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Donnerstag, 13. August 2020
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Geschrieben von Boris Janssen am 19. September 2015

Kultur und mehr

Die drei ??? und das geniale Live-Event

Mordsharz: Autor Christoph Dittert und Geräuschemacher Jörg Klinkenberg begeistern in der Grundschule am Hausberg

In der Aula der Grundschule am Hausberg wurde ein Live-Event der Extraklasse geboten…
In der Aula der Grundschule am Hausberg wurde ein Live-Event der Extraklasse geboten…
…bei dem Jörg Klinkenberg (links) und Christoph Dittert als kongeniales Duo auftraten.
…bei dem Jörg Klinkenberg (links) und Christoph Dittert als kongeniales Duo auftraten.
Während Christoph Dittert ruhig und routiniert las…
Während Christoph Dittert ruhig und routiniert las…
…wuselte Jörg Klinkenberg auf seinem knarzfreien Spezialstuhl umher…
…wuselte Jörg Klinkenberg auf seinem knarzfreien Spezialstuhl umher…
...Füße und Hände gleichzeitig in Bewegung…
...Füße und Hände gleichzeitig in Bewegung…
…und zwar in alle Richtungen.
…und zwar in alle Richtungen.
Ganz klar: Hier beißt Dracula zu…
Ganz klar: Hier beißt Dracula zu…
…und schlürft sein Opfer aus.
…und schlürft sein Opfer aus.
Die Reste nach Knochenbrüchen, Vampirbiss und Aquariumschaden.
Die Reste nach Knochenbrüchen, Vampirbiss und Aquariumschaden.
Wer kennt die drei Fragezeichen?
Wer kennt die drei Fragezeichen?
Christoph Dittert verschwindet im Ansturm auf die Autogramme.
Christoph Dittert verschwindet im Ansturm auf die Autogramme.
Schulleiterin Anke Tilhein-Engelke (links) und Mordsharz-Organisatorin Susanne Kinne bei der Begrüßung.
Schulleiterin Anke Tilhein-Engelke (links) und Mordsharz-Organisatorin Susanne Kinne bei der Begrüßung.

Außer dem Autor braucht man ja gar nicht viel, um ein Drei-???-Buch bei einer Lesung so richtig zum Leben zu erwecken: nur die halbe Gemüseabteilung aus dem Supermarkt des Vertrauens, ein bisschen Müll aus einem Studio in Babelsberg und so Zeugs, das irgendwo bei Leuten oder auf Flohmärkten rumgelegen hat. Ach so, und natürlich den Geräuschemacher, der all diese Dinge über Jahre zusammengesammelt hat. Mit diesen einfachen Zutaten ist dem Mordsharz-Team am Freitagmittag (18.09.2015) in der Aula der Grundschule am Hausberg nicht nur ein tolles Kinderprogramm gelungen, sondern ein mitreißendes Live-Event – und das sogar als echte Premiere.

Drei-???-Autor Christoph Dittert hatte im vergangenen Jahr sofort versprochen, erneut zum Mordsharz-Festival zu kommen, dann aber nicht alleine. Er hat Wort gehalten und Jörg Klinkenberg mitgebracht. Der Geräuschemacher hat schon viele Hörspiel-, Fernseh- und Kinoproduktionen vertont (unter anderem Episoden vom Tatort, Filme von Hape Kerkeling oder die bald bei RTL zu sehende Event-Serie „Deutschland 83“) und ist bei vielen Fans der zu den Büchern gehörenden Hörspiel-Reihe Kult. Wie sein Bruder hat er schon bei den Drei-???-Liveshows vor Tausenden Zuschauern in Deutschlands größten Hallen mitgemacht, und bei diesen Shows ist der Geräuschemacher der heimliche Star. Dass so etwas auch vor deutlich kleinerem Haus und bei einer Lesung funktioniert, erlebten am Freitag zunächst die Kinder bei einer Schulvorstellung und danach noch einmal die etwas größeren Fans.

