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Dienstag, 12. November 2019
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Geschrieben von Christian Dolle (Kirchenkreis Harzer Land) am 05. November 2019
Kirchen

Das Alter als Quelle von Dankbarkeit oder sich mehrendem Verlust

Pastorin Ute Rokahr hat zum literarischen Abend mit Dr. Heidi Gidion geladen

„Ich möchte Ihnen das Wort ,Lebenszuversicht‘ mitgeben.“ Dr. Heidi Gidion.
„Ich möchte Ihnen das Wort ,Lebenszuversicht‘ mitgeben.“ Dr. Heidi Gidion.

„Als Menschen haben wir unser biografisches Alter, aber besagt das, wie alt wir uns fühlen?“, fragte Dr. Heidi Gidion, Literaturwissenschaftlerin aus Göttingen ihre Zuhörer im Kirchenzentrum am Schlossplatz in Osterode. Sie jedenfalls fühle sich an manchen Tagen deutlich jünger als an anderen. So wohl auch, wenn sie über Literatur referiert, denn an diesem literarischen Abend, zu dem Pastorin Ute Rokahr eingeladen hatte, referierte Dr. Gidion mitreißend über das Thema Alter in der Literatur im Allgemeinen und den Briefwechsel zwischen Lou Andreas-Salomé und Sigmund Freud im Besonderen.

Bevor sie auf dieses eigentliche Kernthema kam, streifte sie Texte von Martin Walser, Bertold Brecht, Rose Ausländer und anderen, die deutlich machten, wie unterschiedlich Autoren sich mit dem Alter auseinandersetzten, aber auch, dass es in der Kunst einen Altersstil gibt, also eine späte Phase, in der Künstler dem Leben noch einmal etwas völlig Neues abgewinnen wollen und können.

 

Die immer neugierig bleibende Schriftstellerin und der grantige alte Mann

Generell jedoch, so Gidion, tauchten alte Menschen überwiegend als Großeltern, und dann eher in der Rolle und Funktion auf, ohne dass der Leser viel von ihrem Innersten erfährt. Gänzlich anders ist das in den Briefwechseln zwischen der in St. Petersburg geborenen und in Göttingen verstorbenen Schriftstellerin Lou Andreas-Salomé und dem Psychoanalytiker Sigmund Freud. Hier geht es sehr häufig um das Thema Alter, noch dazu aus gänzlich konträren Blickwinkeln.

Während die Schriftstellerin immer neugierig bleibt, was das Leben noch zu bieten hat, und Dankbarkeit das entscheidende Gefühl ist, entwickelt sich der Mediziner zum grantigen alten Mann, wie er sich selbst beschreibt, ist überzeugt, dass das Alter meist nur noch Verlust bedeutet. Trotz dieser unterschiedlichen Ansichten hatten beide jedoch höchsten Respekt voreinander, tauschten sich intensiv aus und eröffnen damit sehr intensive Einblicke in ihre Gedankenwelten.

 

Von der „Lebenszuversicht“

Dieser Briefwechsel bestand über viele Jahre, berichtete Dr. Gidion, „ich bezeichne die Beziehung der beiden gerne als ,liebenden Dissens‘“. Letztlich machte sie auch deutlich, dass sie selbst wohl eher die Lebensauffassung von Lou Andres-Salomé vertritt, deutete dies jedoch nur vorsichtig an und rief stattdessen zur Diskussion auf. „Ich möchte Ihnen das Wort ,Lebenszuversicht‘ mitgeben“, sagte sie, bevor sie ihre Zuhörer zu Wort kommen ließ.

Die diskutierten anschließend noch sehr intensiv und unter vielerlei Aspekten, so dass am Ende des Abends der dringende Wunsch entstand, eine solche Veranstaltung unter literarisch-philosophischem Blickwinkel unbedingt noch einmal zu wiederholen.


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