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Donnerstag, 25. April 2019
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Geschrieben von Christian Dolle am 24. März 2019
Kultur und mehr

Wer kommt zur Bärchenstunde?

Das Böse Bärchen live in der Stadtbibliothek Osterode

Das könnte eine Begegnung der besonderen Art werden: Bärchenstunde mit Bösem Bärchen.
Das könnte eine Begegnung der besonderen Art werden: Bärchenstunde mit Bösem Bärchen.
Die Pfanne braucht er natürlich für den Fall einer Zombieapokalypse.
Die Pfanne braucht er natürlich für den Fall einer Zombieapokalypse.
Kommt das Publikum „wegen dem Bär“ oder doch eher seinetwegen: Christian Dolle liest aus seinen Kolumnen. (Foto: Andrea Schrader Glombitza)
Kommt das Publikum „wegen dem Bär“ oder doch eher seinetwegen: Christian Dolle liest aus seinen Kolumnen. (Foto: Andrea Schrader Glombitza)

„Bärchenstunde“ heißt es am Donnerstag, 4. April 2019, um 19 Uhr in der Stadtbibliothek Osterode. Meine erste eigene Lesung. Mit Geschichten... na über wen schon? Über diesen pelzigen Chaoten, der gerade am Computer sitzt und zockt, während ich eigentlich dringend noch eine Ankündigung für die Lesung an die örtliche Presse rausschicken müsste.

Zum Glück habe ich den Text schon geschrieben, muss ihn also nur noch verschicken. Doch im Moment lässt er sich nicht davon abbringen, dass sein Spiel wichtiger ist und er unbedingt noch dieses Level schaffen muss, weil er sonst alle Zombies noch einmal töten muss. Auf dem Monitor wackeln bleiche Gestalten in einer postapokalyptischen Landschaft herum, während er Angriffe mit einer Bratpfanne abwehrt.

„Meinst du nicht, dass meine Pressemitteilung ein bisschen wichtiger ist als dein blödes Ballerspiel?“, frage ich ihn. Er schüttelt den Kopf und zockt seelenruhig weiter. Irgendwann reicht es mir, ich packe ihn und setze ihn mit einer energischen Bewegung aufs Sofa. „Ich habe zu arbeiten“, erkläre ich nachdrücklich. „Na gut, mach doch was du willst. Aber wenn die Zombieapokalypse irgendwann kommt und ich dich dann nicht verteidigen kann, dann beklag dich nicht“, meckert er eingeschnappt. „Alles klar, ich werde daran denken, wenn es soweit ist.“

Wird ja hoffentlich erst nach dem vierten April eintreten, sage ich mir, schließe sein Spiel und öffne meine Dokumente. Der Donnerschlag vor der Apokalypse könnte allerdings deutlich früher als erwartet eintreten. „Wo ist mein Text mit der Ankündigung für die Lesung?!“, schreie ich ihn an. Er zuckt nur mit den Schultern. „Ich musste ein bisschen Platz auf der Festplatte schaffen, als ich das Spiel installiert hab.“

Wütend funkle ich ihn an und erkläre ihm dann zum x-ten Mal, dass das mein Computer ist, dass ich den zum Arbeiten brauche und er gefälligst seine Tatzen davon zu lassen hat. Da es aber sowieso keinen Zweck hat, setze ich mich einfach ran und schreibe einen neuen Text. Nach einer Weile schaut er mir über die Schulter.

„Bärchenstunde“, liest er, „na, immerhin machst du schon im Titel klar, wer bei der Sache wirklich wichtig ist.“ „Pass jetzt besser sehr genau auf, was du sagst, sonst schreibe ich statt einer Ankündigung einen Nachruf.“ Dank meiner Wut kann ich mich im Moment leider auch gar nicht konzentrieren und bekomme nichts Vernünftiges zu Papier.

„Pah“, meint er irgendwann, „wer schreibt denn heute noch Ankündigungen für die Zeitung?“ Mein Blick, den ich ihm aus zu Schlitzen verengten Augen zuwerfe, müsste eigentlich eindeutig sein, beeindruckt ihn jedoch in keiner Weise. „Ja, im Ernst. Wenn du wirklich willst, dass Leute zu deiner Lesung kommen, dann solltest du ein Video drehen und in den sozialen Netzwerken posten. Ein Video von mir. Und warum ist es eigentlich kostenlos? Für mich würden die doch auch Eintritt bezahlen! Wirst schon sehen, dann können die sich in der Osteroder Bibliothek vor Besuchern kaum retten“, erklärt er mir besserwisserisch und unterstreicht es mit vehementem Kopfnicken.

„Alle, die kommen, werden noch froh sein, wenn sie sich vor dir retten können“, gebe ich bissig zurück. „Okay. Lassen wir es drauf ankommen“, schlägt er vor, „du schreibst deinen drögen Text, ich stelle mein Video online und am 4. April um... wann geht es nochmal los?“ „Um 19 Uhr.“ „Genau. Da fragen wir die Leute dann, ob sie wegen dir oder wegen mir da sind.“ „,Deinetwegen‘ oder ,meinetwegen‘“, murmele ich noch, doch das hört er schon längst nicht mehr und posiert schon vor der Kamera.

Das Video gibt es hier (externer Link).


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