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Sonntag, 26. Mai 2019
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Geschrieben von Peter Bischof (Förderverein Schloss Herzberg) am 12. Mai 2019
Kultur und mehr

Dorothea und Christian Ludwig feiern Auferstehung

Beim Museumstag am 19. Mai 2019 werden Szenen aus der Geschichte des Welfenschlosses gespielt

Sie wollen Geschichte und Geschichten lebendig erzählen. Alle Namen und Rollen unter dem Text. (Fotos: Förderverein Schloss Herzberg)
Sie wollen Geschichte und Geschichten lebendig erzählen. Alle Namen und Rollen unter dem Text. (Fotos: Förderverein Schloss Herzberg)
Wolfgang Zeiss wird als Amtmann von Uslar die Besucher des Museumstages am Schlosstor begrüßen.
Wolfgang Zeiss wird  als Amtmann von Uslar die Besucher des Museumstages am Schlosstor begrüßen.
Manfred Kirchner ist nicht nur Knecht Dreger, sondern auch Initiator und Drehbuchschreiber.
Manfred Kirchner ist nicht nur Knecht Dreger, sondern auch Initiator und Drehbuchschreiber.
Hoch motiviertes Team: Manfred Kirchner und seine Mitstreiter bei der Generalprobe.
Hoch motiviertes Team: Manfred Kirchner und seine Mitstreiter bei der Generalprobe.
Wilfried Dittmann als Christian Ludwig, der im Schloss den Sieberflügel bauen ließ.
Wilfried Dittmann als Christian Ludwig, der im Schloss den Sieberflügel bauen ließ.

Herzberg. „Christian Ludwig, wie soll das hier weitergehen? Erst verbaut deine Mutter ein Vermögen für den Fürstenflügel. Und jetzt du noch mit deinen Plänen für den Schlossturm und Sieberflügel. 16.000 Taler! Du in Celle, deine Brüder in Hannover. Wenn du da überall Möbel reinstellst, kostet das uns ein Vermögen.“ So oder ähnlich wird vielleicht Fürstin Dorothea von Holstein-Glücksburg im Jahr 1663 ihrem Mann Herzog Christian Ludwig den Kopf gewaschen haben. Und der wird vielleicht geantwortet haben: „Sei nicht so geizig. Ich muss dem Friedrich von Preußen hier was bieten, wenn ich ihn zur Jagd nach Herzberg einlade!“

 

Historische Figuren lebendig dargestellt

‪Am Sonntag, 19. Mai 2019, dem internationalen Museumstag, hat das Team des Schlossmuseums in Herzberg zwei szenische Führungen geplant. Die Führungen beginnen um 11 und um 14.30 Uhr und sollen jeweils rund 90 Minuten dauern. Fürstinnen und Fürsten, eine Magd und ein Knecht, ein Amtmann, ein Müller und ein Köhler und viele andere historische Figuren werden kleine Szenen aus der Geschichte des Schlosses Herzberg spielen.

‪Auch Geschichten der Herzberger Bürger werden erzählt. Das Deutsche Theater Göttingen hat das Team des Schlossmuseums mit Kostümen unterstützt. „Wir durften uns auch ein paar Utensilien bei Freunden und Bekannten ausleihen“, sagt Manfred Kirchner, der federführend bei der Umsetzung des Projektes war.

 

„Die haben mich ganz schön gelinkt, die Braunschweiger.“

Wolfgang Zeiss als Orgelbaumeister Engelhardt

 

 

‪Von Fürstin Clementina ‪bis zum Knecht Dreger

Manfred Kirchner übernimmt selbst die Rollen als Knecht Dreger und als Gewehrfabrikinspektor Casimir Tanner, Jäger am fürstlichen Hof. Wolfgang Zeiss wird als Amtmann von Uslar und Orgelbaumeister Engelhardt auftreten.

Die Rolle der Fürstin Clementia von Zähringen übernimmt Rosemarie Matwijow, Jeny Fischer-Wiegand die der Fürstin Dorothea von Holstein-Glücksburg und Fürstin Anna Eleonore. Michael Wolf ist der Fürst Georg von Calenberg. Weiterhin treten Claus Dieter Meyer als Müller Rohrmann und Köhler und Detlef Bayer als Mönch auf.

