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Montag, 16. September 2019
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Geschrieben von Christian Dolle (Kirchenkreis Harzer Land) am 05. September 2019
Kirchen

Sind die ländlichen Räume bereits abgehängt?

Generalkonvent des Sprengels Hildesheim-Göttingen in Einbeck

Generalkonvent vor glitzernder Kulisse (von links): Eckhard Gorka, Rainer Danielzyk und Lothar Meyer-Mertel.
Generalkonvent vor glitzernder Kulisse (von links): Eckhard Gorka, Rainer Danielzyk und Lothar Meyer-Mertel.
Etwa 300 Personen nahmen im Einbecker PS.Speicher teil.
Etwa 300 Personen nahmen im Einbecker PS.Speicher teil.
Zuerst gab es einen Vortrag zu ländlichen Räumen...
Zuerst gab es einen Vortrag zu ländlichen Räumen...
...dann wurde das Thema in der Podiumsdiskussion vertieft.
...dann wurde das Thema in der Podiumsdiskussion vertieft.
Und na klar, die Autos wurden natürlich auch bewundert.
Und na klar, die Autos wurden natürlich auch bewundert.

Um Kirche und die ländlichen Räume ging es beim Generalkonvent der Pastorinnen und Pastoren sowie der Diakoninnen und Diakone des Sprengels Hildesheim-Göttingen der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Dazu hatte Landessuperintendent Eckhard Gorka in den PS.Speicher in Einbeck eingeladen, wo er am Mittwoch (04.09.2019) gemeinsam mit dem Hausherrn und Geschäftsführer des Motorrad- und Automobilmuseums, Lothar Meyer-Mertel, etwa 300 Teilnehmer aus den Kirchenkreisen Göttingen, Hameln-Pyrmont, Harzer Land, Hildesheimer Land-Alfeld, Hildesheim-Sarstedt, Holzminden-Bodenwerder, Leine-Solling, Münden und Peine begrüßen konnte.

 

Abgehängt sein – vor allem ein mentales Problem

Als Referent erläuterte Prof. Dr. Rainer Danielzyk von der Leibniz-Universität Hannover, dass es gar nicht den ländlichen Raum gebe, sondern viele völlig unterschiedliche ländliche Räume, einige mit weniger, andere – wie unter anderem viele Regionen in Südniedersachsen – mit mehr Problemen. Das Gefühl, abgehängt zu sein, sei oft jedoch vor allem ein mentales, spiegele sich also in vielen Statistiken nicht wieder. „Das ist vor allem im Osten der Fall, was dann zum Aufstieg der AfD führt“, wandte Danielzyk bitter ein.

Eine generelle Korrelation mit hoher Arbeitslosigkeit oder geringem Einkommen gebe es in ländlichen Räumen nicht, so dass Verallgemeinerungen eben auch nicht weiterhelfen, um Probleme zu lösen. Was sich jedoch ohne Einschränkung zeige, sei die unzureichende Breitbandversorgung, die sich auf die Infrastruktur auswirke und den Staat eigentlich längst zum Handeln hätte zwingen müssen. „Dass Deutschland da nicht weitergekommen ist, ist wirklich eine Schande“, so der Referent.

Ziel aller Anstrengungen in ländlichen Räumen müsse es sein, im Vergleich zu den Metropolen gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen beziehungsweise einen Mindeststandard herzustellen. Das wiederum sei eigentlich eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, die eben dies nach sich zieht. Als Erfolgsrezept am Beispiel des Emslandes nannte er einen breitgefächerten Branchenmix mittelständischer Unternehmen, die dortige Kreisfusion und die gezielte Ansiedlung von Flüchtlingen und Spätaussiedlern, die der Region beim Aufschwung geholfen habe.

 

Wichtig ist Vielfalt in allen Lebensbereichen

Eine gewisse Urbanität der kleineren Städte sieht er als wichtig an, also Vielfalt in allen Lebensbereichen, unter anderem im Spektrum der Wohnformen und vor allem auch in der Kultur. Das könne helfen, junge Menschen, die tendenziell nach wie vor in die Universitätsstädte ziehen, wieder zurückzuholen. Dabei gehe es nicht nur um Fördermittel, sondern um die Gestaltung der Strukturen. Allerdings, so fügte er hinzu, sollte auch rational darüber diskutiert werden dürfen, ob manche Dörfer nicht aufgegeben werden sollten. „Aber natürlich nicht hier in Südniedersachsen“, schloss er zur Erleichterung seiner Zuhörer.

 

Visionen haben und ausprobieren

Nach einer Pause leitete Landessuperintendent Gorka dann noch eine Podiumsdiskussion, bei der Miriam Haase, Regionaldiakonin, Ellen Radtke, Pastorin im Haus kirchlicher Dienste, Stephanie von Lingen, Superintendentin, und Christian Gabriel, Geschäftsleitung der Ilmebahn Einbeck, das Thema noch einmal vertieften. Auch Fragen aus dem Plenum wurden aufgegriffen und es wurde deutlich, wie wichtig zum einen die Digitalisierung ist, wenn Kirche heute Menschen, auch jüngere, in ihrem natürlichen Lebensumfeld erreichen möchte, dass öffentlicher Nahverkehr sich oft eben doch rentiert und dass es für die Kirche im Moment darum gehe, Visionen zu haben und diese auch auszuprobieren. „Das Geld ist da, wir müssen uns jetzt auch trauen, es auszugeben“, so Superintendentin von Lingen, wenn künftig weniger Pastoren zur Verfügung stehen, dann vielleicht für andere Fachkräfte, die ebenfalls Menschen mit der christlichen Botschaft erreichen können.


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