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Samstag, 07. Dezember 2019
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Geschrieben von Christian Dolle am 03. September 2019
Kultur und mehr

Horrorvision einer technisierten Zukunft

Su Turhan liest bei Mordsharz aus seinem Thriller „Die Siedlung“

Die Bilder, die Su Turhan schafft, ersetzen im Kopf so manche teuer produzierte Serie: In Goslar steht „Die Siedlung“ auf dem Mordsharz-Programm.
Die Bilder, die Su Turhan schafft, ersetzen im Kopf so manche teuer produzierte Serie: In Goslar steht „Die Siedlung“ auf dem Mordsharz-Programm.
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Die Siedlung ist ein Vorzeigeprojekt, ein großer Schritt in Richtung Zukunft. Nicht nur die Häuser sind smart, genaugenommen ist alles miteinander vernetzt, das Glück der Bewohner kann hier offenbar vom selbstlernenden Computer gesteuert werden. Doch warum gibt es plötzlich mysteriöse Todesfälle? Warum schottet der Siedlungsleiter in seiner Villa so vieles vor der Öffentlichkeit ab? Das versucht Helen herauszufinden, indem sie sich verdeckt in der Siedlung einmietet und noch nicht ahnt, dass sie sich damit in Lebensgefahr bringt.

„Die Siedlung – Sicher bist du nie“ klingt auf den ersten Blick wie eine neue Mysterieserie auf Netflix, ist aber der neue Thriller von Su Turhan, der sowohl an internationalen Filmprojekten mitwirkte und Drehbücher, aber auch Krimis um Kommissar Pascha schrieb. Mit diesem Buch entwirft er ein Szenario um Smarthomes, neueste Technologien und intelligente Systeme, mit dem er sich durchaus ins Terrain von Stanislaw Lem oder Isaak Asimov vorwagt.

 

Geheimnis im unterirdischen Bunker

Putzroboter kümmern sich um den Haushalt, auch das Einkaufen wird erledigt, so dass sich die Bewohner auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens konzentrieren können. Das hat zur Folge, dass an der ortseigenen Schule nur Genies zu finden sind, wie Protagonistin Helen feststellen muss, die natürlich unabhängig vom Einkommen der Eltern gefördert werden. Siedlungsleiter Adam schwebte eine moderne Form der Sozialsiedlung nach dem Vorbild der Fuggerei vor, heißt es an einer Stelle, womit auch deutlich wird, warum der Autor seinen Roman vor den Toren Augsburgs spielen lässt.

Die Tore der Siedlung jedenfalls werden streng bewacht, anfangs noch von Sicherheitsleuten, später dann von Robotern. Noch strenger bewacht wird allerdings ein unterirdischer Bunker, in dem ein Forschungslabor untergebracht ist und zu dem auch Helen natürlich keinen Zugang hat. Dennoch liegt hier das eigentliche Geheimnis der Siedlung, findet sie bald heraus, ein Geheimnis, dass Adam um jeden Preis schützt – auch gegen sie.

 

Nicht die Technik, einzig der Mensch schafft das Böse

Ein fiktiver Thriller und Zukunftsmusik, so scheint es, doch Turhan schafft es, all das mit Technologien zu erklären, die heute schon möglich sind, so dass der Roman zur Horrorvision einer gerade beginnenden Gegenwart wird. Doch genau hier zeigt sich dann vielleicht auch die größte Gemeinsamkeit mit Lem und Asimov, am Ende ist es nämlich nicht die Technik an sich, die Böses schafft, sondern einzig und allein der Mensch, der sie programmiert.

Wenn es dem Thriller vielleicht ein wenig an der visionären asimovschen Weitsicht und an der philosophischen lemschen Dichte fehlt, so hebt er sich doch deutlich von der üblichen Thrillerkost ab und regt immer wieder zum Nachdenken an. Da macht es dann nichts aus, dass es den Figuren manchmal an emotionaler Tiefe fehlt, die Bilder, die Su Turhan schafft, ersetzen im Kopf so manche  teuer produzierte Serie und sorgen dank vieler Verlinkungen auf reale technische Entwicklungen und aktuelle Forschungen auch gleich für das eine oder andere Sequel und Prequel.

 

Am 12. September 2019 beim Mordsharz in Goslar

In jedem Fall ist „Die Siedlung“ interessanter Stoff, um darüber zu diskutieren und genau das wird das Team des Mordsharz-Festivals mit dem Autor am Donnerstag, 12. September 2019, ab 21 Uhr im Weltkulturerbe Rammelsberg in Goslar auch tun. Dann nämlich ist Su Turhan bei Mordsharz zu Gast, liest zunächst aus diesem wirklich spannenden und für Gänsehaut sorgenden Thriller und wird sich anschließend sicher auch noch einigen Fragen stellen.

Zuvor, ab 18 Uhr, liest Frank Goldammer aus seinem in den 1950er Jahren spielenden Krimi „Roter Rabe“ und ab 19.30 Uhr stellt Susanne Mischke in einer Weltpremiere ihr neues Buch „Blank Space“ vor, in dem die Hauptfigur ohne jede Erinnerung in einer Psychiatrie aufwacht. Ein Besuch beim Mordsharz-Krimifestival lohnt sich also auf jeden Fall. Übrigens auch an der anderen Tagen in Wernigerode, Herzberg und Nordhausen.

Das gesamte Programm und viele weitere Infos gibt es unter www.mordsharz-festival.com (externer Link) und diese Rezension gibt es auch als Video auf YouTube (externer Link).


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