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Samstag, 15. August 2020
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Geschrieben von Christian Dolle (Kirchenkreis Harzer Land) am 20. Januar 2016

Kirchen

Kirchturmdenken ist nicht mehr zeitgemäß

Ephoralbericht: Was auf den Kirchenkreis Harzer Land zukommen wird

Nach dreijährigem Bestehen des Kirchenkreises Harzer Land zog Superintendent Volkmar Keil eine Art Bilanz.
Nach dreijährigem Bestehen des Kirchenkreises Harzer Land zog Superintendent Volkmar Keil eine Art Bilanz.
Das Eichsfeld prägt den Kirchenkreis Harzer Land ebenso...
Das Eichsfeld prägt den Kirchenkreis Harzer Land ebenso...
...wie der Oberharz und seine anderen unterschiedlichen Regionen.
...wie der Oberharz und seine anderen unterschiedlichen Regionen.

Zwei Probleme werden in den kommenden Jahren auf den Kirchenkreis Harzer Land zukommen: Der demografische Wandel sorgt für einen Rückgang von mehr als 1.000 Gemeindegliedern pro Jahr und der Pastorenmangel im Land macht es immer schwieriger, freigewordene Stellen zu besetzen. Superintendent Volkmar Keil ging in seinem Ephoralbericht bei der jüngsten Kirchenkreistagssitzung am Freitag (15.01.2016) auf diese Herausforderungen ein und nutzte die Gelegenheit, um nach dreijährigem Bestehen des Kirchenkreises in seiner jetzigen Form eine Art Bilanz zu ziehen.

 

„Kirchenkreis kann keine Einheit werden“

„Schon bei der Entstehung des Kirchenkreises Harzer Land war klar, dass er keine Einheit ist und auch keine Einheit werden kann“, sagte Keil, „Uns trennen viele Höhenmeter. Ist man in der Kirchengemeinde Altenau auf dem Torfhaus 821 Meter hoch, sind es in Gieboldehausen nur 150 Meter.“ Doch nicht nur die Höhenmeter machen den Unterschied, auch haben die Regionen statt eines klaren Zentrums viele kleinere, die das Leben der Menschen vor Ort prägen. Osterode ist mit 22.130 Einwohnern die größte Stadt des Kirchenkreises, gefolgt von Duderstadt mit 20.702 und Clausthal-Zellerfeld mit 15.877 Einwohnern.

Diese Strukturen gelte es bei den Planungen für die kommenden Jahre zu berücksichtigen und seien der Grund, warum der sogenannte Perspektivprozess alle Ebenen und alle Regionen des Kirchenkreises einbeziehen will, um trotz Sparvorgaben für alle die bestmöglichen Lösungen zu finden. Nach der derzeitigen demografischen Entwicklung, so machte Keil deutlich, „müsste man bei einem Pfarrstellenschnitt von 2.500 Gemeindegliedern pro Pastor beziehungsweise Pastorin alle zweieinhalb Jahre eine Pfarrstelle einsparen.“ Auch, wenn die Landeskirche sich zu einer Strukturförderung entschließen sollte, sind hier gemeinsames Handeln und gute Ideen gefragt.

 

Zusammenarbeit wird noch größere Rolle spielen

Das gilt vielleicht noch mehr für offene Stellen im Harzer Land, auf die sich wie sonst im Gebiet der Landeskirche nur noch im Emsland erst einmal kaum jemand bewirbt. „Das haben wir bei allen Pfarrstellenbesetzungen der letzten Jahre zu spüren bekommen. Und das ist auch jetzt so: Selbst auf eine Stelle wie St. Aegidien in Osterode bewirbt sich niemand“, erläuterte Keil. Auch hier sei der Kirchenkreis Vorreiter innerhalb der Landeskirche, auf die der Pastorenmangel noch verstärkt zukommen wird.

Insofern wird die Zusammenarbeit von Kirchengemeinden zukünftig eine noch größere Rolle spielen, die letzte Landessynode habe dies sogar in einer Verfassungsänderung festgehalten. „Eine Kirchengemeinde, die nur noch den eigenen Kirchturm sieht, handelt also nicht mehr verfassungskonform“, kommentierte Keil dieses notwendige Gebot zur regionalen Zusammenarbeit.

 

Mehr Selbstorganisation der Gemeinden

Im Alten Amt wie auch im Oberharz hat der Kirchenkreis gelungene Umgestaltungen auf den Weg gebracht, in Osterode und in der Bäderregion ist man auf einem guten Weg, betonte Keil, was der Perspektivprozess in den kommenden Jahren bringt, könnte innerhalb der Landeskirche Modellcharakter bekommen. Daher soll dieser Prozess offen gestaltet und über alles, was gedacht wird, auch geredet werden. „Damit man sehen kann, wie auch die Basis reagiert. Das hat es in dieser Dimension noch nicht gegeben“, begründete er.

Grundsätzlich werde am Ende dieses Prozesses eine größere Selbstorganisation der Gemeinden stehen. Das Pfarramt werde sich vermehrt auf pastorale Aufgaben konzentrieren, auch wenn es natürlich in jedem Ort einen klaren Ansprechpartner und einen zuständigen Pastor oder eine Pastorin gibt. Hier könnte die Kirchenvorstandswahl 2018 sich als Indikator der Lebensfähigkeit der Gemeinden erweisen, vermutete Keil, gab sich aber zuversichtlich, da schon jetzt viele Menschen ein lebendiges Gemeindeleben überall im Kirchenkreis ermöglichen. „Ich bin überzeugt, dass Gott in der Kirchengeschichte immer seine Hand auf die Kirche gehalten hat“, schloss er, „Nicht immer hat man es gleich gemerkt. Manchmal hat es einige Zeit gedauert. Aber er hat sie aus vielen Irrwegen immer wieder auf den rechten Weg gebracht.“


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