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Sonntag, 17. Oktober 2021
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Geschrieben von Christian Dolle am 20. September 2021
Kultur und mehr

Österreichischer Abend im Kloster

Alex Beer, Andreas Gruber und Bernhard Aichner lasen bei Mordsharz in Walkenried

Alex Beer (Fotos: Christian Dolle)
Alex Beer (Fotos: Christian Dolle)
Andreas Gruber
Andreas Gruber
Bernhard Aichner
Bernhard Aichner

Zum ersten Mal war Mordsharz im Kloster Walkenried zu Gast und auch, wenn Premieren ja eigentlich nicht gut werden können, hat alles super geklappt und es wurde ein spannender, humorvoller und abwechslungsreicher Abend. Und eben der österreichische Abend des diesjährigen Festivals mit Alex Beer, Andreas Gruber und Bernhard Aichner.

Den Anfang machte Alex Beer, die erst einmal erzählte, wie sie bei ihrem letzten Besuch am Northeimer Bahnhof festsaß, wo zuerst ein Zug ausfiel, es dann Schienenersatzverkehr geben sollte, es aber beim Versprechen blieb. Halb so schlimm, denn in ihrem neuesten Krimi entführt sie ihre Leser ins Wien des Jahres 1921, das von Inflation, Armut und Mangel bestimmt ist. Entgegen vieler historischer Romane will sie die Zeit darstellen, wie sie tatsächlich war, sagte sie und stellte in einer ersten Szene aus dem Buch dann erst einmal ihren Ermittler August Emmerich vor, ein zynischer, menschenfeindlicher Sonderling.

Hörte man Alex Beer genau zu und las zwischen den Zeilen, konnte schon der Eindruck entstehen, mit der Figur lebe sie etwas aus, was sie sich selbst nicht traut. Ein wenig bissig und vor allem pointiert kann sie nämlich auch sein. Als Historikerin sei ihr allerdings Recherche sehr wichtig, erzählte sie, deshalb habe es ihr in den vorigen Büchern schon ziemlich zugesetzt, wenn Leser ihr schrieben, wo sie Details falsch dargestellt habe. „Doch in 'Das schwarze Band' wurden bis jetzt keine Fehler gefunden“, verkündete sie stolz, „Es ist wasserdicht.“

Um „Todesschmerz“ sollte es anschließend bei Andreas Gruber gehen, immerhin die Weltpremiere des neuen Maarten S. Sneijder-Thrillers. Doch auch Andreas hatte erst einmal eine persönliche Geschichte zu erzählen. Wie alle seine Bücher hatte er nämlich auch dieses mit einem Countdown auf Facebook groß angekündigt. Allerdings war er in dieser Zeit mit Freunden auf einer Radtour und das auch noch völlig analog, so dass er die Postings für die letzten Tage vorm Erscheinen vorbereitet hatte. Leider war ihm dabei ein Tippfehler ausgerechnet im Namen seiner Hauptfigur durchgerutscht, so dass viele Fans nun tagelang verwirrt waren, ob es den einen neuen Helden gab oder was da wohl passiert war, und er nicht darauf antworten konnte.

Viele Antworten gab er allerdings im Interview, erzählte von seinem Werdegang zum Bestsellerautor, der mit Horrorkurzgeschichten in kleinen Anthologien begonnen hatte, die er auch heute noch gerne schreibt. „Bestsellerautor zu werden kann man sowieso nicht planen“, sagte er, „sonst steht einem nämlich genau dieser Plan im Wege.“

Den Abschluss des durchweg gelungenen österreichischen Abends machte Bernhard Aichner, der aus „Dunkelkammer“ las, weil dort die Figur des Pressefotografen Bronski vorgestellt wird, aber auch über den zweiten Teil „Gegenlicht“ sprach. Dieser Thriller beginnt damit, dass ein Mann und eine Frau im Garten sitzen, plötzlich etwas vom Himmel fallen sehen und dann entsetzt feststellen, dass es ein Farbiger ist, der tot mitten auf dem Rasen landet.

Was skurril klingt, basiert auf einer Zeitungsmeldung, die Bernhard Aichner zu dieser Geschichte inspirierte und mündet für Bronski in eine an die Substanz gehende Recherche in Afrika, bei der es um Kindersoldaten geht und darum, was das Morden mit ihren Seelen macht.

Trotz des ernsten Themas gelang es auch Bernhard Aichner, das Publikum zum Lachen zu bringen, unter anderem mit einer Geschichte über ein Gebiss, das ihm angeblich ein weiblicher Fan geschickt habe, was er dann doch ziemlich seltsam fand. „Das...“, löste er auf, „war gelogen. In Wahrheit sind es die Zähne der Godmother of Crime, Agatha Christie.“ Hm...


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