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Mittwoch, 17. Juli 2019
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Geschrieben von Boris Janssen am 19. September 2014

Kultur und mehr

Wenn Kinderträume wahr werden

Die drei ??? eröffnen das 4. Mordsharz Literaturfestival

Christoph Dittert mit seinen drei ???. Das fünfte Buch von links ist übrigens die polnische Ausgabe von „Geheime Botschaften“ – eine chinesische soll bald folgen.
Christoph Dittert mit seinen drei ???. Das fünfte Buch von links ist übrigens die polnische Ausgabe von „Geheime Botschaften“ – eine chinesische soll bald folgen.
Natürlich gab der Autor am Ende auch fleißig Autogramme…
Natürlich gab der Autor am Ende auch fleißig Autogramme…
…und hatte gleichfalls gehörigen Spaß dabei.
…und hatte gleichfalls gehörigen Spaß dabei.

Mit Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews haben am Freitagmorgen (19.09.2014) drei Weltstars das 4. Mordsharz Literaturfestival eröffnet. Was??? Sie kennen die nicht??? Da gehören Sie aber zu einer ganz kleinen Minderheit. Als Christoph Dittert seine Zuhörer fragte, ob er die drei noch jemanden vorstellen müsse, hoben sich im Saal der Herzberger Central-Lichtspiele gerade einmal zwei Finger. Alle anderen kannten sie natürlich – die drei Fragezeichen. Die berühmten, ewig jugendlichen Detektive aus Rocky Beach.

Christoph Dittert ist einer der auserlesen Handvoll, die für die inzwischen 46 Jahre alte Serie neue Abenteuer schreiben dürfen. Er selbst ist 40 und kann sich mit den Drei-???-Büchern einen speziellen Kindheitstraum verwirklichen – und damit sogar seinen Lebensunterhalt verdienen. Dass seine Initiativbewerbung beim Kosmos-Verlag mit einer ersten Drei-???-Idee Erfolg hatte, lag vielleicht auch daran, dass Dittert bereits etliche Romane für die legendäre Perry-Rhodan-Reihe geschrieben hatte. Aber offensichtlich konnte er sich auch sofort perfekt in das Rocky-Beach-Universum hineinversetzen.

 

Ein typischer Moment für die drei ???

So las denn der Autor den Grundschülern aus Barbis und Bartolfelde – und auch ein paar erwachsenen Fans – aus seinem 2011 erschienenen, ersten Roman über die drei Detektive („Geheimnisvolle Botschaften“) eine kleine Szene vor, die aber sowas von exemplarisch ist, das Dittert seinem Protagonisten Peter Shaw gleich schon die passenden Gedanken denken lässt: „Ein typischer Moment für die drei ???.“

Es ist mal wieder Peter, der mit seiner Begabung, Schlösser zu knacken, in das Hotelzimmer völlig zu Recht Verdächtigter einsteigen darf, um ein gestohlenes Pergament-Buch zurück zu klauen. Der gerne etwas besserwisserische, allerdings auch unheimlich allwissende Justus steht derweil auf dem Korridor Schmiere. Bob wiederum beobachtet das Gauner-Paar im Hotel-Restaurant, um per Handy rechtzeitig vor einer Rückkehr warnen zu können. Natürlich geht das alles nicht ganz so glatt ab, wie das die drei ??? gerne hätten.

Gebannt verfolgten die Kinder die recht kurze, für sie jedoch ausreichend lange Lesung. Danach erzählte Christoph Dittert ein wenig von sich selbst und lud seine Zuhörer zum Fragen ein. Davon machten die auch gleich regen Gebrauch, sodass Dittert gar nicht mehr dazu kam, noch einmal dieselbe Szene in der Hörspielfassung (Folge 160) vorzuspielen. Die fällt reichlich gekürzt und etwas verändert aus – das Medium Hörspiel hat halt seine eigenen Zwänge und manchmal rechtlichen Probleme: „Die James-Bond-Melodie als Klingelton ging im Hörspiel nicht, das hätte ordentlich Lizenzgebühr gekostet“, erklärte Dittert.

