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Freitag, 13. Dezember 2019
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Geschrieben von Christian Dolle am 02. September 2019
Kultur und mehr

Die Bullenbrüder ermitteln

Hans Rath und Edgar Rai lesen bei Mordsharz in Nordhausen aus „Tote haben keine Ferien“

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Mit Humor ist das so eine Sache. Der eine feiert ihn, der andere kann so gar nichts damit anfangen. Alles sehr subjektiv eben. Bei humorvollen Krimis ist es sogar noch schwieriger, denn da muss nicht nur auf die individuellen Lachmuskeln des Lesers, sondern ebenso auf sein Empfinden für das richtige Maß an Spannung abgezielt werden. Nicht jeder findet es lustig, wenn Leichen zerstückelt werden, und mancher kann auch nichts damit anfangen, wenn der eigentliche Kriminalfall auf eine Seite des Buches gepasst hätte.

Um es kurz zu machen, es gibt viele humorvolle Krimis, in denen entweder der Humor zu platt oder aber die Krimihandlung zu dünn ist. Bei Hans Rath und Edgar Rai und ihren Bullenbrüdern ist das zum Glück nicht der Fall. Zum einen haben die beiden Autoren mit den ungleichen Brüdern Charlie und Holger Brings ohnehin schon zwei unterhaltsame Charaktere geschaffen, zum anderen ermitteln die beiden mal in einem aufstrebenden Smoothie-Startup und mal – also im neuesten Band der Serie – bei einer wirtschaftlich abgestürzten Airline.

 

Bissige Sozialkritik und auf die Spitze getriebene Comedy

Charlie ist als Privatdetektiv tätig und bekommt in diesem Roman den Auftrag, den Chef der insolventen Airline zu schützen, während Holger als Kommissar anfangs einen Selbstmord zu untersuchen hat, der allerdings einige Ungereimtheiten bereithält. Dass die ins Umfeld der Airline führen und beide Handlungsstränge später miteinander verwoben werden, darf an dieser Stelle wohl gespoilert werden.

Der Fall als solcher hätte auch in einem gesellschaftskritischen Tatort stattfinden können, in dem die Ermittler herausfinden, auf welch schmutzigen Wegen sich die Verantwortlichen des Unternehmens aus der Affäre ziehen wollen, während die kleinen Angestellten und deren Familien vor die Hunde gehen. Teils bissige Sozialkritik und dazu Charlie als überforderter Personenschützer, der sich in der Gesellschaftsschicht, mit der er es zu tun bekommt, so gar nicht wohlfühlt, das ist einerseits spannend, andererseits auch voller feiner Satire, die gut zu unterhalten weiß.

Doch damit begnügen sich Rath und Rai noch nicht. Zudem bekommt Holger es mit Mutter Anita zu tun, die plötzlich ihre 68er-Überzeugungen wiederentdeckt und unter anderem barbusig protestiert. Vermutlich kein schöner Anblick, dafür aber großartig auf die Spitze getriebene Comedy um die etwas in die Jahre gekommene Femme fatale, die ihren Söhnen natürlich hochnotpeinlich und den Fans der Bullenbrüder bereits bekannt ist. Sie ist die Figur, die für das Chaos sorgt, für Anarchie, für Schenkelklopfer sozusagen, völlig überzogen also, doch nie so albern dargestellt, dass es anstrengend wird oder die Geschichte vollkommen überschattet.

 

Am 14. September 2019 beim Mordsharz

Nun ist auch das natürlich ein subjektives Urteil, doch Rath und Rai gehören für mich zu den wenigen Autoren, denen es gelingt, dass ich in einem Krimi gleichermaßen kichern und lachen kann, dennoch aber immer wissen möchte, wie es weitergeht und bei der Auflösung des Falles mitrate. Selbst nach Ende der Lektüre bleiben für mich einige drängende Fragen offen. Ist beim Schreiben vielleicht einer für den Humor und der andere für den Krimi zuständig? Oder schreibt einer über Holger und der andere über Charlie? Wie funktioniert das eigentlich bei einem Autorenduo?

Diese Fragen werde ich Hans Rath und Edgar Rai auf jeden Fall am 14. September 2019 stellen, wenn sie ab 18 Uhr beim Mordsharz-Festival im Tabakspeicher in Nordhausen zu Gast sind und aus „Tote haben keine Ferien“ lesen. Und wer nun wirklich mit humorvollen Krimis nichts anfangen kann, dem sei der Abend im Tabakspeicher dennoch empfohlen, denn ab 19.30 Uhr wird Hazel Frost ihren Thriller „Last Shot“ vorstellen und ab 21 Uhr werden der Norweger Ingar Johnsrud und als deutsche Stimme Dietmar Wunder aus dem Politthriller „Der Verräter“ lesen.

 

Diesen Text gibt es auch als Video auf YouTube (externer Link).

Weitere Informationen zu Mordsharz, zum Programm und auch zum Kartenvorverkauf gibt es unter www.mordsharz-festival.com (externer Link).


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