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Freitag, 13. Dezember 2019
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Geschrieben von Mareike Spillner (Kirchenkreis Harzer Land) am 25. Oktober 2019
Kirchen

„Spielzeugfreie Zeit war ein großer Gewinn“

„starKids“-Projekt erfolgreich an drei Kindertagesstätten im Kirchenkreis umgesetzt

Vom Projekt überzeugt (von links): Anja Brakel, Rieke Heitmüller, Dana Steinmann, Marina Tomforde, Anna Ruder, Denise Wehmeyer, Jennifer Leck und Ingrid Baum.
Vom Projekt überzeugt (von links): Anja Brakel, Rieke Heitmüller, Dana Steinmann, Marina Tomforde, Anna Ruder, Denise Wehmeyer, Jennifer Leck und Ingrid Baum.

„StarKids – Starke Kinder von Anfang an“ ist das Motto der Suchtpräventionsmaßnahme in Kindertagesstätten, die in den vergangenen drei Jahren im Kirchenkreis Harzer Land an den Start ging. Drei Kindergärten haben das Projekt durchgezogen und zusammen mit Ingrid Baum, Rieke Heitmüller und Dana Steinmann von der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention in Osterode nun die Erfolge präsentiert. Denn Grundlagen für nicht-süchtiges Verhalten werden bereits in der Kita erlernt. Ziel dieses Modellprojektes ist es, Kinder in ihren Lebenskompetenzen zu unterstützen und zu stärken, damit sie schwierige Situationen besser meistern können und dadurch besser vor Sucht geschützt sind. Der Umgang mit Gefühlen, Konfliktfähigkeit und Selbstwirksamkeit sind wichtige Kompetenzen.

Das Programm „starKids – Starke Kinder von Anfang an“ wurde von niedersächsischen Präventionsfachkräften und einer Kitaleiterin unter Leitung der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen entwickelt, positiv evaluiert und wird niedersachsenweit in Kindertageseinrichtungen eingesetzt. Themen und Inhalte von starKids waren während der drei Jahre unter anderen die Förderung der Lebenskompetenzen, die Entwicklung von Kreativität – also sehen, sprechen, denken, fühlen, handeln –, die Entwicklung von Selbstbewusstsein und Ich-Stärke sowie die Entwicklung von Respekt und Achtung vor Anderen, von Genussfähigkeit und einer Frustrationstoleranz.

Das Abschlussprojekt ist immer ein gemeinsamer Bau von „einfachem“ Spielzeug aus natürlichen Materialien, da wird gezimmert und gebaut, gewerkelt, mit Kartons werden Burgen gebaut – mit dem Ergebnis: spielzeugreduzierte Kita. „Gerade dort hatten wir mit reichlich Gegenwind zu tun“, bemerkt Anna Ruder, Leiterin des Kindergartens Kunterbunt in Herzberg. „Einmal seitens der Mitarbeiter, die zwiegespalten waren, und andererseits der Eltern.“

Ähnliche Erfahrungen haben alle anderen Damen der Einrichtungen Regenbogen in Scharzfeld, Kunterbunt in Herzberg und Evangelischer Kindergarten Hattorf gemacht: Jennifer Leck, Denise Wehmeyer, Marina Tomforde und Anja Brakel. Aber sie sagen auch: „Letzten Endes war die spielzeugfreie Zeit ein großer Gewinn. Das fanden auch die Eltern – und die Kinder waren richtig ins Spielen vertieft und man konnte beobachten, dass sie viel mehr in der Gruppe gespielt haben. Oft sind es eben die kleinen Dinge, die begeistern. Wir werden dieses Projekt mit Sicherheit wiederholen.“

Außerdem wurde in der Arbeitsgruppe mit den unterschiedlichen Trägern ein gutes Netzwerk aufgebaut – es wurden Tipps gegeben und es fanden Besuche untereinander statt. Während der drei Jahre gab es 18 Treffen der Arbeitsgruppe, im Team wurde schließlich erarbeitet und umgesetzt. Und das Fazit: „Bindung statt Spielzeug – darauf kommt es an. Alle Eltern lieben ihre Kinder, das ist keine Frage. Aber wir sollten zurückfinden zu Zeiten, in denen das In-Den-Arm-Nehmen und das bewusste Zeit-Miteinander-Verbringen vordergründiger sind, als das ,Parken‘ vor Smartphone oder Fernseher. Kinder imitieren Verhalten, sie ahmen nach – deshalb fängt positives Verhalten bei jedem selbst an.“

 

Warum Suchtprävention bereits in der Kita?

Frühkindliche Lernerfahrungen haben einen großen Einfluss auf das spätere Verhalten als Erwachsener. Sucht ist mitten in der Gesellschaft: So gelten zum Beispiel 1,8 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 als alkoholabhängig, weitere 1,6 Millionen trinken Alkohol missbräuchlich. Jedes sechste Kind in Deutschland hat – zumindest zeitweise – suchtkranke Eltern(-teile). Außerhalb der Familien sind Erzieher oft die ersten wichtigen Bezugspersonen und somit ein wichtiger Sozialisationsfaktor für die Kinder.

 

Was ist starKids?

Das Projekt setzt auf nachhaltige und gezielte Lebenskompetenzförderung der Kinder. StarKids nimmt Familien mit Suchtproblemen in den Blick und unterstützt die Kitas sowohl bei der Stärkung der Kinder als auch bei der Gesprächsführung mit betroffenen Eltern.

 

Wie funktioniert's?

Das zentrale Ziel des Projektes ist die Kompetenzerweiterung der Erzieherinnen und Erzieher im Hinblick auf Suchtprävention. Der regionale starKids-Arbeitskreis, bestehend aus der Leiterin der jeweiligen Kita und einem pädagogischen Mitarbeiter, trifft sich regelmäßig, bringt seine Kenntnisse und Kompetenzen in die konkrete Arbeit der Kitas ein und steuert die Projektideen, die schließlich zusammen mit den Mitarbeitern der jeweiligen Kindertagesstätte umgesetzt werden.

 

Vorteile

Die gesamte Kita fördert so gezielt bestimmte Lebenskompetenzen aller Kinder und stärkt besonders belastete Kinder im Kita-Alltag. Darüber hinaus prüft sie ihre Strukturen, gleichzeitig werden die Eltern stärker einbezogen. Im achtwöchigen „Miteinander stark“ im letzten Projektjahr wird starKids für alle erlebbar – und zwar in Form einer spielzeugreduzierten oder sogar spielzeugfreien Zeit.


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