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Geschrieben von Boris Janssen am 24. Oktober 2014
Hintergrund

Grundschulen: Warum die Diskussion?

Bad Lauterberg soll künftig nur noch eine Grundschule haben. Aber wo? – Hintergründe, Fakten, Argumente

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Nun macht’s der Rat der Stadt also doch alleine. Statt einer Bürgerbefragung gibt es im November eine Sondersitzung, auf der die Ratsmitglieder endlich entscheiden wollen, wo Bad Lauterbergs künftig einzige Grundschule stehen soll.

Aber auch wenn Sie nicht offiziell befragt werden, sollten Sie den von Ihnen gewählten Vertretern Ihre Meinung nicht verheimlichen – die könnte denen nämlich bei der schwierigen Entscheidung helfen. Damit Sie sich überhaupt eine Meinung bilden können, hat LauterNEUES hier Hintergründe, Fakten und Argumente gesammelt.

 

Die Liste ist sicher nicht abschließend. Nutzen Sie die Gelegenheit zur Ergänzung und diskutieren Sie mit!

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Warum überhaupt das Ganze?

Bad Lauterberg hat zwei große Probleme: Immer weniger Schüler und einen großen Schuldenberg. In den Jahren bis 2020 ist jeweils mit etwa 60 Erstklässlern zu rechnen – viel zu wenig, um dafür gleich drei Grundschulen vorzuhalten. Dazu kommt die immense Verschuldung von über 20 Millionen Euro, die die Stadt zum Sparen zwingt.

Was die Schulden angeht, ist immerhin ein diffuses Licht am Ende des Tunnels zu erkennen: Der Zukunftsvertrag mit dem Land Niedersachsen bringt der Stadt schon fast die Halbierung der Schulden. Das Land erwartet dafür aber eine Gegenleistung: ab 2016 dauerhaft eine schwarze Null im Stadthaushalt. Die ist nur mit weiteren Einsparungen möglich. Die Reduzierung auf eine einzige Grundschule soll dazu immerhin 150.000 Euro pro Jahr beitragen.

 

Gibt’s keine anderen Sparmöglichkeiten?

Leider nein. Für das mit dem Zukunftsvertrag festgeschriebene Sparpaket wurden schon die letzten Krümel zusammengekehrt: Es enthält selbst Peanuts wie Stilllegung des Brunnens auf dem Postplatz (12.000 Euro) und Streichung der Zuschüsse an Vereine (7.000 Euro). Die Grundschulen sind da der mit Abstand größte Einsparbatzen.

 

Steht die Schließung zweier Schulen wirklich im Zukunftsvertrag?

Ja! Allerdings etwas umständlich.

Aus § 2 des Zukunftsvertrages: „Die Haushaltskonsolidierung soll insbesondere durch die nachstehenden zusammengefassten Maßnahmen erreicht werden: […] Umgestaltung und Neuausrichtung des Konzeptes „Grundschule“ in Bad Lauterberg mit einem Einsparpotential in Höhe von 150.000 Euro […] Die als Anlage 2 beigefügte Maßnahmenübersicht […] enthält die jeweiligen Konsolidierungsbeträge der vorgenannten Maßnahmen. Sie ist Bestandteil dieses Vertrages.“ In Anlage 2 wiederum steht folgendes über den Einsparpunkt: „Von Seiten der Verwaltung wurde durch die Ausrichtung hin zu einem Grundschulstandort und Beschulung der Kinder an diesem Standort, der Schließung der übrigen Grundschulen im Stadtgebiet Bad Lauterberg im Harz und der bis ins Jahr 2018 umzusetzenden inklusionsfähigen Umgestaltung dieses gemeinsamen Grundschulstandortes ein Einsparpotential von mindestens 150.000 Euro errechnet.“

Die Stadt hat sich damit verpflichtet, nur noch einen Grundschulstandort vorzuhalten. Damit erübrigt sich jede Diskussion um den Erhalt eines zweiten Standorts.

 

Problem Inklusion

Spätestens bis 2018 müssen alle Schulen in Niedersachsen inklusiv sein, das heißt jede Schule muss in der Lage sein, jedes Kind aufzunehmen – auch körperlich oder geistig behinderte. Das erfordert neue Raumkonzepte mit Rückzugsmöglichkeiten und absolute Barrierefreiheit. Genaue Vorgaben gibt es nicht, als Minimum wird jedoch von vielen angesehen, dass jedes „normale“ Klassenzimmer Zugang zu einem gesonderten Gruppen- oder Ruheraum hat. Barrierefreiheit erfordert entsprechende sanitäre Anlagen, gegebenenfalls auch Rampen und Aufzüge.

Das ist schon für eine einzige Schule teuer genug – ein weiterer Grund, warum sich die Stadt keine drei Schulen mehr leisten kann.

Übrigens: Die Inklusion gilt schon seit 2013. Die Übergangsfrist bis 2018 erlaubt es lediglich Trägern von mehreren Standorten einer Schulform, sich bis dahin auf eine halbwegs inklusive „Schwerpunktschule“ zu beschränken: Die Stadt Bad Lauterberg mit ihren drei Grundschulen hat sich für die in Barbis entschieden.

 

Wieso eine dreizügige, inklusive Ganztagsschule?

