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Donnerstag, 27. Februar 2020
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Geschrieben von Mareike Koch (Kirchenkreis Harzer Land) am 05. April 2016
Kirchen

Ansturm auf die Nähmaschinen

Teil 18 der Serie Willkommenskultur des Kirchenkreises Harzer Land: Ein Einblick in die Flüchtlingsunterkunft in Sankt Andreasberg

Monika Wildner erklärt, wie man mit einer Nähmaschine umgeht.
Monika Wildner erklärt, wie man mit einer Nähmaschine umgeht.
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Die Bewohner der Notunterkunft in Sankt Andreasberg nehmen mit großer Freude am Nähkurs teil.
Die Bewohner der Notunterkunft in Sankt Andreasberg nehmen mit großer Freude am Nähkurs teil.
Nach einer Vorlage werden die Kleidungsstücke Schritt für Schritt angefertigt.
Nach einer Vorlage werden die Kleidungsstücke Schritt für Schritt angefertigt.
Freude an der Nähmaschine…
Freude an der Nähmaschine…
…und Stolz über die Ergebnisse.
…und Stolz über die Ergebnisse.
Die Einladung zum Nähkurs.
Die Einladung zum Nähkurs.
Noch ist ungewiss, wie es mit der Rehberg-Klinik ab Sommer 2016 weitergeht.
Noch ist ungewiss, wie es mit der Rehberg-Klinik ab Sommer 2016 weitergeht.

„Wir sind hier nicht im Feenland – das ist ein Rollfahrtkommando“, wird mir von der Seite zugerufen. Ich sortiere noch die Schals und Tücher, da geht die Kleiderausgabe in der Notunterkunft in Sankt Andreasberg auch schon los. In kleine Gruppen sind die Geflüchteten eingeteilt, die noch dringend Kleidung und Schuhe benötigen. Im Hintergrund ist alles geordnet: nach Kinder-, Damen- und Herrenkleidung verschiedenster Größe. Die Kleidung wird über Tresen ausgegeben. Auch Schuhe sind sehr gefragt, vor allem Stiefel. „Manche kommen hierher mit nichts als Flipflops“, erzählt mir eine Mitarbeiterin. Sie hätte schon die schlimmsten Blasen gesehen. „Wir lassen dann natürlich erstmal die Wunden versorgen. Solche Erlebnisse bedrücken schon sehr. Was müssen diese Menschen durchgemacht haben?“

Das geht auch mir durch den Kopf, als eine Mutter mit ihren beiden Kindern vor mir steht. Sie hätten gerne Winterstiefel, tragen in ihren Hausschuhen aber noch nicht einmal Strümpfe. Also fangen wir da an. „Diese, 36?“, versucht sie mir zu verstehen zu geben, welche Schuhe ihrer Tochter passen könnten. Und siehe da: Sie sitzen wie angegossen.

Oben im Erdgeschoss wird gerade das Mittagessen ausgegeben. Auch dort herrscht Hektik. Allerdings geordnete. Das ehrenamtliche Team hinter dem Tresen besteht aus vier Helfern. Alle wissen genau was sie zu tun haben.

 

Nähen gegen den Kleidermangel

Szenenwechsel. Ein anderer Tag in der Rehberg-Klinik, vier Monate später: Heute wird das Nähzimmer in der Flüchtlingsunterkunft eröffnet. Naja, einen Probelauf gab es bereits. Drei defekte Nähmaschinen wurden noch ausgebessert. Heute läuft alles. Monika Wildner aus Barbis, die sich ehrenamtlich in der Notunterkunft engagiert, hatte die Idee zu diesem Angebot. „Kinderkleidung fehlte, alles Vorhandene war zu groß, die Mütter hatten keine Taschen, um unterwegs das Fläschchen und Spielzeug ihrer Kinder zu verstauen. Es war fast nichts da“, schildert die passionierte Hobbynäherin.

Nun wurde Abhilfe geschaffen. Zusammen mit ihrer Schwester Gerda Wehland und mit Patricia Kunze, beide aus Sankt Andreasberg, wird drei Mal die Woche Nähen angeboten. Montags unter Anleitung von Monika Wildner, dienstags und donnerstags ohne Anleitung. „Nun kann die gespendete Kleidung selbst geändert, gekürzt und ausgebessert werden. Wir nähen gemeinsam Kleider, Schlafanzughosen, Leggins und Taschen“, freut sich das Team. Unter den Geflüchteten gibt es einen gelernten Schneider, der ebenfalls mithilft: Samir Alkurdi aus Syrien.

Dennoch würde sich Monika Wildner über weitere Hilfe sehr freuen. Auch Stoffe, Nähmaterial, Wolle und Scheren werden noch benötigt, denn der Ansturm an den zehn gestifteten Nähmaschinen ist groß. „Schön wäre es, wenn die Helfer etwas nähen könnten“, fügt sie hinzu. Sie hat zudem eine „Betterplace-Aktion“ gestartet, da in der Rehberg-Klinik weiterhin dringend Kleidung für Kinder und auch Schuhe benötigt werden – weitere Informationen dazu hier (externer Link).

Eine weitere Möglichkeit, direkt zu helfen, besteht über die Kirchengemeinde St. Martini. Es wurde folgendes Spendenkonto für Kleidung für die Flüchtlinge in Sankt Andreasberg eingerichtet: Sparkasse Goslar, IBAN: DE25 2685 0001 0000 0097 46, BIC: NOLADE21GSL, Ev.-luth. Kirchengemeinde Sankt Andreasberg, Verwendungsweck (bitte unbedingt angeben): Kleidung für Flüchtlinge.

 

Weitere Nutzung der Rehberg-Klinik noch ungewiss

In der Rehberg-Klinik, die seit Oktober 2015 vom Arbeiter-Samariter-Bund als Flüchtlingseinrichtung geführt wird, sind derzeit weniger als 300 Geflüchtete untergebracht. Zu Beginn waren es etwa 1.500. „Da momentan die Zahlen der ankommenden Flüchtlinge in Niedersachsen stark zurückgegangen sind, ist nicht damit zu rechnen, dass kurzfristig eine größere Zahl von Flüchtlingen in St. Andreasberg untergebracht wird. Weiterhin läuft die Umverteilung in Kommunen“, erklärt dazu Holger Rathjens von der Zentralstelle Flüchtlingsunterbringung des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport. Wie es mit der Nutzung der Rehberg-Klinik ab dem Sommer weitergehe, sei noch ungewiss: „Der Betreibervertrag mit dem ASB ist noch nicht abgeschlossen, befindet sich aber auf dem Weg. Zu Einzelheiten der vertraglichen Gestaltung können wir daher noch keine Auskünfte geben, da aktuell auch weiter an einer Gesamtkonzeption der Unterbringung von Flüchtlingen durch das Land Niedersachsen gearbeitet wird.“

 

Ein Artikel aus der Serie „Willkommenskultur“ des Kirchenkreises Harzer Land über Flüchtlingshilfe und Willkommenskultur in der Region. Weitere Artikel folgen in lockeren Zeitabständen.


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