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Dienstag, 22. Oktober 2019
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Geschrieben von ski am 15. März 2018
Aktuell

Kämpfen seit den 1970ern

Der Frauen-Film-Abend fand großen Anklang

Inge Holzigel, Karin Agsten, Angelika Kiep (von links)
Inge Holzigel, Karin Agsten, Angelika Kiep (von links)

In den siebziger Jahren waren nicht nur die Kleidungsstücke und Frisuren anders: auch die Gesellschaft war es. Andererseits: vieles, für das damals gekämpft und gestritten wurde, ist heute immer noch keine Selbstverständlichkeit.

„Das war der beste Film, den wir je hatten“, findet Inge Holzigel. „Die göttliche Ordnung“ ist ein Film darüber, wie Schweizer Frauen in einem kleinen Dorf in den 1970ern für die Einführung des Frauenwahlrechts kämpfen. Genau das richtige Thema also für den diesjährigen Frauen-Film-Abend. Seit 2004 schon organisieren die Gleichstellungsbeauftragten Barbara Hindemith (Walkenried), Angelika Kiep (Herzberg) und Inge Holzigel (Bad Lauterberg) jedes Jahr diese Veranstaltung zum Weltfrauentag. Mit immer mehr Besucherinnen: inzwischen gibt es zwei Termine mit mehreren Sälen. In diesem Jahr gab es eine Neuerung: erstmals wurden zwei verschiedene Filme gezeigt. „Battle of the sexes – Gegen jede Regel“ erzählt die Geschichte der Tennisweltranglistenersten Billie Jean King, die mit Vehemenz für Gleichberechtigung kämpft, und vom "Kampf der Geschlechter" ihrem Schaukampf gegen den abgehalfterten Ex-Tennischampion Bobby Riggs im Jahr 1973. „Tatsächlich sind einige Frauen auch am zweiten Termin dagewesen, um beide Filme sehen zu können“.

Doch bei allem Interesse an den Filmen: der am Frauen-Film-Abend ist noch mehr ein gesellschaftliches als ein cineastisches Ereignis. Der vorherige Sektempfang, wo sich Frauen treffen, alte Bekanntschaften auffrischen und neue Kontakte knüpfen, ist ein fester Bestandteil der Veranstaltungen zum Weltfrauentag. Rund 500 Besucherinnen können die drei Gleichstellungsbeauftragten auch in diesem Jahr wieder verzeichnen. Ein Euro vom Eintrittspreis wird dabei an den Verein Frauen für Frauen e.V. gespendet.

Seit fast einem Jahr ist das Frauenhaus geschlossen

Dass Frauen unbedingt für ihre Interessen einstehen müssen, weil es sonst nämlich keiner tun wird, das hat für diesen Verein gerade besondere Aktualität: Im April letzten Jahres wurde nämlich vom neu fusionierten Landkreis Göttingen der Vertrag für das Frauenhaus gekündigt. Das Frauenhaus, das der Verein aus Osterode betrieb, musste schließen. Derzeit verhandelt der Verein über einen neuen Vertrag, doch die Bedingungen, die der Landkreis Göttingen auferlegt, seien unzumutbar: „Sie verlangen viel Verwaltung, wir sollen quasi wie eine Vorstufe vom Jobcenter arbeiten. Wenn es nach den Vorstellungen vom Landkreis geht, müssten wir zum Beispiel Frauen im Rentenalter und Migrantinnen abweisen. Aber das ist nicht unsere Intention“, erklärt Karin Agsten, die Vorsitzende des Vereins. Der Bedarf an einer sicheren Zufluchtsstätte für von Gewalt bedrohte Frauen und ihre Kinder ist aber nach wie vor auch im ehemaligen Landkreis Osterode vorhanden. Jetzt müssen hilfesuchende Frauen abgewiesen werden. Die nächsten Frauenhäuser befinden sich in Göttingen oder Braunschweig. Doch selbst wenn eine Frau dort einen Platz erhält: „Die Frauen wollen oft, dass die Kinder beispielsweise in der Schule bleiben können und nicht ihr gesamtes soziales Umfeld verlieren“.

Gleichstellungsbeauftragte Inge Holzigel ärgert sich über die Entscheidung des Landkreises Göttingen: „Wir haben eng mit dem Verein zusammengearbeitet. Es hieß immer, dass bestehende Vereinbarungen bei der Fusion erhalten bleiben.“  Doch seit fast einem Jahr stehen die Räumlichkeiten des Frauenhauses leer und der Verein verhandelt seitdem über neue Konditionen. Von den Frauen wurde in den vergangenen Jahrzehnten vieles erreicht, doch manches, was schon etabliert schien, wird nun wieder in Frage gestellt und es gibt immer noch Dinge, für die Frauen kämpfen müssen.


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