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Sonntag, 17. Oktober 2021
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Geschrieben von Christian Dolle am 18. September 2021
Kultur und mehr

Der Autor, sein Hörbuchsprecher und eine Thrillmödie

Mordsharz in Goslar mit Tatjana Kruse, Arno Strobel und Dietmar Wunder

Tatjana Kruse (Fotos: Christian Dolle)
Tatjana Kruse (Fotos: Christian Dolle)
Arno Strobel und Dietmar Wunder
Arno Strobel und Dietmar Wunder

Einen Tag vorm Start des Festivals erreichte das Mordsharz-Team die Nachricht, dass Jean-Luc Bannalec in Frankreich einen Unfall hatte und nicht in den Harz kommen kann. Die Lesung muss also ausfallen, denn eine Ersatzlösung ist so kurzfristig natürlich aussichtslos. Die gute Nachricht war, dass es für den Autor wohl ein Unfall mit vergänglichen Folgen war, die gute für Mordsharz, dass er versuchen will, seinen Besuch vielleicht schon im nächsten Jahr nachzuholen.

So musste der zweite Festivaltag in der Kaiserpfalz in Goslar ohne die „Bretonsche Idylle“ über die Bühne gehen, doch mit Tatjana Kruse, Arno Strobel und Dietmar Wunder auf der Bühne, gab es immer noch mehr als genug Krimi und an diesem Tag auch Humor fürs Publikum. Und das galt, obwohl Tatjana Kruse erst einmal kategorisch feststellte: „Premierenlesungen können nicht gut werden.“

Bevor sie aus ihrem brandneuen Roman „Schwund“ las, erläuterte sie dann erst einmal, dass sie ja achtzehn Monate allein zu Hause verbracht hatte, ohne Haustier und vor allem ohne Menschen. Dementsprechend sei sie so viele Zuhörer auch gar nicht mehr gewohnt. In dieser Zeit allerdings hat sie ihre erste „Thrillmödie“ geschrieben, also einen lustigen Thriller, der unter anderem deshalb witzig sein sollte, weil sie in regelmäßigen Abständen den Bodycount, also die Anzahl der gefundenen Leichen notierte.

Na, das konnte ja heiter werden und genau das wurde es auch. Zum einen, weil Tatjana Kruse eine Meisterin des schwarzen Humors ist und zum anderen auch noch eine großartige Entertainerin. So erzählte sie, sie habe online Leser gefragt, was diese wohl vermuten, wie viele Leichen sie im Buch erwarten. „Die Antwort war: vier“, berichtete sie, „Also bitte, für vier Leichen setze ich mich doch nicht an den Schreibtisch!“

Für besondere Begeisterung sorgte dann eine Passage, in der die Opfer des quer durch Deutschland ziehenden Mörders auch in Goslar gefunden werden, direkt vor der Kaiserpfalz. Hier mussten sich einige ängstliche Blicke vergewissern, dass alles nur in der Fantasie der Autorin bzw. auf den Seiten ihres Buches passierte. Zudem spoilerte Tatjana, dass es am Ende einen Twist geben wird, der wohl dafür sorgt, dass doch alles nicht ganz so grausam ist, wie es scheint.

Grausam allerdings ist das Thema in Arno Strobels neuestem Thriller „Mörderfinder“, in dem es um verschwundene und misshandelte Kinder geht. Allerdings, so machte der Autor deutlich, schreibe er Unterhaltung, was für ihn bedeutet, dass er sich zwar brisante und unangenehme Szenen vornimmt, jedoch keinerlei widerwärtige Details beschreibt, bloß um seine Leser damit zu schocken.

Er las zunächst den Prolog des Buches, in dem ein Vater den Rucksack seiner vor Jahren verschwundenen Tochter findet. Anschließend las Dietmar Wunder eine Szene, in der der ehemalige Ermittler und jetzige Dozent für angehende Polizisten, Max Bischoff, vorgestellt wird. Das Aufeinandertreffen beider Figuren lasen der Autor und der Hörbuchsprecher im Wechsel, wodurch die Dialoge eine besondere Intensität bekamen.

Zwischendurch gab es lockere Plaudereien der beiden, in denen Arno Strobel beispielsweise erklärte, dass er im Grunde nie eine Serie mit einem wiederkehrenden Ermittler hatte schreiben wollen. „Ich mag es nicht, dass einige Personen von Anfang an als Täter und auch als Opfer ausgeschlossen sind“, begründete er. Die Figur des Max Bischoff habe ihn aber nicht losgelassen, so dass dieser nun in einem weiteren Buch die Hauptrolle übernimmt.

Außerdem gab es eine Kurzgeschichte von ihm, die gar nichts mit Krimi zu tun hatte, viele Anekdoten der beiden und im Anschluss ein Interview, in dem Arno Strobel unter anderem deutlich machte, dass er seinen Beruf, der ihm so viel Spaß macht als großes Privileg ansehe, was Synchronsprecher Dietmar Wunder für sich ebenso betonte. „Das Schöne ist, dass mir das immer noch wahnsinnig viel Spaß macht“, sagte er und so endete dieser Abend dann ein wenig nachdenklich aber vor allem mit der positiven Erkenntnis, wie viel Spaß Kulturveranstaltungen machen können und wie wichtig sie auch als Ausgleich für den Alltag sind.


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