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Mittwoch, 17. Juli 2019
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Geschrieben von ski am 02. November 2014
Kultur und mehr

Der Nährboden der Katastrophe

Gutbesuchter Vortrag des Kulturkreises: Dr. Werner Rahn referierte zum 2. Weltkrieg

Dr. Werner Rahn vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt Potsdam
Dr. Werner Rahn vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt Potsdam

Auch der zweite Vortrag am 30.10.2014 im Rahmen der diesjährigen Universitätstage des Kulturkreises Bad Lauterberg stieß auf großes Publikumsinteresse. Der Referent, Militärhistoriker Dr. Werner Rahn wurde von Pastor Helmut Sassenberg eingeführt, der auch die anschließende Diskussion leitete.
Klar, dass ein so gewaltiges Thema wie der zweite Weltkrieg nicht in einem einzigen Vortrag abzuhandeln ist, dennoch schaffte Rahn es, interessante Einblicke in die Hintergründe des Krieges, der am Schluss globale Dimensionen angenommen hatte, zu gewähren. Der Krieg, den Deutschland mit dem Überfall auf Polen vom Zaun gebrochen hatte, wurde von Hitler in erster Linie als ideologischer Krieg, als Weltanschauungskrieg begriffen, einen "Rassenkampf um die Herrschaft in Europa", wie Rahn erklärte. Der Rassismus sei dabei die Grundlage gewesen, und das Heer wurde zum Instrument eines rassenideologisch motivierten Vernichtungskrieges, bei dem auch die bis dato geltenden Standards der Behandlung der Zivilbevölkerung und der gefangenen feindlichen Soldaten über Bord geworfen wurden. Dabei habe es keinen offenen Widerspruch der verantwortlichen Generäle gegenüber Hitler gegeben.  Der Nährboden der Katastrophe, "das war der moderne Vernichtungskrieg zusammen mit der menschenverachtenden Ideologie und der Demagogie."

Dabei sei die Sowjetunion von Hitler letztlich als der Feind schlechthingesehen worden, als "asoziales Verbrechertum" eines "jüdischen Bolschewismus", den es zu vernichten gelte.  Der in jüngster Zeit häufiger behaupteten These, es habe sich beim zweiten Weltkrieg um einen Präventivkrieg gehandelt, da man einen Angriff der Sowjetunion befürchtet habe, erteilte Rahn eine klare Absage: "Wir wissen eindeutig, dass es sich nicht um einen Präventivkrieg gehandelt hat. Hitler ist der Sowjetunion nicht einfach zuvorgekommen, der Angriff Deutschlands war für die Sowjetunion eine totale Überraschung." Auch von Deutschland sei kein einziges Dokument, keine einzige Quelle,  bekannt, welche darauf hinweise, dass man sich vor einer militärischen Erstarkung der Sowjetunion gefürchtet habe".

An der anschließenden Diskussion beteiligten sich viele interessierte Zuschauer mit Fragen an den Referenten, teils auch mit eigenen Erinnerungen aus der Familiengeschichte.

Ein erfreulicheres Kapitel der deutschen Geschichte wird zum Thema des nächsten Vortrags:  Ehrhart Neubert, einer der wichtigsten Bürgerrechtler und entscheidend beteiligt an der Initiierung des „Runden Tisches“, wird über den Mauerfall und die Wiedervereinigung sprechen. "Revolution 1989 - Von der leisen Ohnmacht zur Macht der freien Rede" lautet der Titel seines Vortrags am 12. November um 20 Uhr im Haus des Gastes.


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