 

Platschen, Schmatzen, Quatschen

Dittert las aus seinem Band „Der gefiederte Schrecken“, Klinkenberg untermalte alles simultan mit einer faszinierenden Geräuschkulisse. Während Dittert verschiedene Szenen vorstellte, in denen Justus, Peter und Bob mit zum Teil gigantischen Aquarien zu tun haben und sogar Meeresgetier aus einem geborstenen Behälter retten müssen, wuselte Klinkenberg auf seinem Stuhl herum, plätscherte, platschte, schmatzte und quatschte, quietschte auf Glas, ließ es zersplittern, knacken und dumpf klopfen. Dittert saß ruhig an seinem Tisch, Klinkenberg war in ständiger Bewegung. Den Blick immer zum Manuskript gerichtet, ließ der Geräuschemacher Beine und Arme, Füße und Hände fast pausenlos umherfliegen. Und schon konnte man sie ob der Geräusche sehen, die verzweifelt zappelnden Fische, wie die drei ??? sie wieder ins rettende Wasser entlassen oder auch wie Justus mit dem Fahrrad eine mondäne Villenauffahrt emporradelt.

Dittert und Klinkenberg sind beide echte Profis. Das zeigt sich schon daran, dass sie ihre Vorstellung in der Bad Lauterberger Grundschule zum allerersten Mal präsentiert haben, ohne sie je einmal zusammen geprobt zu haben. Klinkenberg hatte sich von Dittert nur das Lese-Manuskript geben, Dittert seinerseits von Klinkenberg einfach überraschen lassen. Auf der Frankfurter Buchmesse hatten die beiden schon einmal etwas Ähnliches gemacht, aber das hier war auch für Dittert komplett neu: „Meine eigene Geschichte so zu erleben, das war absolut toll“, war er selber ganz begeistert von seinem Kollegen. Und er ist schon jetzt gespannt, ob der Schrei des gefiederten Vogelmenschen in der Hörspielfassung genau so schrecklich-genial wird wie hier in live.

 

Dracula und die Pampelmuse

Dittert und Klinkenberg lockerten die Lesungen mit einem kleinen Workshop im Geräuschemachen auf. Dabei verriet Klinkenberg den einen oder anderen Trick, machte deutlich, welchen Unterschied verschiedene Resonanzmedien für ein und dasselbe Geräusch bedeuten können, und er nahm dem Publikum auch so manche Illusion: Die Zuhörer wissen jetzt, wenn sie das nächste Mal an einem idyllischen Teich spazieren gehen und ein vielstimmiges Quakkonzert hören, dann hocken da nur wieder verrückte Leute im Schilf und rubbeln mit nassen Händen in kleinen Kaffeetassen herum.

Die beiden passten ihr Programm ein wenig – und perfekt – an die jeweilige Zielgruppe an. Ein bisschen mehr Slapstick für die Kinder, ein bisschen mehr „Blick hinter die Kulissen“ für die Erwachsenen. Aber alle wurden förmlich in die Geschichte hineingesogen. Im „Infoblock“ durfte das Publikum auch selbst ein wenig üben und Teil einer großen Pferdeherde werden, während Klinkenberg mit Zaumzeug im Mund nun wirklich alle Register zog, um einen akustisch formvollendeten Parforceritt hinzulegen. Und dann flatterte noch Dracula herein, biss vermittels Paprika herzhaft in sein Opfer und schlürfte es per Pampelmuse genüsslich leer.

 

Spontaner Berufswunsch: Geräuschemacher

Natürlich beantworteten Autor und Geräuschemacher jede Menge Fragen. Bemerkenswert dabei, dass auch die Kinder begriffen haben, der Geräuschemacher stiehlt dem Autor auf der Bühne zwar ganz schnell die Show, aber letztlich sind Beide Teil eines Ganzen. So wurden Christoph Dittert und Jörg Klinkenberg gleichermaßen mit Fragen überhäuft und von Autogrammwünschen bestürmt. Einige Kinder legten sich indes spontan fest, selbst Geräuschemacher werden zu wollen. Jörg Klinkenberg hörte das gerne: „Es gibt nur etwa 15 von uns in Deutschland. Wir können Nachwuchs gut gebrauchen.“

Schade nur, dass die Vorstellung für die erwachsenen Fans eher mäßig besucht war, was dem Engagement auf der Bühne aber keinen Abbruch tat. Wer jetzt glaubt, etwas Geniales verpasst zu haben, nun ja, der hat schlicht und ergreifend recht. Da hilft nur eines: Das nächste Mal besser auf die Ankündigung hören.


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