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Samstag, 17. August 2019
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Geschrieben von Christian Dolle am 13. August 2019
Kultur und mehr

„Ich neige zur Rampensau“

Mordsharz 2019: Interview mit dem „Harzer Hammer“-Preisträger und Krimiautor Christof Weigold

Der blutrote Teppich ist der neue Krimi von Christof Weigold.
Der blutrote Teppich ist der neue Krimi von Christof Weigold.
Christof Weigold (links) bekam den Harzer Hammer 2018 von Oliver Bottini überreicht.
Christof Weigold (links) bekam den Harzer Hammer 2018 von Oliver Bottini überreicht.
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Ein Festival – vier Orte – drei Bundesländer. Vom 11. bis zum 14. September steigt das Mordsharz-Festival 2019. Eröffnet wird es von Krimiautor Christof Weigold, der im vergangenen Jahr den ersten „Harzer Hammer“ verliehen bekam, den vom Mordsharz-Team ins Leben gerufenen Nachwuchspreis. Journalist und Mordsharz-Mittäter Christian Dolle hat Christof Weigold interviewt.

 

Christof, letztes Jahr hast du beim Mordsharz-Festival den ersten Harzer Hammer gewonnen. Wo steht das schwere Teil inzwischen eigentlich?

In meinem Wohnzimmer im obersten Fach eines Bücherregals, das tatsächlich noch nicht unter der Last zusammengebrochen ist!

Dein preisgekröntes Erstlingswerk „Der Mann, der nicht mitspielt“ ist im Hollywood der 1920er Jahre angesiedelt, welche Beziehung hast du zu dieser Zeit?

Ich bin als Kind mit Stan & Ollie und Charlie Chaplin und „Männern ohne Nerven“ aufgewachsen, das war die erste große Faszination. Als Drehbuchautor habe ich mich dann natürlich für Hollywood begeistert, bin dorthin gereist und habe ungezählte Biographien gelesen. Die Frühzeit und die Anfänge fand ich besonders spannend, zumal Hollywood von einem Deutschen mitgegründet wurde, und so hat sich über die Jahre der Stoff für die Buchreihe zusammengesetzt.

Wie recherchierst du denn über das Hollywood von damals und vor allem über all die Anspielungen, Figuren und zum Teil Geschehnisse, die ja auf Fakten basieren?

Jeder Band der Reihe behandelt ja einen authentischen, unaufgeklärten Skandal oder Mordfall. Die Bücher darüber und Biographien der Beteiligten sind natürlich tolle Quellen. Für jeden Band rückt ein Hollywoodstar in den Vordergrund, im ersten Komiker Fatty Arbuckle und der deutsche Universal-Gründer Carl Laemmle, im zweiten Charlie Chaplin. Vor Ort habe ich im Los Angeles Police Museum, im Hollywood Heritage Museum, in New York und in San Francisco recherchiert und mit Historikern gesprochen. Einzelne Milieus wähle und recherchiere ich gezielt, zum Beispiel für Band zwei mit dem Deutschen Museum München über Flugpioniere von 1922.

Mit Film und Fernsehen unserer Zeit hast du ja durchaus auch zu tun. Was hast du schon alles gemacht oder was waren deine Highlights?

Ich habe anfangs Theaterstücke geschrieben, war dann in den glorreichen Anfangsjahren der „Harald Schmidt-Show“ Autor dort und habe auch oft als Schauspieler mitgewirkt. Seit 2000 folgten Drehbücher für Fernseh- und Kinofilme, unter anderem entwarf ich welche für Til Schweiger und Matthias Schweighöfer. Als Schauspieler stand ich 2017 in dem ARD-Moshammer-Film „Der große Rudolph“ vor der Kamera, unter anderen mit Hannelore Elsner.

Siehst du eigentlich beim Schreiben den Film zum Buch immer schon vor dir?

Ja, ich schreibe immer sehr visuell, schon durch meine Drehbucherfahrung. Wobei sich meine Ortskenntnisse und meine Fantasie dann stark vermischen – notwendigerweise, denn das Hollywood der Frühzeit sah ja noch ganz anders aus als heute, es war eher ein staubiges Dorf.

