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Samstag, 07. Dezember 2019
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Geschrieben von Christian Dolle am 12. September 2019
Kultur und mehr

Vom Harz bis nach Hollywood

Mordsharz 2019: Eröffnungsgala mit Ane Riel, Uve Teschner, Christof Weigold und dem Harzer Hammer

Die Gewinner des Harzer Hammers 2019 stehen fest: Thomas Koehler und Konstantin Zorn, hier mit Laudator Andreas Gruber (rechts) und Vorjahressieger Christof Weigold (links).
Die Gewinner des Harzer Hammers 2019 stehen fest: Thomas Koehler und Konstantin Zorn, hier mit Laudator Andreas Gruber (rechts) und Vorjahressieger Christof Weigold (links).
Andreas Gruber hielt die Laudatio für Thomas Koehler (links) und Konstantin Zorn.
Andreas Gruber hielt die Laudatio für Thomas Koehler (links) und Konstantin Zorn.
Natürlich stellten Thomas Koehler (links) und Konstantin Zorn ihr frisch ausgezeichnetes Werk kurz vor.
Natürlich stellten Thomas Koehler (links) und Konstantin Zorn ihr frisch ausgezeichnetes Werk kurz vor.
Christof Weigold präsentierte seinen zweiten Fall aus Hollywood.
Christof Weigold präsentierte seinen zweiten Fall aus Hollywood.
Das Harz, nicht der Harz: Ane Riel und Uve Teschner lasen aus dem Überraschungsthriller aus Dänemark.
Das Harz, nicht der Harz: Ane Riel und Uve Teschner lasen aus dem Überraschungsthriller aus Dänemark.
Christoph Lampert im Interview mit Ane Riel und Uve Teschner.
Christoph Lampert im Interview mit Ane Riel und Uve Teschner.
Aufregende Kulissen gehören zum Mordsharz einfach dazu...
Aufregende Kulissen gehören zum Mordsharz einfach dazu...
......wie in der Kirche des Schlosses Wernigerode.
......wie in der Kirche des Schlosses Wernigerode.

Am späten Abend stand es dann fest: Der Harzer Hammer 2019 geht an Thomas Koehler und Konstantin Zorn. In der mordsharztypisch bunt erleuchteten Kirche des Schlosses Wernigerode konnten sie am Mittwoch (11.09.2019) den Krimipreis aus den Händen des Vorjahressiegers Christof Weigold in Empfang nehmen und die Freude darüber war beiden Newcomern deutlich anzusehen.

 

Wo die Grenzen zwischen Gut und Böse vollkommen verschwimmen

„Lambachs letzter Fall“ erzählt von einem erfahrenen Ermittler in Göttingen, der es mit einem äußerst perfiden Fall zu tun bekommt. Ein Körper, dem Arme und Beine abgetrennt wurden, wird in einem von der Decke hängenden Netz gefunden – das Grausame daran: der Mann lebt noch! Lambach muss feststellen, dass das Opfer einst selbst Täter war und alle Ermittlungen zunächst einmal keinen Sinn zu ergeben scheinen.

In seiner Laudatio stellte Bestsellerautor Andreas Gruber dann heraus, warum die Geschichte, die auf diesen ersten Schockmoment folgt, tatsächlich preiswürdig ist. Zum einen haben Thomas Koehler und Konstantin Zorn in der geschlossenen Akutpsychiatrie beziehungsweise in der Forensischen Psychiatrie gearbeitet und wissen daher, wovon sie schreiben. Zum anderen bleibt ihr Buch auch für Krimikenner immer unvorhersehbar und hebt sich damit vom Einerlei des Buchmarktes ab, nicht zuletzt deshalb, weil es ihnen gelingt, die Grenzen zwischen Gut und Böse vollkommen verschwimmen zu lassen. Einen Eindruck davon vermittelten die beiden Preisträger in einer kurzen Lesung, die definitiv neugierig auf das gesamte Buch machte.

 

Mord auf dem roten Teppich

Neugierig auf seinen Krimi machte im vergangenen Jahr ja auch Christof Weigold, der inzwischen einen zweiten realen Fall aus dem Hollywood der 1920er Jahre literarisch umgesetzt hat. In „Der blutrote Teppich“ ermittelt erneut sein Kommissar Hardy Engel und begibt sich in die Glitzerwelt der Stars und Sternchen, hinter deren Fassade es aber mitunter äußerst düster zugeht. Zu seinem Titel kam der Roman übrigens nicht nur, weil ein Mordopfer mitten auf dem roten Teppich gefunden wird, sondern auch, weil der Showdown auf jener Filmpremiere spielt, bei der dieses so symbolträchtige Utensil erstmals verwendet wurde.

In seiner Lesung machte Christof Weigold klar, wie eng er sich beim Schreiben an Fakten hält, auch daran halten muss. Der Mord an Regisseur William Desmond Taylor ist nämlich wirklich bis heute ungeklärt und es gibt mehrere unterschiedliche Theorien, die von einigen Cineasten bis heute diskutiert werden. „Also wissen die Leute auch sehr viel darüber und ich musste viele Details recherchieren“, erklärte der Autor.

Als besonderes Highlight gab es dann noch eine kurze Dialogpassage mit dem Sprecher seines Hörbuches, Uve Teschner, der mehr oder weniger zufällig eben auch bei Mordsharz war. In dieser Szene durfte Uve Teschner den Hardy Engel übernehmen, während Christof Weigold niemand geringerem als Charlie Chaplin seine Stimme lieh.

 

Ein Thriller, der eigentlich keiner sein sollte

Uve Teschner war aber eigentlich als deutsche Stimme der dänischen Autorin Ane Riel in Wernigerode, der Part mit Weigold war also wirklich spontan, das gibt es eben nur live bei einem Festival. Ganz nach Plan las der Synchronschauspieler aus „Harz“, das beinahe idyllisch von einer recht einsam auf einer Insel lebenden Familie erzählt, bevor es sich geradezu schleichend zu einer wahren Horrorgeschichte entwickelt.

Die Autorin, die zuvor Schulbücher schrieb, hatte es selbst eigentlich gar nicht als Thriller geschrieben, erzählte sie, es entstand aus einer Idee, die sie eines Nachts hatte, als sie nicht schlafen konnte, und sollte vor allem eine spannende Geschichte über die Angst vor Verlust werden. Als sie dann zunächst in Dänemark und später auch in ganz Skandinavien mehrere Thrillerpreise gewann, gestand sie sich ein, dass es wohl doch ein Thriller ist. Inzwischen ist das Buch aber auch verfilmt worden und gerade jetzt feiert in Toronto ein Horrorfilm zu ihrem Buch seine Premiere.

Auch wenn das Genre somit immer noch nicht ganz klar definiert ist, eindeutig ist, dass sich der Titel nicht auf den, sondern auf das Harz bezieht. „Aber wenn ein Buch ,Harz‘ heißt“, erläuterte Organisator Christoph Lampert, „dann müssen wir die Autorin zu Mordsharz einladen, ganz egal was drinsteht.“ Dass er damit richtig lag, zeigte sich bei der Lesung von Ane Riel und Uve Teschner deutlich, denn mit der außergewöhnlichen Story und den Einblicken in die Lebenswelt eines kleinen Mädchens, das unter unvorstellbaren Bedingungen aufwächst, zogen sie die Zuhörer voll in ihren Bann.


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