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Geschrieben von Mareike Koch (Kirchenkreis Harzer Land) am 09. Dezember 2015
Kirchen

„Wir bekommen sehr viel Dankbarkeit zurück“

Teil 10 der Serie Willkommenskultur des Kirchenkreises Harzer Land: Monika und Horst Wenzel aus Bad Lauterberg sind Paten für eine Flüchtlingsfamilie

Horst Wenzel (links) und seine Frau Monika (rechts) mit ihrer Patenfamilie.
Horst Wenzel (links) und seine Frau Monika (rechts) mit ihrer Patenfamilie.
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Der große Esstisch von Monika und Horst Wenzel ist zu einem Ort der Begegnung geworden. Hier kommt man zusammen, erzählt, spielt Karten oder lernt Deutsch. Denn das Ehepaar aus Bad Lauterberg ist seit Mai Pate einer Flüchtlingsfamilie aus Albanien. Zu dieser Zeit waren Vater Armin, Mutter Arjona, Tochter Jasmin (16) und Sohn Yasin (7)* bereits zwei Monate in Deutschland. Mit der Sprache haperte es noch, auch viele alltägliche Dinge wussten sie nicht. „Am Anfang klappte die Verständigung entweder über einen Dolmetscher, mit einem Übersetzungsprogramm – oder mit Händen und Füßen“, verdeutlichen die Paten.

 

Kinderschutzbund als Rückgrat der Flüchtlingshilfe

Organisiert und koordiniert wird die Flüchtlingsarbeit in Bad Lauterberg vom Kinderschutzbund – auf vollständig ehrenamtlicher Basis. „Dabei bräuchte die Stadt nicht einen oder zwei Sozialarbeiter – sie bräuchte fünf“, ist die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Janka Eckhardt überzeugt. Auf die inzwischen mehr als 30 Paten zwischen 25 und an die 70 Jahre kommen aktuell knapp 140 Flüchtlinge – bis zum Jahresende werden zehn weitere erwartet. Deshalb ist die Organisation, die außerdem an vier Tagen in der Woche Deutschunterricht im Stadthaus in der Ahnstraße anbietet, auf weitere Ehrenamtliche angewiesen. „Wer sich in der Kleiderkammer, beim Deutschunterricht oder als Pate für eine Familie oder Einzelperson engagieren möchte, ist herzlich willkommen“, betont Michael Quendler, Mitkoordinator der Flüchtlingshilfe.

Doch warum kümmert sich eigentlich der Kinderschutzbund darum? Alles fing mit einem simplen Kinderfahrradsitz an, der am 30. März 2015 an eine Flüchtlingsfamilie übergeben wurde. Was die beiden Helfer dort sahen, erschreckte sie: „Das Fahrrad zum Sitz war inzwischen gestohlen worden, die Wohnung hatte Löcher in den Wänden und es gab nur einen Couchtisch als Esstisch“, beschreibt Janka Eckhardt. Also ist sie ins Rathaus gegangen und hat alles geregelt, Räume gesucht und gefunden, die Schlüssel übernommen. So hat sich der Kinderschutzbund der Flüchtlingsarbeit in Bad Lauterberg angenommen – stößt aber so langsam an seine Grenzen. Denn die eigentliche Arbeit des Vereins – Krabbelgruppen, Bastelnachmittage und andere Aktionen für Kinder – gibt es schließlich auch noch.

 

Ehrenamtliche brauchen dringend weitere Unterstützung

„Aktuell suchen wir noch Unterstützung für Michael und mich – und pensionierte Lehrer, die sich bei der Hausaufgabenbetreuung einbringen möchten“, ist Janka Eckhardt schon wieder beim Thema Flüchtlingshilfe. Während des zweistündigen Gesprächs erhält sie auf das Kinderschutzbund-Handy zwölf Nachrichten und zwei E-Mails – und alle haben mit der Flüchtlingshilfe zu tun. „Es ist vielfach nicht bekannt, dass es hier in Bad Lauterberg überhaupt Flüchtlinge gibt – das zeugt von unserer guten Arbeit“, sind sich Michael Quendler und Janka Eckhardt sicher, die beide selbstständig sind und Familie haben.

Wer Interesse hat, kann sich gern montagnachmittags von 15 bis 16 Uhr in der Offenen Sprechstunde Flüchtlingshilfe im Stadthaus Informationen holen. Die Koordinatoren stehen in dieser Zeit zur Verfügung, um Fragen der Flüchtlinge, der Paten und von Interessierten zu beantworten. Nur vom 21. Dezember bis 10. Januar ist „Urlaub im Stadthaus“: Es finden keine Veranstaltungen der Flüchtlingshilfe statt. „Und auch das Kinderschutzbund-Handy möge bitte nur in wirklich dringenden Notfällen kontaktiert werden“, ergänzen die beiden: „Denn alle Helfer benötigen dringend eine Auszeit.“

 

Zwischen den Familien entwickelt sich Freundschaft

Auch Monika und Horst Wenzel finden es toll, was der Kinderschutzbund leistet. Und ihre Patenfamilie ist froh darüber, dass sie Unterstützung hat: Hilfe bei Behördengängen, bei Arztbesuchen, bei den Fragen, welcher Supermarkt wo ist und welche Angebote in den Prospekten wirklich ein Schnäppchen sind. Ziel soll irgendwann die Selbstständigkeit sein – und natürlich die Integration. Wie viel Zeit so ein Patenjob in Anspruch nimmt? „Wenn man es ernst nimmt, kommen schon vier bis fünf Stunden die Woche zusammen“, erklärt Horst Wenzel. „Wir sind Rentner, wir haben Zeit und machen das mit viel Freude.“

Deshalb hat sich das Paar entschlossen, noch einen einzelnen Asylbewerber zu betreuen. „Man bekommt sehr viel zurück, die Menschen sind sehr dankbar. Nicht nur unsere Familie“, ist sich Monika Wenzel sicher. Zwischen den Wenzels und ihrer Patenfamilie hat sich bereits Freundschaft entwickelt. „Danke Familie Wenzel. Danke, danke. Für die Kinder seid ihr Großmama und Großpapa“, sagt Familienvater Armin freudestrahlend. Und auch die anderen Familienmitglieder sind sichtlich glücklich, dass es das Ehepaar Wenzel gibt.

 

* Namen der Flüchtlingsfamilie aus Sicherheitsgründen geändert

 

Ein Artikel aus der Serie „Willkommenskultur“ des Kirchenkreises Harzer Land über Flüchtlingshilfe und Willkommenskultur in der Region. Weitere Artikel folgen in lockeren Zeitabständen.


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