 

Teure Kleider und pompöse Hochzeit

Wilfried Dittmann muss sich als Fürst Christian Ludwig von seiner Gemahlin Dorothea seine hohen Ausgaben und seinen verschwenderischen Lebensstil in Herzberg vorhalten lassen „Du hast ein wunderschönes Schloss in Celle. Und dann willst du hier noch einen Haufen Geld ausgeben? Dabei hätte ich so gern ein Sommerfest in Celle gefeiert. Und dabei sagst du immer, dass du kein Geld dafür hast.“ Und er rechtfertigte sich eventuell so: „Ja, weil du auf großem Fuß lebst. Allein die Schneiderrechnungen im letzten Jahr!“

„Quatsch! Wenn ich repräsentieren soll, kann ich doch nicht immer wieder mit demselben Kleid auftreten! Aber für deine alberne Jagdleidenschaft hast du Geld über.“

„Ich habe schon gespart, wo es nur geht. Ich denke, die 16.000 Taler für den Turm und alles Weitere sind gut angelegt. Liebste Dorothea, unsere Hochzeit 1653 in Celle hat 110.000 Taler verschlungen. Da waren wir fast pleite. Dagegen sind diese 16.000 Taler nichts.“

 

Spannender Geschichtsunterricht

So oder ähnlich wollen die Museumsmitarbeiter das Herzberger Welfenschloss am Museumstag zum Leben bringen. Wolfgang Zeiss als Amtmann von Uslar wird die Besucher zu Beginn jeder Führung am Schlosstor empfangen. Wenn Geschichte so lebendig vorgetragen wird, bleibt bei den Zuhörern sicherlich vieles besser in Erinnerung, als wenn es in einem trockenen Geschichtsbuch gelesen wird. Und es soll auch die eine oder andere Parallele zur Gegenwart gezogen werden.

„Liebe Gäste. Vor ein paar Wochen ist Notre Dame abgebrannt. So ähnlich muss es hier 1510 auch gewesen sein. Das war schon übel. Da ist die damalige Burg völlig abgebrannt. Schrecklich. Der Sohn des damaligen Fürsten Philipp I., er hieß ebenfalls Philipp, ist gestorben, ebenso sind eine Magd und ein Knecht in den Flammen umgekommen.“

 

Auch alltägliche Anekdoten

Doch es werden auch Geschichten aus dem alltäglichen Leben erzählt. So berichtet eine Magd: „Die Soße wird dann warm gemacht und über einen Karpfen gegeben. Dazu gibt es Sauerkirschmarmelade. Else, Küchenmagd hier, hat mir desletzten heimlich eine Probe von der Soße gegeben. Sie meint, dann könne mir keine Hexe und kein Teufel mehr was anhaben. Also, drei Löffel von der Soße haben mir gereicht. Greußlich, das zieht einem die Haut am Hintern zusammen.“

Oben im Museum wird Johann Andreas Engelhardt von Wolfgang Zeiss zum Leben erweckt: „Ich bin Orgelbaumeister, 1804 bei Naumburg geboren und seit 1829 hier in Herzberg tätig. Ich habe 1829 hier geheiratet. Meine erste Orgel habe ich 1830 in der Lerbacher Pfarrkirche eingebaut. Ich habe viele Orgeln gebaut, so für die Marktkirche in Goslar, die St. Cyriakus-Kirche in Duderstadt, die Orgel im Dom zu Braunschweig, in der St. Jakobi-Kirche in Osterode und in der Nicolai-Kirche in Herzberg. 1859 musste ich Konkurs anmelden, ursächlich wegen des Umbaus der Orgel im Dom Braunschweig. Die haben mich ganz schön gelinkt, die Braunschweiger. Ich habe aber danach noch weiter gearbeitet, bis ich 1866 von dieser Welt geschieden bin.“

Selbstverständlich können die Besucher des Museumstages im Schloss auch das Museum besichtigen oder bei den szenischen Führungen nach Belieben ein- oder aussteigen.

 

Zum Foto ganz oben (v.l.): Manfred Kirchner als Gewehrfabrikinspektor Casimir Tanner, Detlef Bayer als Mönch, Wolfgang Zeiss Amtmann von Uslar, Rosemarie Matwijow als Clementia von Zähringen, Jeny Fischer-Wiegand als Dorothea von Holstein-Glücksburg, Michael Wolf als Fürst Georg von Calenberg, Wilfried Dittmann als Christian Ludwig und Claus Dieter Meyer als Müller Rohrmann.


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