 

Mit einer Idee fängt alles an

Er habe schon als Kind Autor werden wollen, verriet er. Seit etwa 15 Jahren ist er es jetzt tatsächlich, seit zehn Jahren sogar hauptberuflich. Er hat schon insgesamt über 100 Romane geschrieben – freilich keine dicken Wälzer, aber es ist viel Arbeit. „Manchmal schreibe ich den ganzen Tag – und manchmal habe ich auch ehrlich keine Lust.“ Aber wer kennt das nicht?

Ein einzelner Drei-???-Roman brauche dabei durchaus schon mal über ein halbes Jahr. Am Anfang stehe immer eine bestimmte Idee. Bei „Geheimnisvolle Botschaften“ der frühere Brauch, die Schrift vom Pergament abzuschaben, um das wertvolle Blatt noch einmal verwenden zu können. Durch Röntgenaufnahmen lassen sich jedoch restliche Eisenpartikel aus der alten Tinte und damit der ursprüngliche Text wieder sichtbar machen. Ein anderes Mal stieß Dittert auf die wahre Geschichte einer seit 50 Jahre brennenden Stadt in den USA. Dann wieder hatte er die leicht schräge Möglichkeit, ein von der Seniorenresidenz zum Luxushotel umgebautes Hochhaus von oben bis unten inklusive aller Wirtschaftsräume zu besichtigen.

Um diese Idee herum baue er dann Grundzüge der Handlung und der zusätzlichen neuen Personen – die gegebenen Hauptpersonen würden die ehrfürchtigen Autoren natürlich niemals antasten. Dieser Plan vom neuen Roman mache dann die Runde über Freunde und den Verlag, um Verbesserungsvorschläge zu sammeln. Dann lasse er das Ganze erst einmal ruhen, um sich anderen Romanen zu widmen. Und wenn es dann richtig losgeht, dann sei er einigermaßen fix: „Ich schreibe so einen Roman oft in einer oder zwei Wochen.“

 

Teil eines riesigen Kults

Das mag ja für manche vielleicht trashig klingen – aber für Christoph Dittert ist eben etwas Wirklichkeit geworden, von dem andere nur träumen können. Er ist bedeutender Teil eines riesigen Kults. Was er zu Papier bringt, wird von Hundertausenden Drei-???-Fans sehnsüchtig erwartet. Schätzungen zufolge sind 80 Prozent der Leser Kinder. Bei den Hörspielen ist es genau umgekehrt: Vierzigjährige lauern begierig auf die neuesten Folgen, füllen bei Live-Events die größten Hallen Deutschlands. Schon die Release-Partys werden regelmäßig von bis zu 800 Zuhörern zelebriert – Erwachsene im Hörspielrausch. Für den peitschenschwingenden Alan Jones in „Geheimnisvolle Botschaften“ haben die Macher sogar als besonderen Gag Wolfgang Pampel engagiert, den Synchronsprecher von Harrison Ford alias Indiana Jones. Auch wenn Dittert mit der Produktion der Hörspiele nichts zu tun hat: Was gibt es für den Lieferanten der Vorlage cooleres als das?

Nun, vielleicht, dabei zu helfen, eine nachfolgende Generation von Drei-???-Fans aufzubauen. Deshalb tourt Christoph Dittert gerne mit kleinen Lesungen wie dieser durch das Land. Es macht ihm sichtlich Spaß, mit Kindern zu schwätzen. Und wenn das dann noch in einer so urigen Atmosphäre wie im richtig-echten Kinosaal geschieht, dann ist auch Dittert selbst begeistert – mit drei !!!

 

Ausrufezeichen setzt auch das 4. Mordsharz Literaturfestival noch bis zum Sonntag mit jeder Menge spannungsgeladener Ereignisse. Das Programm finden Sie hier.


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