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Mittwoch, 12. Dezember 2018
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Geschrieben von Christian Dolle (Kirchenkreis Harzer Land) am 03. Dezember 2018
Kirchen

Dort, wo alles anfing

iChor hatte in St. Andreasberg einen besonders emotionalen Auftritt

Der iChor kam in St. Andreasberg gut an.
Der iChor kam in St. Andreasberg gut an.
Ahmad Ali Soltani berichtete, was in den drei Jahren alles passiert ist.
Ahmad Ali Soltani berichtete, was in den drei Jahren alles passiert ist.
Spürt ein „unglaubliches ehrenamtliches Engagement“: Pastor Walter Merz.
Spürt ein „unglaubliches ehrenamtliches Engagement“: Pastor Walter Merz.
Mit dem Tourbus ging es von Osterode aus los.
Mit dem Tourbus ging es von Osterode aus los.
Einsingen im Wohnzimmer.
Einsingen im Wohnzimmer.
Gemeinsam wurden Erinnerungen ausgetauscht.
Gemeinsam wurden Erinnerungen ausgetauscht.

Der iChor besteht aus jungen Menschen, die Spaß an deutscher Popmusik haben. Das Besondere an diesem Chor ist, dass die Sängerinnen und Sänger selbst gar nicht unbedingt deutsche Muttersprachler sind, sondern aus insgesamt sechs Nationen stammen und sich die Songs von Adel Tawil, Mark Foster und anderen daher erst einmal erarbeiten müssen.

Am Donnerstag (29.11.2018) war der iChor nach St. Andreasberg zum Jahresempfang der Martinikirche eingeladen. Natürlich wurde zugesagt, doch logistisch ist auch das schon eine erste kleine Hürde, da die Teilnehmer des in diesem Jahr von Dana Pruss, Silke Mursal-Dicty, Burkhard Brömme und Chorleiter André Wenauer gegründeten Chors aus dem gesamten Kirchenkreis Harzer Land kommen.

Wo vor drei Jahren in ein neues Leben begann

Für einige ging es dann also mit dem „Tourbus“ von Osterode aus los in den Oberharz, andere kamen sogar aus Duderstadt. Auf der Fahrt wurden die Songs noch einmal laut angehört, doch für diejenigen, die aus Osterode anreisten, gab es noch einen besonderen Abstecher. Dana Pruss lenkte den Bus nämlich vorbei an der Rehberg-Klinik, die für einige von ihnen damals vor drei Jahren die erste Unterkunft in Deutschland war. Gerade St. Andreasberg ist für sie daher mit besonderen Erinnerungen verbunden, mit ersten Schritten in ein neues Leben und die freundliche Aufnahme in der Erstaufnahmeeinrichtung und auch in der Kirchengemeinde.

So persönlich der Abend begonnen hatte, so ging er auch weiter, denn zum Einsingen vor dem großen Auftritt stellte Pastor Walter Merz sein Wohnzimmer zur Verfügung. Dort gab es letzte Instruktionen für den Auftritt im gut gefüllten Gemeindehaus. Ebenso wie die Geflüchteten selbst war das Jahr 2015 nämlich auch für viele Gemeindeglieder ein besonderes: Sie haben dank der Ausnahmesituation Menschen kennengelernt und von ihren Schicksalen erfahren, wie es unter anderen Umständen vermutlich nie passiert wäre.

„Flüchtlinge, das ist ein Thema, mit dem versucht wird, unsere Gesellschaft zu polarisieren“, sagte Pastor Merz in seiner Ansprache. Doch eine Zahl von 68 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, das dürfe uns nicht kalt lassen. Tut es auch nicht, denn gerade hier spüre er ein „unglaubliches ehrenamtliches Engagement“. Dieser Abend solle also auch dazu da sein, zu sehen, was aus einigen Menschen, die vor drei Jahren hier im Harzer Land ankamen, inzwischen geworden ist.

„Deutschland bedeutet für mich Sicherheit und Zukunft.“

Zunächst einmal ließ sich feststellen, dass aus einigen von ihnen wirklich gute Sängerinnen und Sänger geworden sind. Die Titel wie „Sowieso“, „Ist da jemand“ oder ganz neu auch „Feuerwerk“ beherrscht der iChor absolut sicher und präsentiert sie mitreißend und voller Freude für die Musik. Das steckt natürlich an und zeigt, wie Integration aussehen kann. Doch so wichtig solche Projekte auch sind, sie sind natürlich nicht alles.

Was sonst noch passiert ist, darüber berichtete Ahmad Ali Soltani, der vor drei Jahren mit seiner Familie aus Afghanistan nach Deutschland kam. Auch er lebte zuerst in der Rehberg-Klinik, erinnert sich noch, wie er mit vielen anderen immer den Weg in den Ortskern zurücklegte und hier auf viele sehr offene Menschen traf. Inzwischen wohnt er in Osterode, hat dort eine Wohnung, mehrere Sprachkurse absolviert und jetzt ein Praktikum in einer Tischlerei begonnen. „Das ist mein erlernter Beruf und ich bin froh, wieder als Tischler arbeiten zu können“, sagte er. „Deutschland bedeutet für mich Sicherheit und Zukunft.“

Deutsche Songs als Ausdruck von Hoffnung, Dankbarkeit, Neubeginn

In diesen Worten wird deutlich, warum viele der einst Geflüchteten die deutschen Songs so gerne singen. Für sie sind sie Ausdruck der Hoffnung, der Dankbarkeit und des Neubeginns hier. Das wurde an diesem besonderen Abend sehr deutlich. Dementsprechend ruhig war es dann auch auf der Rückfahrt, als alle ihren ganz persönlichen Gedanken nachhingen. So auch Dana Pruss, jetzt Flüchtlingssozialarbeiterin im Kirchenkreis Harzer Land, vor drei Jahren aber eben auch noch in der Rehberg-Klinik beschäftigt. Es hat sich viel getan in den vergangenen drei Jahren und manchmal stellt sich die Frage, was sich in den kommenden Jahren entwickeln wird.

Für den iChor geht es auf jeden Fall weiter, unter anderem mit einer Spende über 600 Euro der Kirchengemeinde. Das seien nämlich gespendete Gelder, die von damals noch übrig sind, so Walter Merz, und selbstverständlich soll das Geld auch weiterhin einem Projekt zukommen, das im Grunde weiterführt, was damals auf den Weg gebracht wurde. Gemeinschaft und gemeinsamer Spaß, bei dem Nationalität keine Rolle spielt. „Und gerne darf es auch mit ein paar weiblichen Stimmen als Verstärkung für unseren Sopran weitergehen“, erklärt Dana Pruss lächelnd.


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