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Donnerstag, 13. August 2020
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Geschrieben von Christian Dolle am 18. September 2015
Kultur und mehr

Gelungener Mordsharz-Auftakt in Wernigerode

Freda Wolff, Christian Amling und Zoë Beck haben die Bandbreite von Krimilesungen gezeigt

Super Auftakt: Das Publikum war begeistert.
Super Auftakt: Das Publikum war begeistert.
Übernahmen den Start (von links): Arndt Schulz, Ulrike Gerold und Wolfram Hänel.
Übernahmen den Start (von links): Arndt Schulz, Ulrike Gerold und Wolfram Hänel.
Christian Amling las aus „Das Steinkistengrab“.
Christian Amling las aus „Das Steinkistengrab“.
Zoë Beck thematisiert mit Schwarzblende religiösen Fanatismus.
Zoë Beck thematisiert mit Schwarzblende religiösen Fanatismus.
Fans holten sich Autogramme.
Fans holten sich Autogramme.
Das Mordsharz-Team (von links): Susanne Kinne, Roland Lange, Christoph Lampert und Andreas Sack.
Das Mordsharz-Team (von links): Susanne Kinne, Roland Lange, Christoph Lampert und Andreas Sack.

Kurz vor der Tat liegen bei allen die Nerven blank. Alles mag noch so gut geplant sein, es bleibt immer eine letzte Unsicherheit, ob es auch klappt. So ist es bei jedem Verbrechen und eben auch beim Mordsharz-Festival, das am Donnerstag (17.09.2015) in Wernigerode startete. Noch dazu fand das Krimifestival in diesem Jahr im Rahmen der Landesliteraturtage Sachsen-Anhalt statt, was den Druck für die Organisatoren, „Buchhehlerin“ Susanne Kinne, „Schreibtischtäter“ Roland Lange und „den Paten vom Brocken“ Christoph Lampert, nicht gerade verringerte.

Doch die Plätze in der Remise füllten sich, Cheftechniker Andreas Sack hatte den Raum in farbiges Licht getaucht und auch die Autoren Wolfram Hänel und Ulrike Gerold kamen pünktlich aus Hannover an. Noch dazu hatten beide den Gitarristen Arndt Schulz dabei, der von Beginn an für die richtige Stimmung sorgte. Die besondere Stimmung war es auch, die die Lesung aus ihrem Thriller „Töte ihn, dann darf sie leben“ ausmachte.

 

Wolff: Ein Schrei im Wald

Abwechselnd las das Schriftstellerpaar, das unter dem Pseudonym Freda Wolff schreibt, eine Szene in einem einsamen Wald in Norwegen, in der eine Frau in der Dunkelheit nach ihrem Mann sucht und dabei einen Schrei hört, der ebenso von einem Tier wie auch von einem Menschen stammen könnte und die Idylle der einsamen Landschaft mit einem Schlag zunichte macht. „Diesen Schrei haben wir in einem Urlaub selbst gehört“, erzählten Gerold und Hänel, „und wir wissen bis heute nicht, was es war, wussten in dem Moment nur, dass er mal in einem unserer Bücher vorkommen soll.“

Weiterhin berichteten sie von den Vorzügen des gemeinsamen Schreibens, die sich vor allem bei der auf mehrere Schultern verteilten Recherche zeigen, beim gelegentlichen Streit um Details aber auch ab und zu in Erinnerung gerufen werden müssen. Trotz der düsteren Atmosphäre ihres brandneuen Buches, das erst ab der kommenden Woche erhältlich ist, gelang ihnen eine höchst unterhaltsame Lesung und damit ein absolut gelungener Auftakt des Festivals.

 

Amling: Unkonventioneller Stil kommt an

Nach kurzer Pause ging es mit dem Quedlinburger Autor Christian Amling weiter, der im Gegensatz zu Hänel und Gerold keinen festen Plot entwirft, sondern seine Krimis beim Schreiben entwickelt und dabei vieles einfließen lässt, was er selbst erlebt. „Gerade hat mich beispielsweise jemand in ein Haus eingeladen, in dem es spuken soll“, berichtete er und erzählte einige Anekdoten, die so vielleicht nur im Harz passieren können.

Anschließend las er aus „Das Steinkistengrab“, das tatsächlich beim Bau der Bundesstraße B 6n entdeckt wurde, in seinem Buch allerdings noch deutlich mystischer daherkommt als in der Realität. Sein eigener, unkonventioneller Erzählstil kam bei seinen Zuhörern gut an und sorgte damit zum zweiten Mal an diesem Abend für langanhaltenden Applaus.

 

Beck: Fesselnd, lebensecht, bedrohlich

Dafür wurde es dann bei Zoë Beck anschließend sehr ruhig. Nicht etwa, weil das Publikum kein Durchhaltevermögen mehr hatte, sondern weil sie in „Schwarzblende“ gleich im ersten Kapitel den grausamen Mord zweier religiöser Fanatiker in einem Londoner Park schildert, der noch dazu auf einer wahren Begebenheit beruht. Außerdem las die Autorin die ohnehin schwer verdauliche Szene so fesselnd und lebensecht, dass sie dadurch noch erschreckender, realistischer und bedrohlicher erschien.

Auch während der weiteren Lesung hingen ihre Zuhörer an Becks Lippen, da sie sehr eindringlich über ihre Recherchen für das Buch und das strikte Vorgehen der britischen Polizei im Fall des Terrorverdachts sprach. „Im Gefängnis sind Sie mehr oder weniger rechtelos“, berichtete sie und fügte hinzu, dass in Großbritannien in diesem Kontext ohnehin vieles sehr extrem sei, so beispielsweise auch die keinesfalls immer angemessene Berichterstattung der Presse.

 

Viel Abwechslung bei den Veranstaltungen

Das ernste Thema zum Abschluss zeigte dabei zum einen die Bandbreite von Krimilesungen, zum anderen das gute Gespür der Organisatoren für abwechslungsreiche Veranstaltungen auf. So freuten sich viele Besucher, dass am Freitag und Samstag in Bad Lauterberg und Goslar noch weitere Lesungen auf dem Programm stehen.


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