Die Machbarkeitsstudie des Göttinger Büros BMP-Architekten sieht vor, aus den Standorten jeweils eine dreizügige, inklusive Ganztagsschule zu machen. Warum?

Inklusiv muss die „neue“ Schule auf jeden Fall sein – denn wenn es nur noch eine Grundschule vor Ort gibt, greift ja auch die Übergangsfrist bis 2018 schon nicht mehr (siehe oben).

Die Dreizügigkeit, also die Auslegung auf drei Schulklassen pro Jahrgang, ergibt sich aus der Prognose der Schülerzahlen. Die basiert auf den Zahlen der jetzt in der Stadt lebenden Kinder der künftigen Einschulungsjahrgänge – und kommt erfahrungsgemäß am Ende auch ziemlich genau hin. Bis 2020 ist demnach mit jeweils rund 60 Kindern zu rechnen, mit minimalen Schwankungen. (Ein Ausreißer ist dabei der nächste Einschulungsjahrgang 2015 mit nur 44 Kindern, dafür aber hatten in diesem Jahr über 80 Kinder ihren ersten Schultag.) 60 Kinder reichen nach derzeit geltendem Schulrecht für die Eröffnung von drei Klassen (ab 26 Kindern kann geteilt werden). Die Stadt muss nun zwar laut Landesrecht für ihre schulorganisatorischen Entscheidungen eine Prognose für mindestens zehn Jahre zugrunde legen. Das ist allerdings eher Kaffeesatzleserei. Betrachtet man den langfristigen Trend seit 1993, glitte die Stadt schon ab 2021 in die Zweizügigkeit, andererseits sind die Geburtenzahlen in den letzten Jahren zwar nicht gerade berauschend, aber immerhin stabil. Da erscheint eine Auslegung auf Dreizügigkeit durchaus sinnvoll. Das Gebäude soll daher für zwölf Klassen mit insgesamt etwa 250 Schülern ausgelegt sein.

Eine Ganztagsschule ist in Bad Lauterberg pädagogisch und politisch gewollt. Ganztag heißt dabei natürlich nur bis etwa 15 Uhr am Nachmittag. Das immer wieder durch Erholungsphasen unterbrochene Lernen über den ganzen Tag hinweg sei aus pädagogischer Sicht viel besser, als der am Vormittag durchgezogene Unterricht. Nebenbei erleichtere die Betreuung bis in den Nachmittag hinein es den Eltern, Familie und Beruf zu vereinbaren. Und wenn man jetzt eine Schule umbaut, dann sei das eine Maßnahme für die nächsten dreißig Jahre – das sollte dann schon zukunftsfähig sein. Eine Ganztagsschule braucht allerdings geeignete Räume und Angebote zum Spielen und Toben, zum Erholen und Wohlfühlen. Außerdem müssen die Kinder auch etwas essen, dafür braucht es ebenfalls eine Lösung.

 

Müssen die Kinder den ganzen Tag da sein?

Das käme auf das Konzept an. Eine Entscheidung darüber ist aber noch gar nicht gefallen. Es müsste überdies erst von der Landesschulbehörde genehmigt werden. Grundsätzlich aber gibt es drei Varianten.

Es gibt offene Ganztagsschulen, deren Nachmittagsangebot oft aus AGs oder dergleichen bestehen, an denen die Teilnahme aber freiwillig ist. Der Vorteil für berufstätige Eltern gegenüber einer „normalen“ Schule: Die Kinder sind bis zum Nachmittag gut betreut. Die Grundschule Bartolfelde ist so eine offene Ganztagsschule.

In einer gebundenen Ganztagsschule ist die Teilnahme am Ganztagsangebot verpflichtend, alle müssen mitmachen. Der Unterricht verteilt sich über den ganzen Tag hinweg und wird immer wieder durch Spiel- und Erholungspausen unterbrochen. Das Lernen in einer Ganztagsschule gilt aus heutiger pädagogischer Sicht als am besten.

Und dann gibt es noch die teilweise gebundenen Ganztagsschulen. Hier gilt das verpflichtende Ganztagsangebot nur für einen Teil der Schüler, in der Regel für einzelne Klassenzüge. Beispielsweise hätten in einem Jahrgang zwei Klassen Ganztagsunterricht, die dritte eben nicht.

 

Wieso kostet Sparen erst einmal Geld?

Schulen, LED-Straßenlaternen… Warum investiert die Stadt Millionen, wenn sie doch Geld sparen will? Ganz einfach: Weil sie über Jahre betrachtet viel mehr einspart, als sie jetzt ausgibt.

Im Stadthaushalt macht sich der positive Spareffekt sogar sofort bemerkbar. Denn natürlich werden die Investitions-Kosten durch Kredite bezahlt und die laufen – jeder Eigenheimbesitzer weiß das – viele, viele Jahre. Die Einsparungen entlasten den Haushalt aber in der Regel sofort in voller Höhe. Rein rechnerisch bekommt die Stadt ihre Ausgaben natürlich erst nach ein paar Jahren wieder heraus, buchhalterisch steht aber bei Gegenrechnung der Einsparungen mit den Krediten und Abschreibungen trotzdem sofort ein Plus im Haushalt.

 

Hier geht’s weiter:

Eine Frage des Standorts
Was hängt noch da dran?


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