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Donnerstag, 13. August 2020
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Geschrieben von Christian Dolle am 19. September 2015
Kultur und mehr

Bei Mordsharz darf Krimi auch Spaß machen

Die Abendlesungen auf der Bad Lauterberger Königshütte mit Roland Lange, Eva Almstädt und Klaus-Peter Wolf

Die Königshütte erwies sich als tolle Location.
Die Königshütte erwies sich als tolle Location.
Auch für ein gemeinsames Foto fanden die Akteure zwischendurch Zeit.
Auch für ein gemeinsames Foto fanden die Akteure zwischendurch Zeit.
Spannende Atmosphäre in der Maschinenhalle.
Spannende Atmosphäre in der Maschinenhalle.
Urig, gemütlich, im industriell-rustikalen Ambiente.
Urig, gemütlich, im industriell-rustikalen Ambiente.
Autor und Mitorganisator Roland Lange.
Autor und Mitorganisator Roland Lange.
Bruce Springsteen aka Frank Bode.
Bruce Springsteen aka Frank Bode.
Klaus-Peter Wolf und Bettina Göschl plauderten auch aus dem Alltag.
Klaus-Peter Wolf und Bettina Göschl plauderten auch aus dem Alltag.
Eva Almstädt vor feurigem Kneippstadt-Himmel.
Eva Almstädt vor feurigem Kneippstadt-Himmel.

Nach dem erfolgreichen Auftakt in Wernigerode ist das Mordsharz-Festival am Freitag (18.09.2015) in Bad Lauterberg fortgesetzt worden. Das Abendprogramm in der vollbesetzten Königshütte konnte mit Roland Lange und Frank Bode, Eva Almstädt sowie Klaus-Peter Wolf und Bettina Göschl aufwarten. Vor allem der aus Ostfriesland angereiste Bestsellerautor Wolf wurde von vielen mit Spannung erwartet. Bei seinen Fans ist er vor allem für einige typisch norddeutsche Figuren und deren trockenen Humor in seinen Krimis bekannt, aber eben auch dafür, dass er sich bei Lesungen als großartiger Entertainer präsentiert. So wurde das Mordsharz-Publikum nicht enttäuscht, zumal er gemeinsam mit seiner Partnerin Göschl viel Persönliches aus seinem Alltag als Schriftsteller preisgab.

 

Wolf: Von den Leiden einer Autorengattin        

Wenn er schreibt, verschmelze er geradezu mit der jeweiligen Figur, erzählte er, so sehr, dass seine Frau meint, er habe sogar einen weiblichen Gang, wenn er gerade seine Ermittlerin Ann Kathrin Klaasen ist oder als Rupert Dinge sagt, die er sich sonst kaum zu denken traue. Göschl hatte über diese Besonderheit ihrer Beziehung sogar ein Lied geschrieben und sang sehr zur Freude der vielen Zuhörer: „Wenn mein Mann einen neuen Krimi schreibt und mitten im Kapitel plötzlich stecken bleibt, dann ist er eine ganz andere Person – tja, ihr lieben Frauen, wer hat das schon?“

Selbstverständlich las Wolf auch einige Stellen aus seinem aktuellen Krimi „Ostfriesenwut“, doch auch hier wählte er nicht die schaurigen aus, sondern jene, bei denen sich sein Publikum auch dank seiner mitreißenden und pointierten Vortragsweise schon bald vor Lachen kaum noch auf den Sitzen halten konnte. „Er wusste, dass Männer zur Hausarbeit nicht geeignet sind; oder konnte sich jemand Humphrey Bogart mit einem Putzlappen vorstellen“, hieß es beispielsweise über den Möchtegern-Macho Rupert, der sich dann auch prompt beim Ausräumen der Geschirrspülmaschine einen Hexenschuss zuzog.

 

Almstädt: Spannend, bissig, lustig

Auch für die Zuhörer wurde es geradezu körperlich anstrengend, denn Eva Almstädt hatte zuvor ebenfalls die Lachmuskeln strapaziert. Ihr „Ostseefeuer“ erzählt vom neuen Pastor eines kleinen Dorfes, der zwar bei den Jüngeren gut ankommt, von den Alten jedoch äußerst skeptisch beäugt wird, da er all das umkrempelt, was dort schon immer so war und eigentlich auch immer so bleiben sollte. Zwar wird dieser Pastor schon bald darauf mit eingeschlagenem Schädel in der Kirche aufgefunden, doch der Spannung stellt die aus dem hohen Norden stammende Autorin eine ebenso treffende wie bissige Beobachtung der Dorfbewohner gegenüber, die den Schrecken über den Mord geradezu in den Hintergrund drängt.

„Wissen sie, wie viele Morde es im gesamten Jahr 2013 in Schleswig-Holstein gab?“ fragte sie zwischendurch. „Es waren insgesamt 13. Da ermittelt dann bei der Polizei jeder, der mindestens einen Kugelschreiber halten kann, und alle sind froh, dass endlich mal was Richtiges passiert.“ Auch wenn das zynisch klingt, war zwischen den Zeilen die Liebe zu ihrer Heimat spürbar, ohne die solche Schilderungen ja auch kaum machbar sind.

 

Lange und Bode: Passender Start in den Abend

Liebe zur Heimat zeigte sich auch bei Lange, der den Abend eröffnete, und zwar in einem T-Shirt mit dem Aufdruck „Home is where your Harz is“. Mag es als Initiator von Mordharz selbstverständlich sein oder möglicherweise eine Reaktion auf einen vieldiskutierten dpa-Artikel über „die Stadt der beigen Hosen“, sein Harzkrimi „Der letzte Sprung“ lässt jedenfalls keinen Zweifel daran, dass hier doch einiges passiert und Südniedersachsen auch literarisch durchaus interessant ist.

Gemeinsam mit Frank Bode an der Gitarre präsentierte er Szenen aus seiner Geschichte im Umfeld des Burgturniers in Nörten-Hardenberg, mal mit verteilten Rollen gelesen, mal mit dem Liedermacher als Bruce Springsteen, der im Buch wie auch tatsächlich schon Gast bei dem Springreitevent war. Vor allem die fortwährenden gegenseitigen Sticheleien der beiden machten die Lesung zu einem äußerst kurzweiligen Vergnügen und schlugen gleich zu Beginn den frech-humorvollen Grundton des Abends an.

 

Am Mittag hatte es bereits mit Drei-???-Autor Christoph Dittert und Geräuschemacher Jörg Klinkenberg ein überwältigendes Kinder- und Junggebliebenen-Programm in der Aula der Grundschule am Hausberg gegeben.


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