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Samstag, 28. Januar 2023
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Geschrieben von PM Förderverein Schloss Herzberg e.V. am 28. Oktober 2022
Kultur und mehr

Karl der Große und die Sachsen

Vortrag im Herzberger Schloss

Dr. Pischke während ihres Vortrags
Dr. Pischke während ihres Vortrags

Auf Einladung des Fördervereins Schloss Herzberg war Frau Dr. Pischke vom Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Uni Göttingen nach Herzberg gekommen, um im Rahmen der Herzberger Schlossvorträge die Rolle Karls des Großen zu den Sachsen vorzustellen. Es handelte sich, so die Referentin,  um eine gespannte und von vielen kriegerischen Auseinandersetzungen gekennzeichnete Beziehung. Auf der einen Seite die Franken mit ihrem König Karl, auf der anderen Seite die selbstbewussten und nach Unabhängigkeit strebenden Sachsen. Dokumentiert wurden die vielen Kriegszüge Karls des Großen in die Lande der Sachsen, Westfalen, Ostfalen, Engern und später auch Friesland und andere Bereiche in den Reichsannalen, die heute noch vorliegen und von Frau Dr. Pischke an verschiedenen Beispielen vorgestellt wurden.

Die Sachsenkriege wurden von Karl dem Großen von 772 bis 804 geführt, wobei den einzelnen Kriegszügen Einigungen mit den Sachsen folgten, die aber meist schon wenig später wieder von den Sachsen gebrochen wurden. Neben der Integration der Sachsen in das Frankenreich war ein weiteres Ziel die Christianisierung der Sachsen. In einem ersten Schritt wurde bei Eresburg das Heiligtum der Sachsen, die Irminsul, zerstört. Die Donar-Eiche war schon 732 von Bonifazius bei Fritzlar gefällt worden. Die besiegten Sachsen wurden häufig gezwungen, sich taufen zu lassen, zum Christentum zu wechseln und ihren Göttern abzuschwören. Weigerten sich die Sachsen, so wurde der Widerstand mit dem Schwert oder duch Deportation durchgesetzt. Den Höhepunkt bildete das Verdener Blutbad aus dem Jahr 782, bei dem über 4.000 Sachsen enthauptet wurden, so zumindest die Überlieferungen. Immer wieder kam es in den Sachsenlanden und bei Paderborn und Minden zu kriegerischen Auseinandersetzungen.

Größter Widersacher Karls war der Sachsenfürst Widukind. Seine Rolle, so die Referentin, werde aber durch Mythen überbewertet. Widukind führte die Sachsen bei mehreren Schlachten gegen das Heer Karls des Großen an, war aber nicht erfolgreich und musste über die Elbe flüchten. 785 schloss Widukind mit Karl dem Großen Frieden, ließ sich taufen und trat zum Christentum über. Danach verliert sich seine Spur in den Geschichtsbüchern.

Neben der Christianisierung mit dem Schwert erließ Karl mehrere Gesetze, mit denen hohe Strafen bis zum Tod bei Leugnung des Christentums angedroht wurden, so in der Grafschaftsverfassung aus dem Jahr 782. Die harten Regelungen wurden dann von Karl durch die Lex Sachsinium in den Jahren 802-803 gemildert. Die letzte große Maßnahme war die Zwangsumsiedlung von etwa 10.000 Sachsen nach Franken 804. In den Folgejahren kam es zu vielen Klostergründungen, so 815 des Klosters Corvey und 852 des Damenstifts Gandersheim.

In der auf den Vortrag folgenden Diskussion wurde noch einmal deutlich, dass Karl der Große ein zwiespältiger Herrscher war, der harte Verfechter des Christentums und der König und spätere Kaiser, der heute als Verfechter eines einigen Europas gilt.


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