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Samstag, 07. Dezember 2019
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Geschrieben von Christian Dolle am 15. September 2019
Kultur und mehr

Fulminanter Abschluss des Festivals

Mordsharz 2019 in Nordhausen mit Hans Rath und Edgar Rai, Hazel Frost, Ingar Johnsrud und Dietmar Wunder

Für den Finalabend des Mordsharz 2019 diente der Tabakspeicher Nordhausen als Kulisse.
Für den Finalabend des Mordsharz 2019 diente der Tabakspeicher Nordhausen als Kulisse.
Können nicht nur zusammen schreiben, sondern auch zusammen lesen: Hans Rath (links) und Edgar Rai.
Können nicht nur zusammen schreiben, sondern auch zusammen lesen: Hans Rath (links) und Edgar Rai.
„Pulp Fiction“ als Vorbild beim Erzählen: Hazel Frost.
„Pulp Fiction“ als Vorbild beim Erzählen: Hazel Frost.
Legt Wert auf Atmosphäre: Ingar Johnsrud aus Norwegen...
Legt Wert auf Atmosphäre: Ingar Johnsrud aus Norwegen...
...Wiederholungstäter Dietmar Wunder übernahm erneut die Lesung einer deutschen Übersetzung bei Mordsharz...
...Wiederholungstäter Dietmar Wunder übernahm erneut die Lesung einer deutschen Übersetzung bei Mordsharz...
...Autorin und Journalistin Margarete von Schwarzkopf interviewte die Beiden zum Abschluss.
...Autorin und Journalistin Margarete von Schwarzkopf interviewte die Beiden zum Abschluss.

Zum zweiten Mal war Mordsharz in Nordhausen und dort ging es im Tabakspeicher auch gleich mit zwei Autoren los. Edgar Rai und Hans Rath lasen am Samstag (14.09.2019) aus ihrem Krimi „Tote haben keine Ferien“, ein Fall für die Bullenbrüder Holger und Charlie. Das Autorenduo lässt seine Ermittler gerne skurrile Fälle lösen, die aber durchaus in der Realität verortet und dementsprechend auch mal mit Seitenhieben gespickt sind.

 

Rasantes Hin und Her

Diesmal geht es um eine insolvente Brandenburger Airline beziehungsweise den Vorstandsvorsitzenden, der nun Angst vor den gar nicht so erfreuten Reaktionen seiner entlassenen Belegschaft hat. Charlie wird als Personenschützer angeheuert, während Holger eigentlich einen ganz anderen Fall bearbeitet, der aber früher oder später auch zum Klienten seines Bruders führt.

Soweit das Buch. In der Lesung bewiesen Hans Rath und Edgar Rai, dass sie nicht nur zusammen schreiben, sondern auch wunderbar zusammen lesen können. Es war im Grunde ein rasantes Hin und Her, in schneller Abfolge wechselten sie vom einen zum anderen und schafften es dabei sogar noch, ihren Figuren Leben einzuhauchen, so dass die Zeit wie im Fluge verging und beide Autoren ein hoch zufriedenes Publikum zurückließen.

 

Ein sehr wildes Kind

Dem widmete sich dann Hazel Frost mit ihrem Thriller „Last Shot“, in dem es deutlich derber, brutaler und schwarzhumoriger zugeht. „Es ist ein sehr wildes Kind“, erläuterte die Autorin, „dementsprechend lange hat es auch gedauert, bis mein Verlag dieses Buch veröffentlicht hat.“ Dass sie die Verleger letztlich überzeugen konnte, zahlt sich aber aus, denn all die skurrilen Figuren, die rasante Geschichte und der oft krasse Tonfall sind es in jedem Fall wert. „Wenn du jemanden ficken willst, dann fick ihn richtig“, heißt es an einer Stelle und Hazel Frost machte an diesem Abend auf jeden Fall alles richtig.

So las sie immer wieder Szenen vor, die sehr hart und abgebrüht klingen, erläuterte dann aber die Hintergründe und machte damit deutlich, warum sie so schreibt, wie sie schreibt. Beispielsweise nahm sie sich den Tarantino-Film „Pulp Fiction“ als Vorlage für ihre nicht lineare Erzählweise, wodurch eine ungewöhnliche Geschichte mit ganz eigener Dynamik entstand.

Inhaltlich erinnert eine von ihr geschriebene Szene an brutale Parkplatzmorde, die es in Frankreich tatsächlich gab, doch möchte Hazel Frost nicht „true crime“ schreiben, sondern rund um ihre sehr abseitigen und damit originellen Figuren etwas ganz Eigenes schaffen. So verlieh sie auch jeder einzelnen Figur eine eigene Stimme, womit sie große Lust auf den Roman machte. Natürlich wurde am Büchertisch dann auch zugegriffen und die Chance zum Signieren ergriffen.

 

Fast schon filmische Atmosphäre

Lust auf die Romane von Ingar Johnsrud machte die anschließende Lesung mit dem norwegischen Autor, der als deutsche Stimme keinen geringeren als Dietmar Wunder mit dabei hatte und zudem die Autorin und Journalistin Margarete von Schwarzkopf, die ihn interviewte. Johnsrud beantwortete viele Fragen zu seinen Thrillern, insbesondere zu seiner Hauptfigur Fredrik, der als Hauptkommissar und Familienvater ein recht geordnetes Leben führte, bevor sein jüngster Sohn bei einem Brand ums Leben kam und dieses Trauma nun sein Handeln bestimmt.

Dietmar Wunder, vielen vor allem als deutsche Stimme von James Bond bekannt, hauchte dem Kommissar Leben ein und ließ dabei auch alle Facetten dieses gebrochenen Charakters aufblitzen. Den knallharten Ermittler stellte er allein durch seine Stimme ebenso plastisch heraus wie den verletzten und von Schuldgefühlen geplagten Vater. Das liegt auch daran, erläuterte der Synchronsprecher, dass er die Szenen eben nicht einfach nur liest, sondern sie immer wieder als Film vor sich sieht und sich in die Personen hineinversetzt, die er gerade spricht. Das beeindruckte durchaus auch den Autor, der, wie er sagte, durchaus auch filmisch schreibt und sehr viel Wert auf Atmosphäre legt, sie aber so auch noch einmal deutlich spüren konnte.

 

Vorfreude auf das Zehnjährige

Mit einem langen und vor allem abwechslungsreichen und spannenden Abend im Tabakspeicher ging auch das diesjährige Mordsharz-Festival zu Ende, sehr zur Zufriedenheit der Organisatoren und – dem Lob nach zu urteilen – auch aller Besucher. Inzwischen sind viele zum wiederholten Male mit dabei, neue Gesichter kommen stetig hinzu und so freuen sich Roland Lange, Christoph Lampert, Jana Theuring, Andres Sack und Christian Dolle schon jetzt auf das kommende Jahr, in dem das Harzer Krimifestival sein Zehnjähriges feiern wird.

 

So war der dritte Tag beim Mordsharz 2019: Morbide Fantasien, unsichere Verhältnisse und bahnbrechende Wissenschaft


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