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Dienstag, 25. Juni 2019
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Geschrieben von Christian Dolle (Kirchenkreis Harzer Land) am 16. Oktober 2015

Kirchen

Sucht im Alter nicht ausblenden

Interview mit Andreas Kutschke, Referent beim Fachtag Medikamentenabhängigkeit am 4. November 2015

Andreas Kutschke.
Andreas Kutschke.

„Medikamentenabhängigkeit – Die stille Sucht“ lautet das Motto des Fachtages, den die Fachstelle für Sucht und Suchtberatung des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Harzer Land am 4. November 2015 in der Herzberger Klinik anbietet. Einer der Referenten ist Andreas Kutschke, Pflegewissenschaftler sowie Gesundheits- und Krankenpfleger für geriatrische Rehabilitation. Vorab verriet er, worin er die eigentlichen Gefahren sieht und was er sich von dem Fachtag verspricht.

 

Frage: Herr Kutschke, wo ist eigentlich die Grenze erreicht zwischen gelegentlich mal eine Tablette nehmen und ersten Anzeichen für eine Abhängigkeit?

Kutschke: Gelegentlich mal eine Tablette nehmen ist eher kein Hinweis auf eine Abhängigkeit, während häufiger mal eine Tablette nehmen oder das regelmäßige Einnehmen von Medikamenten beziehungsweise der Wunsch, bestimmte Medikamente zu nehmen, ein entstehendes Problem beschreiben würde.

 

Was kann ich selber tun, um einzuschätzen, ob mein Medikamentenkonsum zum Problem wird?

Ich kann mich selber fragen, wofür ich das entsprechende Medikament nehme, mit welchem Ziel und welchem Nutzen. In jedem Fall ist es klug, den Arzt zu befragen, wie er dies einschätzt. Darüber hinaus gibt es einschlägige Assessments zum Beispiel von der DHS [Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Anm. d. Red.], die durchaus einen wichtigen Hinweis geben können.

 

Gibt es Möglichkeiten, bei Freunden, Verwandten oder vielleicht Arbeitskollegen auf alarmierende Anzeichen zu achten, und wenn ja, wie sollte ich mich dann verhalten?

Schläfrigkeit, Aussagen zur Einnahme von Schlaf- oder Schmerzmitteln, Lustlosigkeit, aber vor allem konkrete Aussagen wie: „Die Medikamente von Dr. … helfen mir gut; ohne sie fällt mir dies und jenes immer schwerer.“ Wenn man solche Anzeichen wahrnimmt, sollte man den Betroffenen fragen, warum er die Medikamente nimmt, und was er glaubt, was passiert, wenn er diese weiter nimmt.

 

Welche Medikamente sind es denn hauptsächlich, bei denen man von Missbrauch beziehungsweise einem Abhängigkeitsrisiko sprechen kann?

Die häufigsten dürften Schmerzmittel, vor allem Opioide, und die sogenannten Benzodiazepine sein, ebenfalls gehören die Z-Drugs [eine Klasse von Schlafmitteln, Anm. d. Red.] dazu, bei denen man vor Jahren fälschlicherweise davon ausging, dass sie weniger Abhängigkeitspotential haben als die BZD (Benzodiazepine).

 

Wie wichtig ist es, dass Fachkräfte wie Pflegepersonal, Ärzte oder auch Apotheker für das Thema Medikamentenabhängigkeit sensibilisiert werden?

Es ist sehr wichtig, dass alle Berufsgruppen gut informiert sind, sie sprechen ja sonst nicht in einer Sprache.

 

Verraten Sie schon ein bisschen, worum es in Ihrem Vortrag gehen wird?

Vor allem um die altenpflegerische Sicht auf das Thema und wie möglicherweise Pflegende in der Zukunft mithelfen können, dieses Problem einzugrenzen. Klug scheint es zu sein, Strategien zu entwickeln, die Pflegeteams in die Lage versetzen, die Reduktion von BZD zu planen.

 

Was konkret versprechen Sie sich von einem Fachtag wie diesem?

Das Thema Sucht im Alter und in diesem Fall Abhängigkeit von Medikamenten zu beleuchten und als Thema für die Altenhilfe attraktiv zu machen. Aber auch einen Anschub für mehr Verständnis und Kenntnis in diesem Bereich zu geben.

 

Der Fachtag findet am Mittwoch, 4. November 2015, von 13.30 bis etwa 18 Uhr in der Cafeteria der Klinik Herzberg statt.

 


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