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Freitag, 04. Dezember 2020
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Geschrieben von Christian Dolle, Kirchenkreis Harzer Land am 02. April 2020
Kirchen

„Gespräche gegen Angst gehören ganz wesentlich zur Seelsorge“

Die pastoralpsychologische Beraterin Ute Rokahr hat ein offenes Ohr

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Eine Bekannte arbeitet als Arzthelferin. Trotz Mundschutz am Arbeitsplatz und Spuckschutz, hat sie in diesen Tagen große Angst vor der allgegenwärtigen Ansteckungsgefahr. Wenn sie nach Hause kommt, wird die Sorge kaum geringer. Bloß gut, dass ihre Mutter im vergangenen Jahr aus dem gemeinsamen Haus in ein Altenheim umgezogen ist, sagt sie. Doch sie dort jetzt nicht besuchen zu können, lastet schwer auf ihr und mit jedem verstreichenden Tag schwerer.

So wie ihr geht es zurzeit vielen Menschen. Mitarbeitende im Gesundheitswesen sind für andere da, müssen aber Gedanken an die eigene Gesundheit oft in den Hintergrund drängen. Und all jene, die einen alten oder kranken Angehörigen pflegen, stehen unter dem Druck, sich besonders schützen zu müssen, um das Virus nicht zu übertragen. Diese Menschen seelisch aufzufangen, ist auch Aufgabe von Ute Rokahr, Pastorin und pastoralpsychologische Beraterin und seit 2015 Beauftragte für Seelsorge für ältere Menschen im Kirchenkreis Harzer Land.

„Gespräche gegen Angst gehören ganz wesentlich zur Seelsorge“, sagt sie und möchte gerade jetzt für Menschen da sein. In den Altenheimen, in denen sie normalerweise arbeitet, ist die Situation ernst, aber die jetzige Ausnahmesituation zeigt auch, dass die Strukturen dort funktionieren. „Die persönliche Begegnung gewinnt in der Krise noch einmal an Qualität“, stellt sie fest.
Viele Menschen, so sagt sie, gehen ja bewusst ins Altenheim, und erleben dort, dass sie noch einmal neue Kontakte knüpfen. Diese Netzwerke müssen sich jetzt bewähren. Pflege sei auch eine seelsorgerliche Tätigkeit, durch die Nähe hergestellt wird. Dies wiederum ist jetzt ganz wichtig, auch und vor allem für viele Ältere.

Auf der anderen Seite weiß Ute Rokahr auch, wie wichtig es für die Mitarbeitenden ist, dass sie Entlastung und Supervision erfahren. „Das müsste eigentlich Standard sein“, sagt sie. Für die Mitarbeitenden ist es schließlich eine Doppelbelastung, auf der einen Seite ihrer beruflichen Arbeit nachzugehen, auf der anderen Seite ihre familiären Aufgaben wahrzunehmen, wenn sie nach Hause kommen. Schließlich können die Kinder in diesen Tagen die Schule nicht besuchen.

In dieser Situation möchte sie für die Menschen da sein, hat ein offenes Ohr, steht für Gespräche bereit. Telefonisch ist Ute Rokahr unter 0171 5668106 immer erreichbar, am besten jedoch zwischen 10 und 12 Uhr (werktags).  Es können auch Termine für ausführlichere Gespräche abgesprochen werden. Ihr Angebot richtet sich an ältere Menschen, Mitarbeitende im Gesundheitswesen, pflegende Angehörige und an alle, die sich aussprechen möchten in der Gewissheit, dass ihnen jemand aufmerksam zuhört. Dies ist ein zusätzliches Angebot zur Seelsorge der Pastorinnen und Pastoren in den einzelnen Gemeinden, die im Augenblick auch an Bedeutung gewinnt. Natürlich stehen auch die Gemeindepastoren für Gespräche zur Verfügung, sie sind wie gewohnt telefonisch und per Mail erreichbar.

Grundsätzlich ist Ute Rokahr überzeugt, dass diese Krise auch Chancen birgt, wenn wir uns durch die Unterbrechung des Alltags nämlich bewusst machen, was und wer uns im Leben Halt gibt. Einen ganz konkreten positiven Aspekt sieht sie bereits. „Die Mitarbeitenden im Gesundheitswesen erfahren jetzt endlich die Wertschätzung, die ihnen nicht nur zur Krisenzeit zusteht. Dazu würde auch eine Gehaltsaufbesserung gehören.“


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