Wie sieht dein Kommissar Hardy Engel denn in deiner Vorstellung aus? Oder welchen Schauspieler würdest du dir für ihn wünschen, wenn du freie Auswahl hättest?

Er wird beschrieben als Anfang dreißig, blond und blauäugig, mittelgroß und kräftig. Er agiert kompromisslos, ist unbestechlich und hat einen bösen Humor. Man könnte sich jemanden vorstellen wie Jürgen Vogel in diesem Alter – oder in Hollywood etwa Ryan Gosling.

Dein neuer Krimi „Der blutrote Teppich“ spielt ein Jahr nach dem ersten Fall, was magst du uns schon verraten?

Es geht um den authentischen, legendärsten Mordfall Hollywoods, der bis heute unaufgeklärt ist, den Tod des Starregisseurs William Desmond Taylor. Dieser hatte mit zahlreichen weiblichen Stars ein enges Verhältnis. Mein Detektiv Hardy Engel war mit Taylor befreundet, sollte einen Auftrag für ihn übernehmen und gerät selbst ins Visier der Staatsanwaltschaft. Er ermittelt unter anderem in New York, im Studio von Charlie Chaplin, und gerät an eine undurchsichtige und sehr forsche junge Regisseurin namens Polly Brandeis, die mit dem Fall zu tun zu haben scheint...

Wie viel davon ist Wahrheit, wie viel hast du erfunden?

Ich folge den bekannten Fakten des echten, ungelösten Mordfalles sehr weitgehend. Fiktiv ist mein Detektiv und die eine oder andere Figur hält Überraschungen bereit, die eine Mischung aus Fakten und Fiktion sind... Ich habe vier Sachbücher zu dem Fall gelesen, jedes hatte eine andere, durchaus plausible Theorie für die Auflösung. Die, die ich gewählt habe, ist eine sehr spezielle, die erst ganz am Ende nach vielen Wendungen offengelegt wird.

Fällt der zweite Band einer Serie eigentlich leichter oder schwerer als der erste?

Sowohl leichter, da man ja schon auf etwas aufbauen kann, als auch schwerer – Band zwei ist aber kaum mit Band eins zu vergleichen, da ich diesmal einen klassischen Mordfall und damit eine völlig andere Geschichte erzähle. Die Hauptfigur, meinen Detektiv Hardy Engel, weiterzuentwickeln, war sehr reizvoll: Er trifft diesmal eine neue, ganz besondere und herausfordernde Frau und geht in den Ermittlungen wieder durch die Hölle – aber durch eine noch krassere als in Band eins.

Am Mittwoch, 11. September 2019, um 18.30 Uhr eröffnest du mit deiner Lesung aus „Der blutrote Teppich“ das diesjährige Mordsharz. Stehst du eigentlich gerne im Rampenlicht oder sitzt du im Grunde lieber am Schreibtisch?

Ich mag Lesungen sehr gerne – in mir steckt ja selbst ein halber Schauspieler – und ich mag es auch sehr, Leute zu unterhalten und in Kontakt mit meinem Publikum zu treten. Ich sitze dann auch ganz gerne wieder am Schreibtisch, aber wenn es bei Autoren die Unterscheidung gibt zwischen Rampensäuen und eher Introvertierten, neige ich zur Rampensau.

Im Anschluss an die Lesung überreichst du dann auch den diesjährigen Harzer Hammer. Wir diskutieren in der Jury immer noch, welches der eingesandten Erstlingswerke ihn am meisten verdient hat. Was macht für dich einen guten Krimi aus?

Gerade bei einem Erstling, dass jemand seinen oder ihren eigenen Stil findet – einen originellen, möglichst unvorhersehbaren Plot erzählt – und den Leser einfach bis zur letzten Seite fesselt!

Was schätzt Du an Mordsharz?

Abgesehen davon, dass die Veranstalter da einen tollen Preis gestiftet haben: Sie haben wirklich schöne und stimmungsvolle Veranstaltungsorte ausgewählt, ein exquisites Programm mit vielen internationalen Autoren zusammengestellt, und besonders schön und spannend fand ich auch all die Begegnungen rund um das Festival!

 

 

Mehr Informationen zu Mordsharz, zum Programm, zu Tickets und natürlich zu den Autoren gibt es unter www.mordsharz-festival.com (externer Link).


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