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Dienstag, 07. Juli 2020
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Geschrieben von Christian Dolle am 06. September 2016
Kultur und mehr

Ein Ermittler, dem fast alles zuzutrauen ist

Mordsharz 2016: Vincent Kliesch „Im Augenblick des Todes“ – am 17. September in Bad Lauterberg

Hat in Bad Lauterberg eine eingeschworene Fangemeinde: Vincent Kliesch.
Hat in Bad Lauterberg eine eingeschworene Fangemeinde: Vincent Kliesch.
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Der Berliner Thrillerautor Vincent Kliesch hat in Bad Lauterberg längst eine eingeschworene Fangemeinde. Und es ist keine einseitige Liebe, denn der Harzort spielt in Klieschs „Im Augenblick des Todes“ eine nicht unwichtige Rolle. Doch nicht nur deshalb wird sein Besuch beim diesjährigen Mordsharz-Festival von vielen auch sehnsüchtig erwartet und nicht nur deshalb lohnt sich sein neuer Krimi.

„Nennen Sie mich Ismael“, sagt der Unbekannte, der Kommissar Severin Boesherz kurz darauf an den Tatort eines ebenso akribisch wie kaltblütig inszenierten Mordes führt. Boesherz erkennt es als eine Kopie jenes Verbrechens, das er als einziges in seiner Karriere nie lösen konnte, und macht sich nun umso besessener an die Aufklärung. Dabei verstrickt er sich mehr und mehr in seine eigene Vergangenheit, so dass für seine Kollegen vom Berliner LKA bald nicht mehr klar ist, auf welcher Seite er eigentlich steht. Vor allem irritiert sie seine Beziehung zu einem fünfzehnjährigen Jungen aus dem Harz, die er unter allen Umständen geheimzuhalten versucht.

Der aktuelle Kliesch schockt wie gewohnt mit brutalen Morden und Ermittlungen, die zunächst mehr Rätsel aufwerfen als sie Fragen beantworten. Soweit ist es nicht weniger als das, was Genrefans erwarten, dargeboten in rasantem und nicht minder elegantem Schreibstil. So pointiert Kliesch bei seinen Lesungen unterhält, so präzise weiß er in seinen Büchern die Spannung aufzubauen und seine Leser zu fesseln. Das ist auch in seinem Metier nicht selbstverständlich, für viele Leser jedoch nur eine Grundvoraussetzung für einen Roman.

 

Gekonntes Spiel mit den Erwartungen der Leser

Eine weitere ist die Hauptfigur, die beim Thriller bekanntlich häufig durch beeindruckende Logik besticht und, um ihr vermeintlichen Tiefgang zu geben, als gebrochener Charakter beschrieben wird. Dabei sollte sie immer der eindeutige Sympathieträger sein, um die Faszination für den ebenso genialen Gegenspieler nicht allzu groß werden zu lassen. Klieschs Severin Boesherz jedoch ist so arrogant, dass er seine überdurchschnittliche Intelligenz und seine stilvolle Lebensart sogar dem Leser gegenüber herauszukehren scheint. Im ersten Fall für Boesherz, „Bis in den Tod hinein“, mag das noch ein Störfaktor gewesen sein, im aktuellen „Im Augenblick des Todes“ macht der Autor genau das zum zentralen Thema der Geschichte.

Zwar glaubt jeder Krimileser zu wissen, dass Boesherz nicht der Mörder ist, weil nicht sein kann, was nicht sein darf, doch es ist ihm zuzutrauen. Es ist ihm zuzutrauen, dass er mit seinen Kollegen ein perfides Spiel spielt und ebenso, dass er eine geheime Affäre mit einem Minderjährigen hat, den er heimlich aus Bad Lauterberg nach Berlin einbestellt. Somit spielt auch der Autor gekonnt mit den Erwartungen seiner Leser, lässt sie schwanken zwischen der literarisch anerzogenen Identifikation mit dem Helden und der natürlichen Ablehnung dessen überheblicher Attitüde.

Ebenso wie Kliesch auf den von der Jagd nach Moby Dick besessenen Kapitän Ahab anspielt, erinnert sein Ermittler auch an Dürrenmatts Kommissar Matthäi. Während der in „Das Versprechen“ jedoch an seinem ungelösten Fall zerbricht und verstummt, muss Boesherz all seine Geheimnisse offenbaren und sich schließlich einem spektakulären und absolut filmreifen Finale stellen, das dann doch wieder typisch für aktuelle Thriller ist.

  

Mordsharz-Höhepunkt im Kursaal Bad Lauterberg

Somit ist „Im Augenblick des Todes“ eine intelligent konstruierte Geschichte um einen in Erinnerung bleibenden Ermittler und vor allem eines jener Bücher, die nicht gelesen, sondern verschlungen werden. Noch dazu ist Vincent Kliesch ein großartiger Entertainer, so dass seine Lesung am 17. September 2016 um 20 Uhr im Bad Lauterberger Kursaal zu den Höhepunkten des diesjährigen Krimifestivals gehören dürfte.


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