seine Ermittler zu Beginn einen seltsamen Autounfall und kommen bald auf diese absurd klingende Vermutung. „Es ist schon ein bisschen Fiktion, doch theoretisch ist es möglich, ein Auto von außen zu kontrollieren“, erläutert Roland.

Mir wird bewusst, dass ich weder von Pferden und Springreiten, noch von Autos und Computerviren wirklich Ahnung habe. Auf was habe ich mich da eigentlich eingelassen? Zumal Susanne mir nach meiner Zusage für das Interview eröffnete, sie lade auch noch zwei Springreiterinnen ein, damit ich nicht ausschließlich Roland als Gesprächspartner habe. Super. Zum Glück habe ich Marie-Theres Morich und Katja Füldner aber fünf Minuten vor der Veranstaltung kennengelernt und zumindest schon festgestellt, dass beide äußerst sympathisch und aufgeschlossen sind. Bleibt also nur zu hoffen, dass sie sich auch auf meine Fragen einlassen.

Nachdem Roland den Springreiter Clément als weitere Hauptfigur vorgestellt und in einer weiteren gelesenen Szene als Behrends' Antagonist präsentiert hat, leitet er die Pause ein. Es gibt Canapés, die echt lecker aussehen, doch essen kann ich gerade nichts. Nach der Pause wird es ernst. Meine erste Frage geht an Roland, der sehr anschaulich beschreibt, dass er zwar schon auf dem Rücken eines Pferdes gesessen hat, die Karriere eines Springreiters allerdings schnell für sich ausschließen musste. Danach plaudert die erst sechzehnjährige Marie-Theres vollkommen locker über das Reiten als schönstes Hobby der Welt und Katja Füldner über ihre Reitschule und die Rivalitäten in der Springreiterszene, die scheinbar proportional zum Preisgeld zunehmen.
Läuft ja richtig gut. Marie-Theres beschreibt die Faszination bei großen Turnieren wie in Nörten die Stars der Szene wie Meredith Michaels-Beerbaum zu treffen und Katja berichtet schließlich über Tierquälerei und einige mehr als grenzwertige Methoden, um noch mehr aus den Pferden herauszuholen. Kaum zu glauben, dass die beiden relativ spontan zugesagt haben. Es entwickelt sich ein richtig interessantes Gespräch. Roland erläutert, dass ihm eine glaubwürdige Geschichte zwar wichtig ist, manche Fakten jedoch zugunsten der Spannung in den Hintergrund treten. Am Ende bekommen wir Applaus, es muss wohl nicht nur für mich recht kurzweilig gewesen sein.

Roland beschreibt weitere zwielichtige Figuren und liest noch eine Szene, die während des Turniers spielt. Endlich kann auch ich mich voll darauf konzentrieren und es genießen. Verdient wird er zum Schluss zu einer Zugabe aufgefordert. In Bad Lauterberg lese er sonst immer die Szenen aus seinen Büchern, die auch in Bad Lauterberg spielen, sagt er, also will er das auch diesmal tun. Er blickt sein Publikum verheißungsvoll an und liest: „Auf der B27, hinunter zur Odertalsperre und nach Bad Lauterberg schlug es plötzlich wie ein Blitz in seinen Kopf ein.“ Dann klappt er das Buch zu, erntet herzliche Lacher und noch einmal begeisterten Applaus.

 


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