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Geschrieben von Mareike Koch (Kirchenkreis Harzer Land) am 14. Januar 2016
Kirchen

Ein gezieltes „Wo drückt der Schuh“-Projekt

Teil 12 der Serie Willkommenskultur des Kirchenkreises Harzer Land: In Clausthal-Zellerfeld hat sich ein Netzwerk zur Flüchtlingshilfe gebildet

Die Teilnehmer des Netzwerks in der Harzer Unistadt arbeiten Hand in Hand, um den Flüchtlingen im ihnen fremden Land zu helfen.
Die Teilnehmer des Netzwerks in der Harzer Unistadt arbeiten Hand in Hand, um den Flüchtlingen im ihnen fremden Land zu helfen.
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Ehrenamtliche Arbeit darf nicht stressen, sondern soll Freude machen, findet Dorothea Römpage.
Ehrenamtliche Arbeit darf nicht stressen, sondern soll Freude machen, findet Dorothea Römpage.

Im Gemeindebrief Juni bis September startete Dorothea Römpage, Mitglied im Kirchenvorstand der Marktkirchengemeinde Clausthal, einen großen Aufruf: Es sollte ein Netzwerk zur Flüchtlingshilfe gebildet werden. Mit den Erfahrungen aus der Ausstellung „Gesichter des Christentums“ im Jahr 2014, die auch Veranstaltungen zum Thema Flucht und Vertreibung beinhaltete, hatte sich im Frühjahr 2015 bei einem Gespräch des Gemeindeausschusses mit dem Leiter der Diakonie, Norbert Hammermeister, die Frage ergeben, ob in Clausthal-Zellerfeld überhaupt Flüchtlinge leben. Mit Bestürzung wurde festgestellt, dass einige bereits seit langer Zeit sehr isoliert im Ort wohnen und dringend Hilfe zur Integration benötigen. Die Idee, ein Netzwerk zur Hilfe und Unterstützung von Menschen in Not und damit auch von Flüchtlingen zu initiieren, war geboren und wurde umgehend in die Tat umgesetzt.

 

Tandemteams gegen den Stress

„Mittlerweile haben sich fast 100 Netzwerkteilnehmer und davon etwa 38 Aktive im ‚Netzwerk Helfen‘ zusammengefunden“, berichtet Römpage. Sie sind mit verschiedenen Aufgabenbereichen betraut, erkunden, was in den Familien fehlt, und helfen weiter. So zum Beispiel bei Fragen und Problemen zu Anträgen, dem Schulbesuch, der Wohnungssuche, Arztbesuchen und der Teilnahme an Sprachkursen. Auch Fahrräder und Helme werden vermittelt, die Teilnahme am Vereinssport ermöglicht und vieles mehr. Ein gezieltes „Wo drückt der Schuh“-Projekt also. Dennoch weiß die Netzwerkerin: „Eigentlich ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Aber eben viel besser als gar keine Hilfe.

29 von den 38 Helfern wiederum betreuen in Tandems Flüchtlingsfamilien. „So fühlt sich niemand überfordert und die Helfer können die Aufgaben untereinander aufteilen. Keiner darf gestresst werden – die Arbeit ist ehrenamtlich und soll Freude machen“, verdeutlicht Dorothea Römpage. Und sie erzählt weiter: „Dort wo wir hinkamen, wurden wir mit offenen Armen empfangen, bewirtet und es herrschte viel Freude.“ Eine nach und nach entwickelte Organisationsstruktur der gezielten Hilfe hat sich inzwischen gut bewährt. Immer wieder komme es vor, dass nicht nur Familien zuzögen, sondern auch Clausthal-Zellerfeld verließen. „Die Tandems wechseln dann entsprechend in die neuen Familien“, so die 67-Jährige. Leider sei der Informationsfluss in Hinblick auf Neuzugänge seitens des Landkreises Goslar etwas unbefriedigend. „Aber es wurde uns Besserung versprochen“, kommentiert Römpage, die sich auch kirchlich sehr engagiert.

 

Ziel fürs neue Jahr: Noch bessere Sprachenlernangebote

Das Netzwerk hat zum Ziel, Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten und zu fördern. Und da gemeinsame Erlebnisse verbinden, hat bereits ein erstes gemeinsames Treffen aller Tandems und Familien stattgefunden. „Alle hatten Fingerfood aus ihrer traditionellen Küche mitgebracht. Wir haben gesungen, die Kinder haben miteinander gespielt. Es hat allen viel Freude bereitet“, freut sich Römpage.

Jetzt im neuen Jahr hat sich das Netzwerk, das von der ambulanten Hilfe unterstützt wird und mit mehreren Sachspende-Projekten und Vereinen zusammenarbeitet, gleich neue Ziele gesteckt. „Wir planen, ein Gesprächscafé einzurichten, um in einem ähnlichen, noch unkomplizierteren Rahmen miteinander die deutsche Sprache spielerisch zu lernen und zu vertiefen.“ Netter Nebeneffekt sei, dass die Helfer vielleicht auch einige Brocken der anderen Sprachen lernen. „Das wäre zumindest mein Wunsch“, ergänzt Dorothea Römpage. Zudem stehe das Angebot ehrenamtlich organisierter Sprachkurse im Raum. „Es gibt so vieles, was man machen könnte – aber es braucht Menschen und es braucht Räume. Und dann haben wir schon ein Problem“, so Römpage. Aber so nach und nach lasse sich dann doch viel bewegen.

 

Ein Artikel aus der Serie „Willkommenskultur“ des Kirchenkreises Harzer Land über Flüchtlingshilfe und Willkommenskultur in der Region. Weitere Artikel folgen in lockeren Zeitabständen.


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