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Freitag, 21. Februar 2020
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Geschrieben von Mareike Koch (Kirchenkreis Harzer Land) am 25. März 2016
Kirchen

Das wichtigste kirchliche Fest des Jahres

Teil 17 der Serie Willkommenskultur des Kirchenkreises Harzer Land: Ostertraditionen – eine Familie aus Georgien erzählt

Anano, Giorgi und David (von links) erklären die georgischen Traditionen. Zum Beten gehört Weihrauch-Duft…
Anano, Giorgi und David (von links) erklären die georgischen Traditionen. Zum Beten gehört Weihrauch-Duft…
…und jetzt alle gemeinsam pusten, damit die Kohle dafür glimmt.
…und jetzt alle gemeinsam pusten, damit die Kohle dafür glimmt.
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Die Georgische Bibel – oder wie Giorgi es nennt: sein Buch.
Die Georgische Bibel – oder wie Giorgi es nennt: sein Buch.
Giorgi und seine Familie wohnen in Herzberg in der Nähe der katholischen Kirche. Die nächste Georgische Orthodoxe Kirche ist in Hannover.
Giorgi und seine Familie wohnen in Herzberg in der Nähe der katholischen Kirche. Die nächste Georgische Orthodoxe Kirche ist in Hannover.

Zu Ostern feiert die christliche Religion die Auferstehung Jesu. Auch die orthodoxen Christen tun das – allerdings ist Ostersonntag nach dem julianischen Kalender bei ihnen erst am 1. Mai. Giorgi und seine Familie stammen aus Georgien und sind vor gut drei Jahren nach Deutschland gekommen. Jetzt wohnen sie in Herzberg.

In seinem Wohnzimmer über dem Sofa hat sich Giorgi eine kleine „orthodoxe Ecke“, wie er es nennt, eingerichtet. In einem Regal stehen Bildnisse von der heiligen Maria, dem heiligen Nino, Symbol der Georgischen Kirche, „sein Buch“, wie Giorgi zur Georgischen Bibel sagt, und weitere Ikonen. Giorgi reiht sie für ein Foto auf. „Und das da oben ist Jesus“, sagt Tochter Anano (6) lächelnd. Sie kann viel über den Glauben in Georgien und die besonderen Ostertraditionen erzählen und greift, zusammen mit ihrem Bruder David (7) immer dann ein, wenn ihrem Vater ein deutsches Wort fehlt.

 

Vom „Roten Freitag“ und dem Osterbrot „Paska“

„Bei uns ist Ostern das wichtigste kirchliche Fest des Jahres“, erklärt Giorgi. Bereits Wochen vorher essen viele Georgier keine tierischen Produkte mehr, um sich für das Fest zu „reinigen“. „Wir trinken Wasser und essen Brot, manchmal auch Kartoffeln, Salat und Gemüse. Aber es gibt kein Fleisch, keine Eier und keine Milch“, verdeutlicht der 31-Jährige.

Am Vorabend von Gründonnerstag brennen in Georgien auf den Feldern Feuer, genannt „Tschiakokonoba", zur Vertreibung der bösen Geister. Diese Tradition ähnelt dem deutschen Osterfeuer. Karfreitag heißt auf Georgisch „Roter Freitag“. An diesem Tag färbt jede Familie Eier mit Krapp-Wurzeln rot. „Wegen des Todes Jesu. Wir möchten ihm helfen, wieder zu leben, deshalb färben wir die Eier rot“, erklärt die kleine Anano ernst. Am Karsamstag wird das georgische Osterbrot „Paska“ gebacken, ein Hefegebäck aus Weizenmehl und Rosinen. „Das ist echt lecker“, findet David. Um Mitternacht beginnt in Georgien dann der Ostergottesdienst. „Wir beten zu Hause“, erklärt Giorgi.

 

Egal, welche Religion sie hat: „Für mich zählt die Person“

Seine Frau Guliko (33), ihre große Tochter Salome (18) und Enkelkind Giorgi (2) sind in der Küche. Sie haben zu tun, gleich kommen Freunde zu Besuch. Der Tisch ist üppig gedeckt: Es gibt Ente und Küchlein aus Maismehl. Außerdem eingelegte Auberginen und eine traditionelle Spezialität aus Teig mit Käse gefüllt. Natürlich darf ich als Gast probieren und es schmeckt vorzüglich.

Dann soll ich unbedingt noch sehen, wie in Georgien gebetet wird. Denn das Beten gehört zur festen Tradition. „Wir zünden immer eine kleine Kerze an. Sie ist aus Bienenwachs, ich habe sie aus Georgien mitgebracht“, erklärt Giorgi. „Mich interessiert nicht, ob jemand muslimisch, evangelisch oder katholisch ist. Für mich zählt die Person“, ergänzt er. Dann nimmt Giorgi einen Kelch vom Regal und entzündet mit einem Feuerzeug ein Stück Kohle. Anano, David und er pusten kräftig und die Kohle glimmt. Dann kommt etwas Pulver dazu. „Damit die Luft duftet“, erklärt Anano und schon macht sich ein intensives Weihrauch-Aroma im Zimmer breit.

 

Ostersonntag stehen alle Türen offen

Am Ostersonntag stehen in Georgien alle Türen offen. Die Menschen begrüßen sich auf der Straße mit dem Ostergruß „Christe Aghsdga!“ (Christ ist auferstanden) und der Antwort „Tscheschmaritad!“ (Wahrlich, das ist er!). Überall ist man herzlich willkommen, laute Musik ertönt und es wird gemeinsam gefeiert. Während bei uns Karfreitag der „stille Feiertag“ ist, wird in Georgien am Ostermontag der Toten gedacht. Gemeinsam pilgert die Familie zum Friedhof, um der Vorfahren zu gedenken und rote Eier und Paskabrot ans Grab zu bringen.

Aber eine Tradition ist noch gleich: das Eierticken. „Immer zwei nehmen sich ein Ei und das, das keinen Sprung hat, gewinnt“, erklären Anano und David gemeinsam. Sie freuen sich schon sehr auf das baldige Osterfest.

 

Ein Artikel aus der Serie „Willkommenskultur“ des Kirchenkreises Harzer Land über Flüchtlingshilfe und Willkommenskultur in der Region. Weitere Artikel folgen in lockeren Zeitabständen.


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